Ian Pooley
capri sonne
20.08.2000, 19:18, Text: Autor unbekannt
Ein blauer Himmel und eine brennende Sonne hängen über Berlins Mitte. An der Marienkirche am Alex macht eine französische Wassermarke Werbung auf großformatigen Werbebannern. Durst ist nichts, Reinheit und Perfektion ist alles. Luftig und entspannt muss man sein, so wie Ian Pooley, der etwas weiter südlich auf der Hotel-Terrasse die Nachmittagsruhe am Spreeufer genießt. Gestern noch auf irgendeinem DJ-Gig, morgen schon wieder im Flieger, zwischendurch noch einen Promotion-Tag einlegen. Das Jetset-Klischee zu erfüllen ist eben harte Arbeit. Aber wer so lange dabei ist wie Pooley, darf sich nicht beschweren.
Stattdessen: Ruhe ausstrahlen und eine Apfelsaftschorle bestellen.
Womit wir beim Thema wären. „Since Then“ ist tatsächlich die ideale Sommerplatte, als die sie seine Plattenfirma so gerne unters Volk bringen möchte. Vergesst das Klischee. Ein paar Hundert begeisterte Clubgänger in Barcelona, wo Pooley immer noch einmal monatlich als Resident auflegt, können nicht irren. Das Geheimnis seiner Tracks ist die Einfachheit. Nichts unnötig verkomplizieren, aber immer ein Auge auf das ausgefeilte Arrangement, den tighten Groove, das einprägsame, im konkreten Fall meist recht Latino-beeinflusste Gitarrensample werfen. Und über allem nicht das Gefühl für die Gesamtheit, die ursprüngliche Idee verlieren. „Mit Ideenmangel hatte ich noch nie Probleme. Aber im Gegensatz zu z. B. DJ Tonka, mit dem ich ja zusammen angefangen habe, Musik zu machen, und der manchmal mehrere Wochen an Sachen rumfeilt, hat das bei mir eher eine klare Linie. Ich arrangiere jetzt zwar mehr als früher, aber zwischen der ersten Idee und dem fertigen Track sind es meist nur ein paar Tage.“
Trotzdem ist „Since Then“ kein Schnellschuss, sondern das Produkt von zwölf Jahren Produzenten-Erfahrung und zwei Jahren zwischen Clubs, Flughäfen und dem Studio daheim in Mainz. Zwischendurch hat Pooley viele neue Platten gekauft - vorzugsweise brasilianische - und damit quasi aus einer Fan-Haltung heraus die Latin- und Bossa-Vibes so weit inhaliert, dass er jetzt mit ihnen in einer spielerischen Leichtigkeit jonglieren kann wie mancher Fußballgott mit seinem Ball. Zu hören auf der geschmeidigen Disco-Auskopplung „900 Degrees“, deutlicher noch auf dem zweiten Highlight „Coracao Tambor“. Neben den luftigen Brasil-Gitarren, die das ganze Album wie ein roter Faden durchziehen, gibt’s hier erstmals die portugiesischen Stimmen von Rosanna und Zelina, die Pooley zu Gesangsaufnahmen zu sich ins Studio einlud.
Daran zeigt sich auch, dass „Since Then“ mehr ist als eine Sammlung flotter Tanznummern. Es hält allen Kriterien eines guten Albums statt. Ein durchgängig hörbares Gesamtkonzept und Stücke, die schon beim ersten Genuss eine eigene Persönlichkeit entfalten und einen mit einer Leichtigkeit durch den Tag begleiten, egal, wie sengend die Sonne auch brennt.
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