Donots

Die Enthüllung!

13.06.1999, 22:08, Text: Autor unbekannt

Hysterie ist kein Fremdwort im idyllischen Münsterland. Die einheimischen Donots lösen Gefühle bei Ibbenbürens frühester Jugend aus, die freilegen, wer hier wirklich am Werk und dabei ist, Deutschlands Punkrockthron im Sturm zu nehmen: eine Boygroup. Sänger Ingo Knollmann hat damit durchaus seine Probleme, schüttelt aber resigniert den Kopf. „Was will man machen? Wir sehen nun mal ziemlich gut aus und können auch super tanzen.' Recht hat er. Und fügt hinzu: „Besser, als wenn keiner kommt ...' Ich hätte es nicht schöner formulieren können.
So bastelte man sich im Labeloffice von „Gun Records' notdürftig eine Bandgeschichte zusammen, die vor lauter Ungereimtheiten, Zeitsprüngen und totaler Illusion nur so strotzt.

So behauptet man, die Donots hätten vor ihrem Major-Debüt „Better Days Not Included' mit „Pedigree Punk' und „Tonight’s Karaoke Contest Winners' bereits zwei Platten im Eigenvertrieb (Ha! Wo gibt’s denn so was?) veröffentlicht. Gelogen! Wahr ist: Keiner der Knaben hat vor seiner Rekrutierung (Ingo: „Wir sind durch die Straßen von Witten gelaufen und haben ein bißchen getanzt, als neben uns ein Auto hielt und ein langhaariger, älterer Herr, der sich als Thomas Engelschlitzer vorstellte, uns seine Visitenkarte zusteckte. So wurden wir entdeckt.') auch nur die geringste Ahnung gehabt, daß vor Offsprings „Why Don’t You Get A Job' irgend etwas existierte, das die Bezeichnung Punkrock rechtfertigen würde. Wir decken auf: Die Tattoos, die den rechten Oberarm des Gitarristen Guido Knollmann zieren, sind falsch und werden vor jedem öffentlichen Auftritt von der Visagistin, die auch mit Lene von Aqua zusammenarbeitet, neu aufgetragen. In drei verschiedenen Varianten! Die Dreadlocks des anderen Gitarristen Alex, der seinen Nachnamen gerne außen vor läßt, sind angeschweißt (Alex: „Richtige riechen immer so komisch, und das soll ja auch jucken.'). Und weder Samiam (Ingo: „Ich kannte die auch nicht, aber unser Manager sagte, die würden unsere Zielgruppe abdecken.'), mit denen man Ende letzten Jahres zwei Wochen durch halb Europa tourte, noch andere Konzertpartner wie Suicidal Tendencies, Breach, Downset, Lag Wagon, No Use For A NOFX-Shirt, Bananafishbones, Beatsteaks und Good Riddance haben Anstoß daran genommen, mit einer Band spielen zu müssen, die sich vom Management ins Billing kaufen läßt. Wohin führt uns diese Haltung? Ist Punkrock tot? Sind seine Ideale vergessen? Auch hierzu möchte Ingo Stellung beziehen: „Kann ich kurz unseren Manager anrufen, bevor ich darauf antworte?' Aber klar.



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aus Intro #66 (Juli / August 1999)
 
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