Close Up

zur inszenierung von nahsicht und oberflächen

10.01.2001, 18:37, Text: Autor unbekannt

Doch Verwirrung rufen beinahe alle Werke der Ausstellung “Close Up” im Kunstverein Hannover hervor. Vorgestellt werden 24 Positionen internationaler Künstler, die sich mit der Inszenierung von Nahsicht und Oberflächen beschäftigen.
Der Kölner Thomas Rentmeister konstruiert zum Beispiel große amorphe Bodenskulpturen aus Polyester. Auch diese seltsamen Gebilde verlocken dazu, ganz nah heranzugehen. So nah, dass man die glatte Oberfläche berühren kann, um herausfinden, ob das Material elastisch oder starr und ob die Skulptur hohl oder fest ist. Wichtig ist, welche unmittelbaren Reaktionen die Werke provozieren. Damit steht diese Kunst in der Tradition der Pop Art.

Form, Material und Optik sind wesentliche Kennzeichen. Medienreflexive Überlegungen und Interpretationsansätze sind eher zweitrangig. Dabei verweisen gerade die Arbeiten der hier gezeigten Fotokünstler wie etwa Oliver Breuning, Inez van Lamsweerde und Rineke Dijkstra auf kunstgeschichtliche Topoi und greifen tradierte Darstellungsformen auf. Daniele Buetti hingegen verwendet Material, das ihm die Werbung bietet. Die Installationen des Schweizers bestehen oftmals aus einer Ansammlung bunter, fluoreszierender Leuchtkästen und Monitore, die dem Raum eine warme, psychedelische Atmosphäre verleihen. Die Kästen sind mit weiblichen Models, Logos, Ornamenten, Slogans und eigenen Textbotschaften beschriftet und bieten thematisch ein breites Assoziationsfeld. Manche dieser Kurztexte erinnern an Jenny-Holzer-Sätze, etwa: “What is so important without it life would not be worth living?” Auf einem anderen Bild fragt ein schöner Frauenkopf: “Have you ever considered suicide?” Trotz mancher Direktheit präsentieren sich Buettis Werke keineswegs aufdringlich, eher einladend. Die Auswahl des Kurators Stephan Berg, der sich mit dieser Ausstellungsübernahme als neuer Leiter des Kunstvereins vorstellt, folgt bewusst einer “essayistischen Struktur” und beabsichtigt, lediglich Facetten zum Thema zu zeigen. In Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Kino im Künstlerhaus, Sophienstr. 2, werden jeden Sonntag um 19 Uhr themenbezogene Filme ergänzend zur Ausstellung gezeigt. Neben Michelangelo Antonionis “Blow Up” und Cindy Shermans selten zu sehendem Spielfilm “Office Killer” widmet sich das Programm dem experimentellen Film (u. a. von Kurt Krens und Stan Brakhage).

Close Up: Kunstverein Hannover (www.kulturserver.de/home/kunstverein_hannover), 20. Januar bis 11. März 2001



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aus Intro #81 (Februar 2001)
 
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