Dillinger Escape Plan

Unendlichkeit berechnen

11.01.2000, 11:42, Text: Autor unbekannt

Mit ihrem Debütalbum 'Calculating Infinity' und dessen kürzerem Vorläufer 'Under The Running Board' haben Dillinger Escape Plan aus New Jersey spielerische Perfektion und kompositorische Verdichtung einmal mehr weiter, näher an deren entferntesten Ränder getrieben, die eben immer wieder ein bißchen ferner als angenommen sind und eine sinnvolle Grenze nur in menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit finden können. Da letztere allerdings eine Variable ist, kann besagte Grenze nur konstruiert und theoretisch nicht zu finden sein. Der Dillinger Escape Plan sucht eine Formel, die das vielleicht doch ermöglichen könnte. Die musikalischen Mittel hierfür entstammen einer Tradition progressiven Metals, wie er zuletzt nur noch bei Meshuggah gehört werden konnte.

'Als wir anfingen, haben wir viel Deathmetal gehört, Sepultura, die Bands auf 'Earache'. Aber wir gewöhnten uns daran und brauchten etwas Intensiveres. So kamen wir zum Hardcore', erzählt Ben, Gitarrist und einer der Bandgründer. Vor allem dessen Energie, Ehrlichkeit und Realismus schätzen sie an Hardcore. Nicht daß sie sich selbst nun zur Szene zählten. 'Wir wollen vor allem Musik machen.' Und jener ist deutlich anzumerken, wieviel Energie in ihr steckt, denn die Songs sind nicht nur aufwendig komponiert, sie werden auch mit einer Brutalität vorgetragen, die jeden Gedanken an 'Jazzrock' oder Muckertum, der angesichts der beträchtlichen Virtuosität aufkeimen könnte, schleunigst verblassen läßt bzw. einfach über den Haufen rennt, bevor er sich auch nur bemerkbar macht.
Hoffentlich trägt der gute Draht zu Mike Patton dazu bei, daß auch Europa bald Zeuge von Dillingers Fraktal-Metal werden darf.



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aus Intro #71 (Februar 2000)
 
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