Wyclef Jean

eklektische fruchtsäfte

11.08.2000, 21:25, Text: Autor unbekannt

Über die Geschichte mit dem Intro zu „The Ecleftic“ kann er sich halb totlachen. Der gefakete Anruf bei Columbia Records „is just me being funny“. Ein Label-Manager giftet Wyclef kurz vorm Auflegen noch an, dass er gefälligst endlich mit einem neuen Fugees-Album rüberkommen solle. Von diesem „Ecleftic“-Stuff will er nichts wissen, den könne Clef sich sonst wohin schieben. Und tschüss.
Nun, ganz so schlimm wird’s schon nicht sein. Immerhin stehen in Major Player Wycleftics Haus zwei funkelnigelnagelneue Grammys auf dem Kamin: einer für die Produktion von Carlos Santanas „Maria“ und ein weiterer für die des Santana-Albums.

Macht dann insgesamt fünf, zusammen mit den beiden für die Fugees und dem für Whitney Houstons „My Love Is Your Love“. Das ist nämlich ebenfalls ein Wyclef-Gewächs. Und diese Art von Awards bedeutet ihm was: „Wenn ich mal 60 bin, habe ich was zum Rumzeigen. So wie ein Onkel von mir, der mir immer seine Leichtathletik- und Basketballpokale zeigt, wenn ich bei ihm bin.“
Der eklektische Clef findet sein neues Album schlicht großartig. Da ist alles drin: HipHop, Reggae, Humor, „everything from rock to rap.“ Und Absurdes wie eine Coverversion von Pink Floyds „Wish You Were Here“. „Das ist das Stück, das man beim Gitarrenunterricht als Erstes lernt. Und wenn man das fehlerfrei spielen konnte, waren die anderen schwer beeindruckt. Und außerdem ist es einfach fantastische Musik.“ Und: Kenny Rogers hat ihm ein Dubplate gemacht. „Das war riesig. Ich habe Kenny angerufen und gesagt: ‘Ey Kenny, machst du ein Dubplate mit mir?’ Kenny Rogers war einer von den biggest cats, als ich jung war. Seine Platten liefen immer bei meiner Mutter, die war verrückt nach Kenny Rogers. Und jetzt macht der Typ ein Dubplate für mich.“ Ist halt der Vorteil, wenn man diesen gewissen Grammy-vergoldeten Superstar-Geruch hat. Man kann anrufen, wen man will. Und alle wollen sie mitmachen: „Mary J. Blige, Whitney Houston, egal, I could call anybody ...“ Sogar Wrestling-Superstars wie The Rock, mit dem Wyclef Jean seine aktuelle Single „It Doesn’t Matter“ aufgenommen hat. „Immer, wenn The Rock jemanden auf die Matte wirft, schreit er: ‘It Doesn’t Matter!’ Tut doch gar nicht weh! ‘It Doesn’t Matter’ ist für mich der Spruch des Sommers. Das sollte man immer sagen. Du kriegst was aufs Maul? ‘It Doesn’t Matter!’ Dein Flugzeug stürzt ab? ‘It Doesn’t Matter!’“
Nun denn ... What matters then? „The Ecleftic“ ist in jedem Fall ein ziemlich gutes Album mit großartigen Tracks. Grammy-schielend? Nein, dafür zu roh, nicht Pop enough, um etwa mit Lauryn Hill in den Ring zu steigen. Aber das ist Safttrinker Clef eh egal: „Das sind zwei verschiedene Sachen. Lauryn Hill makes apple juice. Und den macht sie verdammt gut. Clef makes orange juice. Und wenn manche Leute lieber Apfelsaft trinken, ist das okay. Aber: Ich bin der einzige, der Orangensaft machen kann.“ Fugees’ Fruchtcocktails à la Apfel-Orange plus Birne (Pras Michel) soll es übrigens auch bald wieder geben: „Wir haben noch einen Vertrag über drei Alben. Und den werden wir erfüllen. Aber wann das nächste Fugees-Album kommt, kann ich noch nicht sagen.“ Also: abwarten und Orangensaft trinken.



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aus Intro #77 (September 2000)
 
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