The Crash
die märchen eines anwalts
12.01.2001, 11:28, Text: Autor unbekannt
Nach ihrem Video befragt, das sie in einem Tennisclub außerhalb von Helsinki drehten, antwortet Samuli Haataja: “Ich habe mal Tennis gespielt, aber den Schläger gegen den Bass eingetauscht. Ich denke, ich sollte wieder zum Tennis zurückkehren.” Wir sind erstaunt: “Du erklärst doch nicht gerade den Ausstieg aus der Band, oder?!” - “Nein, ich mag das Bass-Spielen ja, aber die anderen haben mich gefragt, ob ich nicht wieder mit dem Tennis anfangen wolle.” Sänger/Gitarrist Teemu Brunila bestätigt: “Ja, du solltest wirklich wieder damit anfangen. Sport ist gut.”
Ja, Sport ist gut, die Musik von The Crash ist besser.
Seine Songs und Texte finden statt in genau dieser Scheinwelt. Sie sind eine, so Teemu, “geistige Expedition” (“World Of My Own”, “Polar”) oder auch nur augenzwinkernde Oden, z. B. an eine Jeanshose (“Sugared”), seine Füße (“I Never Dance”) und seine Geduld (“Take My Time”). Angefangen haben Teemu, Samuli und Erkki vor etwa zehn Jahren, als sie sich in der Schule kennenlernten und ihre gemeinsame Passion für U2 entdeckten. Die nächsten Jahre schrammelten sie munter drauflos. Erst 1997, als Toni Ahola Keyboarder wurde, änderte sich etwas. Ein Demo entstand. Dem Booker Johan Hollstén gefiel dieser Diamant so gut, dass er es Radiosendern zuspielte und fortan die Band managte. Der Song “Sugared” wurde zu einem landesweiten Radioerfolg. Die Ereignisse nahmen ihren Lauf: Tournee durch Finnland, Plattenvertrag bei Warner Music und Studioaufnahmen für ihr Debütalbum “Comfort Deluxe”, das 1999 das fahle Licht Finnlands erblickte und Mitte 2000 auch Deutschland Crashs leidenschaftlichen Gitarrenpop mit Streicher- und Synthesizerarrangements nahebrachte. Und dann sind da noch diese unwiderstehlichen Gesangsmelodien, geprägt von Teemus fast feminin anmutender Stimme, die ein wenig klingt wie eine Kreuzung aus Cerys Matthews (Catatonia) und dem androgynen David Bowie aus “Space Oddity”-Tagen.
Und dabei hätten sie sich beinahe aufgelöst. Erkki: “Wir waren gerade an dem Punkt, wo wir immer weniger probten und alles nur noch so sporadisch ohne große Lust machten.” Vor dem Startschuss ins Musikabenteuer kam ein neuer Tastenmann, Jussi: “Wir hatten erst zweimal miteinander geprobt, als wir für ein Interview nach London fliegen sollten. Die Typen hatten mir von dem Interview nichts gesagt, als ich einstieg, obwohl es schon feststand. Ich meine, wir hatten noch nie einen Gig zusammen gespielt.” Zwei Wochen zuvor hatten sich Teemu und Jussi noch mit einem lokalen Kabelsender in Turku abplagen müssen. Teemu: “Da haben wohl höchstens drei tote Omas zugeschaut. Trotzdem waren wir total aufgeregt. Ich glaube, das war eine ganz gute Vorbereitung auf das, was kommen sollte.” Wenn Jussi nicht musiziert, kümmert er sich um seine beiden Clubs in Turku: Sädamö, sein erst wenige Monate alter Rock-Club, in dem sich aber schon internationale Top-Indie-Acts die Ehre gaben, und der DJ-Club Dynamo. Hier feierte man kürzlich sogar zehn Jahre Techno in Finnland, zehn Jahre deswegen, weil damals die Leute um Pansonic den Anfang in Sachen elektronische Musik machten. Im Vergleich zu anderen skandinavischen Ländern hängt Finnland aber doch weit zurück. Jussi weiß Bescheid: “Schweden hat mit die größte Musik-Exportwirtschaft der Welt.” Und da Eigensinn oft siegt, gibt es mehr Trennendes als Verbindendes unter den Nachbarstaaten. “Man kann also nicht sagen, dass es so etwas wie ein skandinavisches Ding gibt.”
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