Christian Vogel

interview mit thomas venker

21.08.2000, 18:39, Text: Autor unbekannt

Was hat es mit no-future.com auf sich? Geht es darum, andere Projekte, die nicht so viel einnehmen, zu unterstützen?

Es geht darum, in die Community zurück zu investieren und so die Autonomie zu stärken, was ich für sehr wichtig in der Musikindustrie halte. Es ging von einem Kollektivgedanken aus. Wir wollten eine Infrastruktur schaffen, die mir und gleichartigen Künstlern den Austausch erleichtert. Die Musikindustrie ist ein gefährlicher Ritt, in dem jeder sein eigenes Abenteuer erlebt ... Mittlerweile hat sich das Kollektiv stark reduziert und besteht eigentlich nur noch aus mir und Jamie, also Super_Collider. Wir engagieren uns ein bisschen im Filmbereich, organisieren von Zeit zu Zeit Events, kümmern uns um die Labels.

Grundsätzlich geht es darum, die Autonomie aufrecht zu erhalten und den Kontakt zur Community nicht zu verlieren, mit ihr beispielsweise über die Webseite zu kommunizieren.

Warum sind heute weniger Leute involviert?

Es ist nicht unbedingt leicht, Leute zusammen zu halten. Jeder hat seine eigenen Konfliktdimensionen. Jetzt warten wir gerade auf interessante Neuerungen. Du steckst ja all deine Einnahmen in das Projekt. Muss man ein altruistischer Mensch sein, oder woher kommt dieses Gefühl der Community, etwas zurückgeben zu müssen? So ist es eigentlich nicht angelegt. Ich halte einfach nur mit dem Geld, das ich verdiene, die Maschine am Laufen. Es geht nicht darum, das Geld anderen Projekten zu geben, sondern beispielsweise das Label fortzuführen. Ich verdiene ja auch nicht so viel Geld. Die Dynamik muss erhalten bleiben, denn sonst wird es allen schnell langweilig - zumindest geht das mir so. Ich habe möglicherweise einen tollen Fernseher, eine Mikrowelle und ein neues Auto, aber ich bin trotzdem gelangweilt. Stattdessen habe ich keine Mikrowelle und einen kleinen Fernseher, bin aber nicht gelangweilt.

Hat es vielleicht auch damit zu tun, dass du weißt, wie schwer es ist, mit experimenteller Musik Geld zu verdienen? Ganz im Gegenteil zum Technobereich?

Neue Sachen, neue Sounds, ja generell neue Leute, neue Einstellungen werden grundsätzlich marginalisiert, verkaufen nicht gut - und trotzdem muss man diese Ideen am Leben erhalten.

Was veranlasste dich zum Bruch mit dem cluborientierten Minimaltechno und zur Hinwendung zu einer sehr abstrakten, funky Elektronik, die sich am ewig verlockenden Spiel mit dem Gegensatz aus Avantgarde und Popappeal abarbeitet?

Diese verschiedenen Elemente, die zusammen kollidieren, kreieren eine unglaubliche Energie in der Musik. So viel Energie, wie ich sie nie erreicht hätte, wenn ich weiter diesen Minimal-Shit gemacht hätte. Durch die Kollision der Elemente hat es bum gemacht. Das war wirklich sehr aufregend, besonders 1997, als wir mit dem Projekt angefangen haben. Mein Kopf fing Feuer. Kommerziell ist es leider gefloppt. Wir haben nicht gerade viele Platten verkauft. Dafür hatten wir überall gute Kritiken. Die richtigen, die guten Leute haben es verstanden. Wir hatten nach all der Energie und dem großen Aufwand, den wir in das Projekt gesteckt haben, eigentlich mehr erwartet. Wir wollten nicht nur ein Art-Ding sein, über das die Kritiker reden, sondern auch von den normalen Leuten gehört und geliebt werden. Von daher waren wir frustriert, dass es nur eine Minderheit interessierte. Aber so ist das nun mal. Die Zukunft kommt. Wir arbeiten momentan an einem zweiten Album, das unter ganz anderen Voraussetzungen entsteht. Jamie lebt mittlerweile in Berlin und ist sehr viel eingespannter als beim ersten Album und ich habe auch viel um die Ohren. Es ist schwer, wieder diese Dynamik zu kreieren, die Super_Collider so aufregend machte, aber wir geben unser Bestes.

Siehst du nach Super_Collider und dem aktuellen Album noch den Wunsch zurück zu den klassischen Clubschemata?

