Go-Betweens

für immer songwriter

22.08.2000, 11:42, Text: Autor unbekannt

Wir erinnern uns: Die Go-Betweens veröffentlichten von 1978 bis 1988 sechs LPs und mehrere Singles und EPs. In ihrer Musik schien der Einfluss von Bob Dylan und Velvet Underground durch. Ausgezeichnet mit einem starken Hang zu schwermütigen Ohrwurm-Melodien. Mit Songs wie “Karen”, “Spring Rain” oder “Right Here” hatten sie zwar einige respektable Indie-Hits im Repertoire, doch ihr an Verkaufszahlen gemessener Erfolg war weit von dem der Smiths entfernt. Ihr Platz war, neben Felt, in der Position der Kritikerlieblinge mit einer kleinen, aber erlesenen Fangemeinde. Es war zur Jahrzehntwende gewesen sein, dass sie sich offiziell auflösten.

Robert: “Die Leute fragen mich immer, ob wir uns zerstritten hatten, aber wenn du zwölf Jahre lang mit fast denselben Leuten eine Band hast, musst du dich nicht streiten, um etwas anderes machen zu wollen.”
Robert Forster bleibt seinem Oscar Wilde-Image treu und trägt einen geschmackvollen Dreireiher zu seinem Seitenscheitel, während Grant McLennan die Haare sportlich-kurz trägt, dazu ein poppiges Longsleeve und Jeans. Ich sitze den beiden in einem Kölner Café gegenüber. Robert und Grant trinken gekühlten Chardonnay, ich entscheide mich für Apfelsaftschorle. “Wenn uns nette Leute nett fragten, kam es auch in den Neunzigerjahren mal vor, dass Grant und ich uns zusammentaten, um einige alte Go-Betweens-Stücke auf der Akustikgitarre vor Publikum vorzuführen.” - “Rob und ich standen die ganzen Jahre über in Kontakt, telefonierten und sahen uns regelmäßig. Wir beide waren in der Zwischenzeit auch nicht untätig und haben einige Soloplatten veröffentlicht. Wir waren fast so viel unterwegs wie früher. Von der Schinderwies, einem Bauernhof in Bayern, bis nach Amerika.”
Was die beiden sonst noch getrieben haben, kann man unter anderem auf der neuen Platte “The Friends of Rachel Worth” nachhören. Beispiel 1: “German Farmhouse”: Robert Forster lebt inzwischen mit seiner deutschen Freundin in einem Haus in der Nähe von Regensburg. Beispiel 2: “Surfing Magazines”: Grant McLennan zog von der australischen Großstadt zurück ins ländliche Brisbane, hat viel gelesen und Sport getrieben. Der Legende nach saßen die beiden nach einem ihrer Akustikauftritte in Melbourne vor einem Hotel, als sie sich dafür entschieden, eine neue Platte aufzunehmen. Nachdem sie bei einem anderen Konzert in San Francisco von der Bühne herunter verkündeten, dass sie neue Mitspieler suchten, kam Janet Weiss auf sie zu und erklärte den beiden, dass sie großer Go-Betweens-Fan und selbst bei einer Band namens Sleater Kinney sei und gerne auf der neuen Platte Schlagzeug spielen würde. Mitmachen würden sicherlich auch gerne die Gitarristinnen ihrer Band, und sie kenne da noch einen hervorragenden Keyboarder, der ansonsten ein Teil von Quasi ist. Robert Forster kannte und mochte die letzte Sleater Kinney-Platte und engagierte spontan die gesamte Gruppe. Nachdem er sich dann noch eine Quasi-CD gekauft und sich von den Qualitäten des Keyboarders überzeugt hatte, war die Band mit Sam Coombes fast komplett. Die neuen Go-Betweens klingen fast, als sei die Musik direkt im Anschluss an ihre letzte Platte “16 Lovers Lane” entstanden. Grant McLennan: “Wir sind eben traditionelle Songwriter. Nicht von der Sorte, die in einem Irish Pub sitzen und den ganzen Tag Guinness trinken, aber trotzdem: Songwriter. Sicherlich wäre ich auch mal daran interessiert, in andere Gefilde vorzudringen, doch mit den Go-Betweens hätte das dann nichts zu tun.”
Kurz darauf, das offizielle Interview ist beendet, verschwindet Robert Forster zum Telefonieren. Und als ich Grant McLennan zu dieser wirklich hinreißenden Platte gratuliere, entgegnet mir dieser: “Als ich wieder mit Rob zusammenspielte, konnten wir wieder diesen Funken spüren, der uns dazu anspornt, noch bessere Songs als bei unseren Solo-Aktivitäten entstehen zu lassen. Ich bin sehr glücklich darüber, wieder mit ihm zusammenzuspielen, und freue mich sehr auf die Tour im November, die uns übrigens auch nach Deutschland führen wird.”



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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