Puppetmastaz

ready to rock

05.10.2000, 15:46, Text: Autor unbekannt

Die elf Mastaz sind harte Jungs. Während ihrer Auftritte, bei denen die Puppets rappen und fette Beats fabrizieren, wird rumgemackert, was das Zeug hält - Spontansex auf der Bühne inklusive. Das erinnert fatal an ihre menschlichen HipHop-Kollegen. Mit denen wollen die Puppetmastaz aber auf keinen Fall in einen Topf geworfen werden. Mr. Maloke, Säule und Großmaul der Puppetmastaz, dazu geringschätzig: “Im heutigen HipHop bedeutet MC nicht mehr Master of Ceremony, sondern eher Master of Making Money.” Mr. Maloke trägt Zylinder, macht die Klappe am weitesten auf und beherrscht die Kunst des Schwertkampfes.

Er rivalisiert mit Croucho um den Chefplatz bei den Puppets. Dieser kam aus Südamerika nach Berlin, um Präsident zu werden. Das hat zwar nicht geklappt, dafür traf er aber andere Frösche, mit denen er vor nunmehr einem Jahr die Puppetmastaz ins Leben rief. Seitdem rocken sie regelmäßig die Berliner Clubs, waren aber auch schon auf Tournee in Holland und Polen. Um in Berlin richtig heimisch zu werden, “brauchen wir nur noch ein Ghetto - einen Blaster haben wir schon”, berichtet mir Croucho schelmisch grinsend.
Die Puppets leben ganz offensichtlich in einer Parallelwelt, fernab unserer Rationalität. Der menschliche Hang zum Zweifeln ist ihrer Meinung nach der Grund für die Unzufriedenheit, die einen Großteil der Menschheit quält. Wenn sie das eine haben, wollen sie immer das andere, so die nicht unbedingt falsche Psychoanalyse. Die Puppets hingegen mögen die Dinge so, wie sie sind. Mit ihrem “puppet way of thinking” wollen sie zeigen, wie man sich locker macht. Was nicht heißen soll, dass sie kein kritisches Bewusstsein besitzen. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Ihre Shows richten sich explizit an die Menschen, denen gilt es viel zu vermitteln - wobei die Gründe von altruistisch bis egoistisch reichen. Letzteres, da die Menschen es den elf MCs nicht gerade leicht machen: Alleine in Clubs reinzukommen ist (meist) nicht angesagt - “No dogs! No frogs!” steht es an den In-Clubs geschrieben. Glücklicherweise helfen ihnen menschliche Freunde wie der kanadische Musiker Gonzales gerne weiter. Was ihnen zwar generell schmeichelt, aber letztlich doch unangenehm ist. Die Puppets sind bemüht, ihre Abhängigkeit von Menschen so gering wie möglich zu halten. Und so sind die Jungs, bei denen sie wohnen, lediglich ihre Energieserver, kommen ansonsten aber nicht zu Wort - weshalb auch hier immer nur die Puppets sprechen.
Andere berühmte Puppenkollegen, besonders aus der Entertainmentbranche (Muppets, Feebles, Flat Eric), sind für Mr. Maloke völlig indiskutabel. Viel zu sehr von Menschen beeinflusst, diktiert er aufs Band. Rapper Da Wizard sieht das nicht ganz so eng und zeigt sich solidarisch mit den Kollegen, die zwar nicht so cool wie die Puppetmastaz sind, aber letztendlich eben auch Puppen.
Überhaupt spielen die Puppet-Boys gern mit einem bad boy-Image. Doch hinter der harten Schale steckt ein erstaunlich weicher Kern. Gegen das Gefühl der Heimatlosigkeit, das sich in der seltsam rationalen Menschenwelt laut Da Wizard schon mal einstellt, haben die Puppetmastaz allerdings ein Mittel gefunden: “Die Roheit der Welt mit Entertainment versehen. Das machen wir, indem wir Entertainment mit der Roheit der Welt verbinden. Und Sex sells!” Aha und na ja. So ganz können sie sich von menschlichen Einflüssen nämlich doch nicht freimachen. Am Ende aller Abgrenzungsversuche erinnert die authentische Verrocktheit der Puppets - ihr Leben zwischen Mucke machen, abhängen und Beziehungsstress - dann doch an die menschlicher Künstler - auch wenn sie das nicht hören wollen. But who care’s. Die Puppetmastaz are ready to rock.
Neben ihren zahlreichen Liveauftritten haben sie kürzlich ihr erstes Video abgedreht: “Wick-A-Woo” hat das Zeug zum Riesenhit und macht süchtig nach mehr Puppetstuff.



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aus Intro #79 (November 2000)
 
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