Den Minimal-Sound, also eine Drummachine und ein Synthesizer, das habe ich wirklich bis ans Limit erforscht. Jamie und ich nennen das \"Maximal\". Man holt alles aus dem Computer heraus, was er zu leisten in der Lage ist, alles geht ins Rote. Das aktuelle Album ist eine Art Zwischenstadium. Ich bin noch immer an der Energie interessiert, die von Minimalmusik ausgeht, diese spezielle Kommunikation mit den Leuten, die ihre Wahrnehmung auf ganz zentrale Sounds fokussiert. Wenn ich mir dann Enos Produktion des Talking Heads-Albums \"Remain In Light\" anhöre, wo er mit so vielen kleinen Bestandteilen arbeitet, die für ganz nuancierte, funky Reibeflächen sorgen ... Bei der Minimalmusik geht es darum, sehr laut zu mixen. Du hast für eine Stunde an einem Sound gearbeitet und dann mixst du es sehr laut ab. Es ist offensichtlich, dass man davon irgendwann weg muss.

Und die Tanzbarkeit, der direkte, leicht zugängliche, einladende Groove, wo bleibt der?

Super_Collider ist etwas ganz Spezielles, da es nicht nur für Techno außergewöhnlich war, sondern eigentlich für die gesamte moderne Musik. Mein aktuelles Alben ist ein Statement zur Situation von Techno, der Community, der ich entstamme. Ich möchte ja nicht isoliert sein, einsam vor mich hin klagen: \"Ich bin kein Technokünstler, kein Housekünstler, kein HipHopper ...\" Es geht darum zu sagen: \"Das hier ist eine potenzielle Zukunft für diese Musik. Ich habe das hier produziert. Hört euch das an. Ihr könnt vielleicht dazu tanzen, aber achtet auch mal darauf, wie zerbrechlich sie ist, wie löslich die Struktur ist. Es klingt, als könne alles jeden Moment auseinander fallen.\" Ich möchte eine Tür öffnen - und dabei hoffentlich auch Platten verkaufen. Jeder andere kann das auch machen: die Musik etwas öffnen ... Aber ich glaube, ich habe den Faden verloren. Worum ging es dir noch mal?

Um die Tanzbarkeit.

Es ist noch immer Körper-betonte Musik, zu der man tanzen kann. Ich weiß nicht, ob meine alten Platten immer und überall so gut funktionieren. Nehmen wir mal an, du gibst eine Party, und es ist keine Technoparty, eine kleine Party in deinem Haus, und du legst eine meiner Platten auf, beispielsweise \"All Music Has Come To An End\". Die Leute werden das Musikzimmer verlassen und in die Küche gehen. Was stimmt mit der Musik nicht, frage ich mich in solchen Momenten. Zugegeben, ich finde nicht, dass meine Musik in diesen Küchen gespielt werden sollte ... Ich denke, das aktuelle Album hält die Waage. Du kannst es einerseits in der Küche laufen lassen, ohne dass zu viele angepisst sind, und richtig laut abgespielt, funktioniert es auch für DJs. Es wird die Tanzfläche zum Brennen bringen, da es andersartige Musik ist.

Denkst du, dass es eher Frauen anspricht als deine Techno-Alben, da es funkyer ist?

Ich habe da gewisse Einblicke, da ich aus einer frauenreichen Familie stamme. Frauen reagieren meiner Meinung nach außergewöhnlich stark auf laute Technomusik. Die coolen Frauen mögen das. Meine Schwester sagt immer, das gibt ihnen so ein Gefühl im Unterleib, das wir Männer nicht verstehen. Ich glaube schon, dass ich so etwas wie einen weiblichen Ansatz in meiner Musik habe. Frauen sind nun mal unglaublich interessant. Ich kann meine Hände einfach nicht von ihnen halten. Girls, girls, girls - wie der Elvis-Film. Es ist natürlich sehr wichtig, das Gleichgewicht zu halten. Musik nur für Männer zu machen ist kein Spaß.

Denkst du, dass diese drastische Veränderung mit deiner Ausbildung als studierter Musikwissenschaftler zu tun hat?

