Jeb Loy Nichols
himmel auf erden
01.08.2000, 12:49, Text: Autor unbekannt
Von Aufgeregtheit oder nervöser Vorfreude über das baldige Erscheinen seines Comebacks in Deutschland nach fünf Jahren Veröffentlichungsfunkstille ist beim 38-Jährigen nichts zu spüren. Jeb Loy Nichols hat aufgehört, irgendetwas von diesem Geschäft, das sich Muikbusiness schimpft, zu erwarten. Mit den Fellow Travellers, die eine vorher so nicht gehörte Synthese aus Country-Folk und Dub-Reggae spielten und 1993 bei der Spex immerhin das Album des Jahres einheimsten, hatte er sich eine perfekte Ausgangsbasis für eine erfolgreiche Solokarriere aufgebaut, als ihm der Präsident von Capitol Records 1996 mit viel Geld und Hallo zum Durchbruch verhelfen wollte.
Geboren in Wyoming, wuchs Jeb Loy Nichols in Missouri auf einer Farm mit Bluegrass und Countrymusik auf, bevor er sich dem dortigen Southern Soul verschrieb, der ihn wiederum mit Reggae vertraut machte. Nachdem er 1979 wegen Punkrock nach New York gezogen war und dort in der Szene um die Slits die Anfänge von Rap hautnah miterlebte, siedelte er wegen seiner Liebe zum Reggae nach London um, wo er bis heute lebt. “Über die Slits-Connection lernte ich Neneh Cherry und Adrian Sherwood von On-U Sound kennen. Ich half ihm bei der Labelarbeit, und schließlich teilten wir uns eine Wohnung. Die Connection hält bis heute an, auch wenn On-U Sound seinen Labelbetrieb eingestellt hat.” 1990 sollte dann der Startschuss für die Fellow Travellers erfolgen, die aus dem Stand heraus ein Thema wurden.
Wenn man mit dem gelernten Grafikdesigner, der u. a. für das Reggaelabel Pressure Sound die Cover entwirft und gelegentlich seine Bilder ausstellt, auf die Vermischung von Soul-Reggae und Country bzw. Crossover im Allgemeinen zu sprechen kommt, trennt Jeb Loy die Streu folgendermaßen vom Weizen: “Es sollte ein organischer Prozess sein, wie Atmen, nicht dieses unreflektierte Adaptieren von Stilen, über die man eigentlich gar nichts weiß und die man auch nicht beherrscht. Nimm The Clash - ich habe ihnen nie abgenommen, dass sie wirklich mit dem Herzen dabei waren. Es hatte für mich stets den fahlen Beigeschmack einer Pose.” Voller Begeisterung spricht er dagegen über seine Helden wie Al Green, Curtis Mayfield oder Bobby Womack, und dann erzählt er noch schwärmerisch, dass in Jamaika, wo “Just What Time It Is” großteils aufgenommen wurde, ein harmonisches Miteinander von Reggae und Country herrsche. “Es ist eine ganz natürliche Chemie, die Leute trommeln da selbst zu Kenny Rogers, als wäre er der King of Dub.” Ganz so open-minded muss man wohlbemerkt nicht sein, um “Just What Time It Is” schon jetzt zu einer der Platten des Jahres zu küren.
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