Chloe Sevigny
was ist coolness?
14.08.2000, 17:35, Text: Autor unbekannt
Angenehm straight steht das girl next door vor mir, kein Auftritt ihrerseits. Auffallend ist lediglich ihr amüsiert-verlegenes Lachen, das wie jaulende Hundewelpen klingt. Ein Mädchen wie Chloë Sevigny war immer unabsichtlich cool oder, wie The Face sie beschrieb: “No one who makes this little effort to be this uncool could be anything else than the coolest person in the world.” Dazu gehört, dass sie aus einem uninteressanten Vorort kommt, der höchstens für seine rassistischen Tendenzen bekannt ist. Als Nachfahre französischer Adeliger ist sie in Darien, Connecticut aufgewachsen, 45 Minuten von New York entfernt. “Aryan” Darien nennt sie es.
Nach der Schule zieht sie nach New York, wo sie einfach so entdeckt wird: Das Mode-Magazin Sassy macht von Chloë, dem 18-jährigen Skater-Girl vom Washington Square, Fotos und beschäftigt sie in Folge. Sie tritt in Videos von Sonic Youth und den Lemonheads auf und ist für eine Modesaison das Aushängemodell von Miu Miu. Dann ist da noch der Job als Verkäuferin im Liquid Sky, einem Fashion- und Technoplattenladen mit angegliedertem Club, in dem man sich zum Abhängen trifft. Jay McInerney, 80er-Jahre-Autor und Weggefährte von Bret Easton Ellis, ernennt sie 1992 in einem siebenseitigen Artikel im New Yorker zum “coolsten Mädchen der Welt”. Ihr späterer Freund Harmony Korine schreibt das Drehbuch für “Kids” von Larry Clarke. Natürlich fragt er sie, ob sie nicht mitspielen will. Und klar, warum nicht. Schließlich hat die Rolle wenig Text, nicht unmaßgeblich für die erste Schauspielerfahrung, so Chloë. Mit Harmony dreht sie danach auch “Gummo” und “Julien Donkey Boy”http://www.berlinbeta.de/. Dieses Jahr folgt schließlich eine Oskar-Nominierung für “Boys Don’t Cry”, den großartigen Identitätsfindungsfilm über ein Mädchen, das sich als Junge fühlt und gibt.
Und wer würde Chloë gerne sein? “Ich möchte gerne Frauen spielen, die auseinander fallen, die vor deinen Augen zusammenbrechen wie Gena Rowlands in Cassavetes’ ‘Opening Night’.” Schön, aber nicht ganz das, was sie in “American Psycho” darstellt: Als unauffällige Sekretärin trägt sie schlimme Klamotten und betet den Protagonisten Bateman in stiller Demut auf ihre wunderbare Art hingebungsvoll an – was sie fast den Kopf kostet. Keine leichte Rolle, schließlich ist sie im Gegensatz zu beispielsweise “Kids” nicht Teil dieser Generation, als heute 25-Jährige dürfte sie nur wenig von den 80ern mitbekommen haben. Oder? “Ich war noch ein Kind, hatte meine Probleme und habe Cindy Lauper gehört. 1987 habe ich The Cure gesehen, das war mein erstes Konzert.” Sie wird doch nicht etwa Waverin gewesen sein? “Ja, ich war eine von denen. Ich dachte, ich wäre es, ich versuchte es. Ich war ein Vorstadtkind”, sagt eine ganz nüchterne Chloë und lacht jaulend.
“American Psycho”: Start 07.09. “Julien Donkey Boy” läuft auf der Berlinbeta (siehe auch Monitor-Beitrag). www.chloesevigny.com www.rarecelebs.net/sevigny.htm
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