Ohhh. Nein, es hat definitiv mehr mit meiner Interaktion mit den Leuten zu tun, die Musik absorbieren, sie leben. Musik ist ein wichtiger Aspekt meines Lebens. Ich bin sehr isoliert in Brighton. Es ist eine Frontlinie, jetzt sehr metaphorisch ausgedrückt. \"Wo ist unser Publikum?\" war schon immer eine der zentralen Fragen von Art-Music. Und die Antwort: \"Unsere Musik ist so fortschrittlich, dass es das Publikum noch gar nicht gibt.\" Das befriedigt mich aber nicht. Diese Musik soll kommunizieren; wenn sie das nicht macht, ist sie unnütz. Deshalb habe ich immer engen Kontakt zu den Leuten gehalten. Sollte ich jemals Musik machen, an der die \"normalen\" Leute kein Interesse haben, würde ich mich selbst in Frage stellen. Meine Offenheit kommt aus der Erfahrung, wie Musik vom Publikum, den Kids benutzt wird. Das Studium hat mich eher technische Aspekte gelehrt. Eigentlich habe ich mich drei Jahre mit der abgefahrensten Musik beschäftigt, die je gemacht wurde und die mein Gehirn gerade so vertragen hat. Ich habe mein Studium 1995 abgeschlossen. Es ist mittlerweile also schon lange her, aber es war eine sehr prägende Zeit für mich. Ich habe damals wirklich coole Typen getroffen.

Es ist ja oft so, dass man, wenn man viel theoretisch arbeitet, eher simpel produziert, und im Umkehrschluss, wenn man wirklich frei ist, äußerst konzeptionell, ja theoretisch in seinem Ansatz wird.

Ich bin nicht frei. Heute erfahre ich andere Restriktionen, beispielsweise durch die Plattenindustrie und die Mechanismen des Konsums.

Wobei du den großen Vorteil hast, dass du es mit deinen DJ-Sets ausbalancieren kannst. Bei der Love Parade hast du es im Tresor klassisch brettern lassen. Kann der DJ Vogel Dinge tun, die der Studiomusiker Vogel nicht mehr machen möchte?

Ich habe an den Plattenspielern die gleiche Grundsatzeinstellung wie im Studio: eine relaxte, über die Technik dominierende. Ich halte nichts von diesem \"Die Maschinen haben mich das machen lassen\"-Gesäusel. \"Danke ihr Maschinen, ihr habt mich wirklich tolle Sachen machen lassen.\" Das ist Blödsinn. Ich habe die Technik immer im Griff gehabt. Gut, ich kann nicht scratchen, aber ich habe auch kein Problem damit, die Nadel mitten im Set von der Platte zu nehmen. Die Einstellung ist dieselbe, aber ich würde im Studio wirklich nicht mehr die Platten machen, die ich auflege. Wobei ich momentan viele Platten aus meinem Backkatalog auflege. Was damit zu tun hat, dass ich erstmals eine Fanbase habe, die zu meinen \"Konzerten\" kommt, da sie meine Musik hören wollen und mir auch ins Gesicht schreien: \"Warum spielst du nicht deine Musik?\" Wenn ich bei einem Festival irgendwo in Deutschland auflege, weiß ich nicht, was man von mir erwartet. Es ist eine dünne Linie zwischen einer arroganten Haltung, Musik zu spielen, die die Leute nicht mögen, und Musik, die sie lieben. Es ist ein fließender Übergang.
Ich war im Tresor so high, dass ich an einem Punkt vor lauter Begeisterung für mein neues Album einen Track, \"Me And My Shadow\", gleich dreimal habe laufen lassen. Ich habe es gar nicht bemerkt, erst als Jamie ankam ... Wicked. Überhaupt habe ich dort viel von meinen eigenen Tracks aufgelegt. Im Vergleich mit anderen DJs bin ich noch immer weit draußen. Klar, die Leute können dazu grooven, es rockt, es ist heftig, es führt sie wo hin. Ich mache eigentlich keine einseitigen Sets, höchstens, wenn ich nur zwei Stunden zur Verfügung habe und nicht weiß, was sie wollen, dann bekommen sie den Einheitsbrei: bum, bum ... [Er driftet gedanklich ab] Oh, ich war für einen Moment wieder im Tresor.

In gewisser Weise galtest du als Vertreter einer verkopften Techno-Philosophie in England ja schon immer als Hedonismus-feindlich und wurdest eher außerhalb der eigenen Heimat positiv rezipiert. Hat sich daran etwas geändert? Warum bist du nie umgezogen?

