Station Rose
digital bohemian lifestyle
05.08.2000, 13:30, Text: Autor unbekannt
Das Multimedia-Elektronik-Duo Station Rose a.k.a. Elisa Rose und Gary Danner lächelt unisono amüsiert aus der Sofaecke der Station Rose-Homebase, einem Studio/Apartment im 16. Stock des “grünen Hochhauses” in Frankfurt, über die Geschichte des Labeldeals mit Crippled für die neue CD “Au Ciel”. “Im Endeffekt ist es nicht so erstaunlich, dass wir als eher klassischer Technoact auf diesem Label gelandet sind, denn diese für Crippled typische 60s/Psychedelic/Soundtrack-Geschichte ist mir so fremd nicht”, erklärt Gary. “Bevor ich angefangen habe, elektronische Musik zu machen, habe ich mich zehn Jahre lang in verschiedenen Bands enthusiastisch am End-60er-Jahre-Acid-Punk-Gitarren-Sound abgearbeitet.”
Dann der goldene Schnitt: 1988 kehren Elisa Rose und Gary Danner, beide frisch gebackene Absolventen der Wiener Hochschule für Angewandte Kunst, bewusst der analogen Welt den Rücken.
1990 nehmen sie in San Francisco an der Veranstaltung Cyberthon teil, lernen Timothy Leary kennen. Netzeuphorie. Auf Elisas Betreiben hin gehen sie ‘91 zum ersten Mal online. Im Frankfurter XS veranstalten sie ihr Gunafa-Clubbing, bei dem Elisa ihre Grafiken in Echzeit aus dem Amiga schleudert und Gary, mit Elisa über Midi verbunden, live Musik aus dem Computer fuchst. E-Mail-Nachrichten von kalifornischen Freunden aus der Well-Webcommunity werden über Beamer sichtbar.
Mit “Dave” haben sie ‘92 einen amtlichen Technohit, der jetzt auf Hells vierter “Gigolo”-Compilation wieder veröffentlicht wurde. Doch spätestens ‘93 ist der Techno-Pionierspirit zerbröckelt, “da hat man ganz deutlich gespürt: das war’s mit der Euphorie der ersten Stunde, jetzt geht’s ums harte Business, wo sich eben diese DJ-Götter rauskristallisiert haben. Wir dagegen wollten - ganz im Sinne von Underground Resistances ‘We Will Never Surface’ - die multimediale Sprache als DAS Ding propagieren, statt selbst als Stars im Vordergrund zu stehen. Die Technoszene, Majors wie Underground, hat den entgegengesetzten Weg genommen: zurück zur Rock’n’Roll-Megaveranstaltung, wo ein Typ vor Tausenden von Menschen auf einem Podest Platten auflegt. Damit wollten wir nichts zu tun haben.” In den folgenden Jahren bleiben Gary und Elisa aktiver Bestandteil der Multimedia-Kunst- und -Musikszene, ziehen sich aber gleichzeitig zu einem “Virtual Cocooning” in den Cyberspace zurück und leben als Mann-Frau-Künstlerpaar die von Leary als visionär angestrebte, aber selbst nie erreichte bi-gender Kreativitätssymbiose. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei Sony verlassen sie sich zunächst wieder auf die autarken Handlungsformen auf ihrem Label Gunafa, wo sie ihre technoiden Tracks releasen, die teilweise von ihren Live-Webcasts für die Reihe live@home auf Vinyl gepresst und über Neuton vertrieben werden. Bei Crippled haben sie jetzt eine ganz spezielle neue Heimat gefunden. “Das Schöne ist, dass sie bei Crippled genau das Material mit Garys Psychedelic- und meinen Chanson-Wurzeln haben wollten – also Gitarrenloop-, Stimmsample- und Song-orientiert -, das hier im Frankfurter Technokonzept verkümmert wäre.”
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