Groovebox-Compilation

Living In A Box

20.02.2000, 22:23, Text: Autor unbekannt

loving the limit
Das Projekt, ja die Aufgabe, einen Song nur per Groovebox-Sounds, durch diese gejagte Samples und die eigene Stimme zu erstellen, erinnert geflissentlich an Kunstunterricht. Wenn la Lehrerin mit dem grauen Dutt zu Anfang einer Doppelstunde bestimmte Farben oder Materialien austeilt und verlangt, nur mit diesem bestimmten Equipment zu einem Ergebnis zu kommen. Ein Ansatz, der hier nun von gestandenen, mitunter promovierten Künstlern - aus Eigeninteresse - goutiert wird. Der Reiz des spielerischen Austestens von sich und Material bleibt dieser Herangehensweise offensichtlich erhalten, während der jetzige Status (Musiker statt Berufsschüler) den Ekel an der Sache (Wut auf Fremdbestimmung, Wut auf Dutt, Wut auf Kunstzensuren) obsolet gemacht hat.


Daß das Kind im Künstler hier eine Rolle spielt, demonstriert bereits die Situation auf dem Cover. Verklärte Jugendlichkeit in old fashioned Klamotten meets Technik, die Idylle nicht sprengt, sondern bereichert. So sieht das aus.
Zurück zum Reiz. Der verleitet die Beteiligten dann auch dazu, die Box regieren zu wollen. So richtig und sich dabei gleichzeitig von deren heißem Sound und Rhythym tragen zu lassen. Und eben nur von denen. Choose your weapons. Gerade Künstler wie Beck, die sonst mit gern vollen Taschen aus dem Instrumentenladen kommen und jegliche Popdekade im Kofferraum mit umher schleppen, sehen auf diesem dagegen doch überschaubaren Spielfeld Groovebox besonders gut aus. Mensch, Maschine!

vs. remixes Zu Hause mit der Groovebox - making friends. So möchte Sean Lennon den stylishen Kumpel in Kastenform nicht mehr missen: 'Ich bin da mittlerweile täglich dran.' Identifikation. So was trägt. Und strahlt noch heller im Gegensatz zu der inflationären Veröffentlichung bockloser Remix-Alben allerorts. Dienst nach Vorschrift auf der einen Seite, woran auf der anderen nie zu denken war.
Steven von Bis sagt: 'Demnächst erscheint eine EP von uns, 'People Make Sounds', auf der ist die Groovebox auch zu hören.' Man weiß, was man aneinander hat, und läßt es auch andere wissen: 'Live benutzen wir sie ebenfalls gelegentlich, hauptsächlich für unsere Version des Kraftwerk-Songs 'Spacelab'.'

electronically yours Es ist technisch möglich, catchieste Klänge zu erzeugen. Ja, und? Wer mag das nicht glauben? Der Clou der Groovebox-Affäre und die größte Empfehlung, die ihr durch die Compilation ausgesprochen wird, ist daher auch nicht ein vermeintliches Instant-Hit-Programming, sondern ihre Anpassungsfähigkeit. John McEntire wie Sonic Youth und Air agieren mit ihrem jeweiligen Song auf einer gemeinsamen Equipment-Basis, was natürlich Gleichschaltungselemente erzeugt - dennoch verbleiben Differenz und Autor so klar sichtbar, wie es nur sein kann. Groovy sein, okay; aber vor allem auch - auf höherem Niveau - den geilen Katalysator geben. Toppt das mal.


Pop-up: Aciiiiiiiied! Seit den 80ern haben Rolands guter alter analoger TB-303-Bass-Synthesizer und dessen Drummachine-Brüder, die TR-808 und die TR-909, ganzen Genres ihren unverwechselbaren Zwitscherbrummstempel aufgedrückt. Die MC-303-Groovebox nun, auch schon Semiklassiker, vereint gleich alle drei Geräte. Und sie bietet noch einiges mehr, auch wenn hier 'nur' gesampelte Preset-Sounds abgerufen werden - von denen aber gleich zighundert. Es gibt Filter zur Klangbearbeitung, es gibt einen Arpeggiator, um die Pattern rhythmisch zu zerhacken, es gibt eine Effektsektion, und Du kannst einzelne Spuren stumm schalten. Alles ist in Echtzeit editierbar, sogar das Tempo mittels Taptaste. Das ist klasse zum einfach so Herumschrauben und für den (DJ-) Liveeinsatz sowieso. Da die MC-303 mit einem midikompatiblen 8-Spur-Sequencer ausgestattet ist, braucht man nichts mehr, um sofort loszulegen.



Artikel kommentieren
aus Intro #72 (März 2000)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 
Anzeige
 
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]