Musik ist zwar ein wichtiger Teil meines Lebens, aber um nicht meine Bezüge zu verlieren, ist es wichtig, die Welten zu trennen. Mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde, meine Wohnung ... Ich bin unten mit meinem Leben in Brighton, ich mag es, wenn mich die Leute mit ganz alltäglichem Kram belästigen und mich fragen, ob ich mit in den Pub gehe, und nicht, warum ich keine Clubnacht veranstalte. Ich bin nicht berühmt und habe auch kein Popstar-Problem, aber in anderen Städten geht es eigentlich immer um meine Musik. Die Leute grüßen mich wegen meiner Musik und meinem Status als Musiker. Ich möchte auch persönlichere Beziehungen haben.
Außerdem ist es wirklich eine verdammt harte Arbeit, die Stadt zu wechseln. Wenn du für zehn Jahre ein Apartment hast ... Mein Studio in Brighton ist das beste, das ich haben kann. Es ist ein toller Platz. Sobald ich aber genügend Geld auf der Seite habe, werde ich nach Barcelona ziehen, meine Lieblingsstadt in Europa, und den Basissitz in Brighton behalten. Berlin ist auch super. Eigentlich jeder Platz, der mit B anfängt. In Berlin gibt es gutes Sushi.

In Köln auch.

Ja, aber zu der Stadt habe ich noch nie den Vibe bekommen. Die Leute, die ich hier treffe, sehe ich später nie wieder. In Berlin treffe ich alle nach Jahren immer wieder.

Inwieweit macht es für einen Cristian Vogel eigentlich Sinn, an einem solch überlassenen Geschäft noch teilzunehmen? Meterhohe Plastiksektflaschen vor dem Tresor bei der Love Parade ... Immerhin hast du mit Si Begg ja einst als Independent-Tape-Label und später Mosquito angefangen und bist ein großer Verfechter der freien Musik (MP3 gratis Downloads etc.).

Ich versuche das auszublenden. Meine Augen sind geöffnet, aber ich kann nichts sehen. Ich glaube, ich habe diesen Zustand nach 34 Stunden erreicht. Es mag sich etwas hippiemäßig anhören, aber ich glaube an die Kraft, die in der Musik steckt. Ich kann Themen aufbringen, Diskussionen anregen, die Leute über den Sound zum Nachdenken bringen - und das schon ohne Worte, wobei wir ja mit Super_Collider die Vocals als Extra-Element eingeführt haben. Ich bin da vielleicht auch etwas naiv, aber alles, was in der Musikindustrie passiert ... Am Ende des Tages findet die einzige Interaktion zwischen der Person, die meine Musik hört, und mir statt. Dort passiert der Austausch der Botschaft.
Ich habe meine Musik nie in irgendeiner Form angepasst. Und auch wenn die Labels hochtrabend werben und die Leute zum Kauf der neuen Cristian Vogel-CD aufrufen, wagen sie es eigentlich nicht, mich um Änderungen à la \"Könntest du die Bassline ändern?\" zu bitten - und wenn, dann machen sie es garantiert nie wieder.
Als wir beschlossen haben, eine Super_Collider-Show bei der Love Parade zu machen, hielt uns jeder für wahnsinnig: \"Ihr spinnt, bei diesem kommerziellen Alptraum. Für wen denn?\" Dort können Veränderungen bewirkt werden. Du brauchst dazu die Energie, Kontrast. Indem wir an diesem Platz existieren, wo uns die Leute wirklich gar nicht erwarten, können wir Leute von unserem neuartigen Live-Ansatz, von der dargebotenen Qualität überzeugen. Wir sind talentierte, engagierte Leute und wir machen das während der Love Parade, da wir die Leute wachrütteln wollen, ihre Köpfe wegblasen wollen, sie für uns gewinnen wollen. Deshalb haben wir auch einen Remix für Bush gemacht - gut, es war auch etwas Geld dabei im Spiel. Wir haben darüber diskutiert: \"Okay, wir sind ziemlich abgebrannt. Diese Jungs wollen - warum auch immer - einen Remix von uns. Sie sind zwar eine selten schlechte Rockband, aber ...\" Also haben wir einen Preis genannt und sie haben ... Wir haben uns lange Gedanken darüber gemacht, was es politisch bedeutet, was es für uns bedeutet. Aus dem gleichen Grund, warum wir diesen Remix gemacht haben, der nun wirklich lächerlich ist, alles auf den Kopf stellt, was diese Band ist und warum man Remixe macht - wir sind ein Virus, eine subversive Bombe -, sind wir auch da aufgetreten. Die Leute kritisieren es vielleicht als Sell-out, aber das ist es nicht. Es geht um das Infiltrieren des Systems, die eigene politische Botschaft hineinzubringen. Ich habe noch immer so viel zu sagen. Natürlich kann ich sehen, was da abgeht, diese 1,5 Millionen Menschen, die da abgehen - und ich will teilhaben, ihnen meine Ideen vermitteln. Glücklicherweise bin ich noch immer sehr aktiv, nicht nur, um Geld zu machen, sondern um eine Alternative zu den blödsinnigen Tracks da draußen zu bieten. Wenn wir das nicht machen, wer dann? Die Achim Szepanskis dieser Welt nicht. Es gibt einige Leute da draußen, die die Dynamik aufrechterhalten. Man kann definitiv Veränderungen im Mikrokosmos der Leute erreichen
.
Die neue Ausrichtung bringt einen ganz anderen Produktionsaufwand mit sich. Brauchte es einer gewissen Reife, um sich über mehrere Wochen mit einem Stück zu beschäftigen? Techno-Produktionen sind ja zumeist eher eine Sache von Stunden - oder Minuten. Hättest du solche Musik auch vor fünf Jahren produzieren können?

