Black Eyed Peas
forgot about dre part I
14.08.2000, 17:40, Text: Autor unbekannt
Dass inzwischen kein automatisches Fragezeichen mehr auf der Kappenträgerstirn erscheint, wenn jemand von der WestCoast kommt und trotzdem HipHop macht, der sich sowohl vor der Old School-Tradition verneigt als auch die Pfade der innovativeren Rap-Stämme weiterbeschreitet, ist auch den Black Eyed Peas zu verdanken. Und wie zum wasserdichten Beweistest angetreten, reicht dazu schon ein kurzer Blick auf die Gästeliste ihres neuen Albums „Bridging The Gap“: De La Soul, Les Nubian, Mos Def, DJ Premier oder Wycleff haben sich da die Studioklinke in die Hand gegeben. Ein extrem hoch qualifiziertes Brückenschlagen (von Küste zu Küste), das so vom ungezwungenen Soul-Flair bis zur rufferen Beatschmiede eines Brooklyner Hinterhofs hinüberreicht.
Dabei standen alle Zeichen auf einen ganz anderen Anfang. Bereits ‘92 unterschrieben Black Eyed Peas einen Vertrag bei Ruthless Records. Doch sie gerieten dort in eine schier endlose Warteschleife. Obwohl sie ‘94 ihr erstes Album komplett im Kasten hatten, kam es zu weiteren Verzögerungen. Zuerst wurde ihnen die Debüt-LP von Bone Thugs & Harmony vor die VÖ-Nase gesetzt, kurze Zeit später verstarb Label-Präsident (Ex-NWA) Eazy E an Aids. Das reichte dann.
Startschuss, der zweite: „Wir haben danach einen Vertrag bei Interscope unterschrieben, weil uns deren breit gefächertes Artist-Angebot zusagte. Da gab’s Snoop Dogg und Death Row Records, Blackstreet und ‘ne Menge anderes R&B-Zeug, aber mit Marilyn Manson und No Doubt auch ein paar angesagte Alternative-Rock-Sachen. Dazwischen fühlten wir uns so richtig sauwohl!“
Im Sommer ‘98 waren die US-HipHop-Kritiker anlässlich des Debüt-Albums „Behind The Front“ dann allerdings eher skeptisch, ob das durchschnittliche HipHop-Publikum bei den Black Eyed Peas nicht schlichtweg überfordert würde. Eindrucksvoll stellte das Trio unter Beweis: die WestCoast kann auch anders. Auch auf der neuen LP „Bridging The Gap“ werden die „üblichen“ HipHop-Fronten um einiges verschoben. Im Studio setzt man lieber auf „strictly no sampling“ und überlässt es stattdessen den „richtigen Instrumenten“, den deeperen Ton zu treffen. Und dass sie dabei auch etwas „Unanständiges“ getan haben, wie man zum Nachsingen eines Police-Song-Chorus’ früher sagte, bereut Will I Am, MC und Producer, keineswegs: „Wir machen uns vorher keine Gedanken, ob wir kommerziellen Erfolg haben werden oder nicht. Andererseits beharren wir auch nicht auf irgendeinem Underground-Status. Im Gegenteil: das Wort Underground bedeutet für mich nur, dass nur fünf Leute deine letzte Platte gekauft haben! Die Verkaufszahlen einer HipHop-Platte haben letztendlich nichts mit der Authentizität der Gruppe zu tun.“
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