Ian Pooley
interview mit christoph büscher
10.08.2000, 22:08, Text: Autor unbekannt
Bei der letzten Veröffentlichung 'Meridian' hieß es, du würdest nach Barcelona ziehen. Jetzt bist du doch in Mainz geblieben. Keine Lust auf Spanien?
Das war ja nur voll das Journalisten-Thema. Die fanden es toll, mal nach Barcelona zu fahren. Es war aber eigentlich nur geplant, dass ich da drei Monate wohne und freitags in einem Club auflege. Ich hatte nie vor, da dauerhaft zu wohnen. Barcelona ist zwar cool, aber da kommst du nie dazu, normal zu arbeiten und zu produzieren. Ich lege jetzt einmal im Monat dort auf und bleibe so drei, vier Tage, und das reicht mir vollkommen. Ich wohne aber nach wie vor in Mainz.
Man hatte ja mal das Gefühl, dass es vor allem DJs und Musiker da hinzieht.
Darum war's mir dann auch irgendwie auf Dauer zu doof. Ich hab' keine Lust, nur mit Produzenten und DJs rumzuhängen. Ich brauch' meine gewohnte Umgebung, keine Aufregung, sonst komm' ich nicht zum Produzieren.
Dabei bist du als DJ doch dauernd unterwegs?
Das geht mir im Moment auch ein bisschen gegen den Strich. In Zukunft werde ich die DJ-Gigs in der Produktionsphase auch runterschrauben. Du fliegst halt durch die Gegend und brauchst erst mal einen Tag, bis du wieder fit bist. Da kommt man nicht zum Produzieren.
Tendierst du nach all den Jahren zwischen dem Dasein als DJ und Produzent zur einen oder anderen Seite?
Es macht beides Spaß, aber man muss sich den Kick erhalten. Deswegen ist es wichtig, vielleicht nicht ganz so oft aufzulegen. Dann freut man sich auch, mal wieder zu spielen und neue Platten zu hören.
DJ und Producer sind ja schon zwei völlig unterschiedliche Arten des Auftretens. Einmal recht spontan, in der Livesituation und mit den Leuten im Club zusammen, dann das eher perfektionistische Geschraube allein im Studio. Wie geht das bei dir so gut Hand in Hand?
Ich setze mich ja beim Auflegen nicht so in den Vordergrund, bin nicht so der Star wie vielleicht andere DJs. Als ich angefangen habe, hat das eben zusammengehört und sich so weiter entwickelt. Ich werde das in Zukunft aber wohl auch etwas umdrehen. In den letzten zwei Jahren hab' ich ja viel aufgelegt und nur die eine Platte gemacht.
Wirst du eigentlich auch in Deutschland viel gebucht?
Schon, im Moment aber wohl nur wegen der Platte, sonst eher 70% im Ausland. Dauerbrenner sind England und Spanien.
Der balearische Einfluss auf deiner Platte kommt also aus eigener Erfahrung?
Das ist eigentlich nicht balearisch, das sagen viele Leute immer wieder. Es ist zwar eine klare Sommer-Platte, aber das hat sich einfach so ergeben. Ich hab' mir sehr viel brasilianische Platten und CDs gekauft in den letzten Jahren, das hat natürlich einen Einfluss. Der Aufbau des Albums ist auch wichtig. Ich habe wert auf einen roten Faden gelegt. So ein Album soll ja schon mehr sein als eine Ansammlung von Tracks.
Stichwort Perfektion. Hast du das Gefühl, da immer noch ein Stück dazuzulernen? Geht dir die Arbeit nach all den Jahren als Produzent besser von der Hand?
Klar, du kennst ja dein Studio auch immer besser. Aber eigentlich ist der Arbeitsablauf schon immer derselbe gewesen. Eigentlich schon seit zwölf Jahren. So lange produziere ich ja schon. Nach so langer Zeit fangen manche Künstler ja sonst an, sich mit allen möglichen Dingen selbst auszutricksen, um nicht in Routine zu verfallen. So was find' ich eigentlich doof. Da soll man sich lieber mehr Zeit nehmen. Ich hatte damit noch nie Probleme, ich hab' immer neue Ideen. Viele davon setze ich sogar nie um. Ich kaufe zwar auch mal neue Geräte dazu, aber die müssen gut zu meinem Set-up passen. Ich würde nie alles ummodulieren. Die Sachen entstehen ja trotzdem ziemlich spontan. Durch meine Erfahrung hab' ich eigentlich nicht mehr das Problem: Wie erreiche ich diesen Sound? Das passiert eigentlich von alleine. Ich könnte mir nie einen Plan schreiben, um anders zu produzieren.
Es gibt ja aber auch die Leute, die sehr lang an einer Sache tüfteln.
Klar, das beste Beispiel sind vielleicht DJ Tonka und ich. Wir haben ja zusammen angefangen, und bei uns kann man das gut erkennen. Er arbeitet mehrere Wochen an einer Sache rum, feilt hier und da und steckt unglaublich viel Energie und Ideen in die Details. Bei mir hat das eher 'ne klare Linie. Ich arrangiere jetzt zwar mehr als früher, aber zwischen der ersten Idee und dem fertigen Track sind's meist nur ein paar Tage. Dann steht man am Ende da mit seinen 20 DATs mit Zeug, das man mal gemacht hat, das jetzt aber nicht hier reinpasst.
Hast du mal irgendwie Lust auf ein Chart-Projekt? So im Hintergrund von irgendwelchen Leuten, die den lästigen Repräsentationskram erledigen?
Da hab' ich eigentlich keinen Bock drauf. Ich will meine eigenen Ideen umsetzen und nicht irgendwelchen Leuten zuarbeiten. Ich hab' keine Lust auf kurzlebige, einfache Tracks.
Wie verändert sich über die Jahre der eigene Umgang mit Musik?
Früher, bevor ich selbst Musik gemacht habe, habe ich Stücke immer als Ganzes gehört. Jetzt kann ich gar nicht mehr anders, als die Sachen gleich aufzulösen, mir die Sounds und Tricks anzuhören. Das fällt einem natürlich viel stärker auf. Ich war mal mit meiner Freundin Platten kaufen, und die fragte mich, woher ich bei dem kurzen Reinhören meinen Eindruck nehme. Aber man weiß ja, was man haben will. Man kann schon an der Rhythmik oder am Mix entscheiden, ob man was mag. Das sind ganz feine Unterschiede.
Was steckt eigentlich hinter den Mongoloids, einem Producer-Kollektiv, dem angeblich neben dir Armand van Helden, Basement Jaxx und Roger Sanchez angehören sollen? Existieren da Pläne?
Ach nee, da sollte man gar nicht so viel rein interpretieren. Das war so ein Ding für die Presse, so HipHop-mäßig. Dass man eben eine Crew von Leuten hat, die irgendwie zusammenstecken. Arman van Helden meinte mal irgendwann: 'Du bist auch ein Mongoloid, weil du cool produzierst und locker drauf bist.' Die New Yorker Leute wie er oder Sanchez kommen eben aus dem HipHop-Bereich, da repräsentiert man halt anders. Ich hab' nichts dagegen, aber da steckt kein Konzept hinter. Wenn wir mal was zusammen machen sollten, okay, aber geplant ist erst mal nichts.
Wird es zu 'Since Then' irgendwelche Auftritte in Deutschland geben?
Wohl erst Ende des Sommers. Ich mach' zwar jetzt wohl bei der 'Drum Rhythm'-Tour mit, das werden aber nur ein paar Gigs.
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