Nein. Heute ist es viel schwieriger, originär zu arbeiten. Es ist unglaublich, wie sehr die Optionen kleiner wurden. In den old days reichte es, einen neuen shuffle einzuführen, und du hattest etwas Neues geschaffen. Heute musst du dich schon verdammt reinhängen, wie Jamies neues Album zeigt. Es gilt, hart nachzudenken, heftig zu arbeiten - und dann ist es verdammt hart, wenn die Leute sagen: \"Das ist interessant, verrückt ...\", aber keiner wird es kaufen. Aber ich glaube weiter an die Dancemusic und betrinke mich. So ist das nun mal.

Hat sich die Super_Collider-Platte wirklich so schlecht verkauft?

Ja. Es lag mit an unserer Plattenfirma Loaded, zu der wir aus eher experimentellen Gründen gegangen sind: \"Lass uns mit dem Label zusammenarbeiten, von dem es keiner erwartet, das entwickelt eine eigene Dynamik.\" Das hat nicht so ganz hingehauen, da sie nicht wussten, wie sie es verkaufen sollen. Sie redeten über die Musik, wussten sie aber nicht einzuordnen: \"Es ist ... Housemusik.\"

Werdet ihr auch für das nächste Album mit ihnen kooperieren?

Ja. Das Video mit den Fliegen war so teuer, dass wir gar nicht weggehen können. Wir sind für immer an sie gebunden. Aber es funktioniert in beide Richtungen. Wir haben sehr viel Zeit zur Verfügung. Eigentlich hätten wir im Juli das Material anliefern sollen, aber wir hatten erst zwei Songs, aber das machte ihnen nichts aus: \"Oh, das ist schon okay. Wann immer es fertig ist ...\" Insofern ist es schon gut. Ich glaube, sie haben aber Angst, es zu hören.

Nun hast du bei Super_Collider mit Jamie Lidell zusammengearbeitet, der jetzt parallel ebenfalls ein Album veröffentlicht. Warum haben sich die Wege wieder getrennt? War das als Zwischenspiel so geplant?

Ja. Ich halte das für sehr wichtig. Ich habe zwei Platten dazwischen gemacht: \"Bustle Invisible\" und die neue Platte. Jamie hat seine Platte vor Ewigkeiten fertig gestellt. Er ist so langsam, aber das macht nichts. Seine Musik hat kein Datum.

Magst du Lidells neues Album?

Er hat es in meinem Studio mit meinem Equipment produziert, von daher mag ich es natürlich. Es ist eindrucksvoll, was er aus meinen Maschinen herausgeholt hat - und das völlig alleine. Er ist absolut lunatic, ein verrückter Typ ...

Lidell agierte bei Super_Collider hauptsächlich als Sänger. Bei seinem Soloalbum verzichtet er überraschenderweise größtenteils auf Gesang - schimmert da die Lehre bei Vogel durch?

Er hat ein bisschen gesungen.
Intoniert in Lidell-Style.
Solche Pausen sind wichtig. Musikproduktionen dauern mittlerweile so lang. Ich habe diese Platte in vier Monaten produziert, allerdings auch jeden Tag 13 Stunden gearbeitet. Glaubst du, die Leute werden die Platte mögen?

Ich hoffe es, aber wie du sagtest, die Diskrepanz zwischen dem Empfinden der Kritiker und dem Publikum ist leider oft groß ...

Im Gegensatz zum Super_Collider-Album ist es nicht der ganz große Wurf. Sie müssen also nichts zu überschwänglich schreiben, das erhöht die Chancen.

Bist du generell mit der Rezeption deiner Person zufrieden?

Ich empfinde großen Respekt für Leute, die meine Musik mögen, da sie sie nomalerweise aus den gleichen Gründen wie ich mögen und sie so wahrnehmen wie ich. Manche Bands haben ja Probleme mit ihren Fans ... Ich mache mir ehrlich gesagt Sorgen um Jamies Fans.



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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