Paula
ist ja gar nicht so einfach, deutsche popmusik zu machen...
10.08.2000, 13:04, Text: Autor unbekannt
Mit ihrer ersten Single sind Paula gleich mächtig aufgefallen. “Als Es Passierte” heißt das Lied, und es lief im Radio, in Berlin ständig, aber nicht nur dort. Im Video erlebt Elke Brauweiler ihre “Night On Earth”, singend am Steuer eines Taxis, über den Rückspiegel schäkernd mit Berend Intelmann. Zu sehen war das oft bei VIVA2, manchmal bei MTV. Zu hören ist eine funky Gitarre, ein klatschender Discobeat und eine hohe Frauenstimme, zu der bisher folgende Vergleiche gefunden wurden: Blümchen, Frl. Menke, Lio, Nina Persson von den Cardigans, Marianne Rosenberg. Und bis auf die Letzte ist da auch etwas dran.
Die beiden waren ein Liebespaar, heute sind sie es nicht mehr. In mehreren Songtexten auf dem Debütalbum “Himmelfahrt” taucht ein “wir” auf, das Berend identifiziert mit “dem Lebensgefühl, das wir hatten, als wir zusammen wohnten.” Ist es nicht komisch für Elke, in dieser Situation Texte zu singen, die ihr Ex-Freund geschrieben hat? “Nein, eher ganz schön als Erinnerung an die Zeit”, sagt sie, “und wenn ich gut darin wäre, deutsche Texte zu schreiben, würden die gar nicht so anders klingen. Wir haben eine sehr ähnliche Art uns auszudrücken, ein bisschen melancholisch oder schwermütig.”
Gemeinsam haben die beiden auch eine Vorliebe für kommerzielle Popmusik: Abba-Fans sind sie, und auch auf Britney Spears’ erste Single können sie sich einigen. Also war es für Paula ganz selbstverständlich erstrebenswert, selbst den Pop-Erfolg zu suchen. Der erste Deal kam zu Stande mit dem Hamburger Indie-Label Marina, das eher für ein Liebhaber-Verhältnis zum Pop steht. Waren die beiden Macher von Marina also die Entdecker von Paula? “‘Entdeckt’ kannst du dir ...”, ereifert sich Berend kurz, “also, das Wort ‘entdeckt’ mögen wir nicht so gerne. Das benutzt Marina auch immer. Die Konstellation ist etwas strange mittlerweile.” Die Konstellation, das bedeutet, dass Marina mit dem Virgin-Dance-Unterlabel Orbit eine große Plattenfirma fand, die fortan die Finanzierung und Karriereplanung übernimmt.
Und eine Karriere soll es werden. “Wenn man jahrelang in Tausenden von Bands gesungen hat, will man auch mal zu Potte kommen”, sagt Elke bestimmt. “Wir sind ja keine 20 mehr, und ich habe keine Lust mehr auf Studentenbuden.” Berend würde es schon reichen, eine zweite und dritte Platte machen zu können. Und bloß nicht mehr arbeiten gehen zu müssen: “Arbeiten gehen, das ist doch eine Frechheit. Ich will genug haben, um den ganzen Tag Musik machen zu können. Das ist ja auch eine Arbeit, die wir hier machen, und die machen wir gut.”
Dass aber “Als Es Passierte” - trotz achtbarer Erfolge - nicht gleich in die Charts einstieg, findet Berend nicht nur schlecht: “Es muss ja auch bergauf gehen. Wenn ich mir diese Reamonn angucke – wir haben mal mit denen zusammen gespielt und jetzt sind sie die Nummer eins der Airplay-Charts. Freut mich ja für sie, aber ich frage mich schon: Was kommt mit der nächsten Single?” Das wird aber auch für Paula knifflig – weder das Andreas-Dorau-Pastiche “Jimmy” noch der Hi-NRG-Song “Der Schnelle Tag” werden wohl im Radio so herzlich aufgenommen werden wie “Als Es Passierte\", mit dem sie uns beim gelangweilten Radio Hören oder Musikfernsehen Gucken überraschten, von wegen plötzlich ein feiner Popsong. Als das passierte mit “Als Es Passierte”, war es jedenfalls schön. Ein Szene-Gesprächsthema sind Paula aber auch noch aus einem anderen Grund. Am Abend nach dem Interview höre ich einen Musiker einer Berliner Indie-Band seinen Gesprächspartner fragen: “Wusstest du eigentlich, dass die Sängerin von Commercial Breakup die von Paula ist?” Commercial Breakup haben Anfang des Jahres bei Ladomat die Maxi “All I Love Is Green” herausgebracht, die mit housigen Sounds und poppigen Melodien angenehm an Saint Etienne erinnert. Im Interview hatte Elke erzählt, dass sie auf Fotos von Commercial Breakup nicht zu sehen sein dürfe, da Paulas Plattenfirma Orbit nicht Aufbauarbeit für die Band eines anderen Labels machen wolle. Berend legt Wert auf die Feststellung, dass das nicht eine im Kleingedruckten versteckte Klausel im Vertrag sei, sondern offen besprochen worden wäre: “Orbit setzen sich super ein für Paula, insofern sind wir es denen auch schuldig, sie nicht doof dastehen zu lassen.” Dass will auch Elke nicht. Sie hätte diese Klausel auch andersherum unterschrieben, wenn Commercial Breakup ein Major-Vertrag angeboten worden wäre. Außerdem hofft sie, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst, “wenn beide Sachen gut ankommen, so dass die eine Sache die andere unterstützt. Es sind beides gute Sachen, ich hoffe, es gefällt den Leuten, und mehr will ich nicht. Und ich hoffe, es gibt keinen großen Stress.” Und das hoffen wir auch. Wir wollen nämlich zwei gute Bands hören.
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