Die Renaissance Des Highschool-Films
Scream if you know what I did last Halloween
13.06.1999, 21:31, Text: Autor unbekannt
Was für Folgen z. B. das Ausschankverbot von Alkohol an unter 21jährige hat, zeigt jedes Jahr das Spring-Break-Phänomen, wenn Massen von Teenagern Ballermann-6-mäßig in Sachen Alkohol und Sex die Sau rauslassen. Der Highschool-Film also ein Surrogat für all die Teenager, die das gemeinhin unterlassen?
Aus der Masse des mal mehr, mal weniger unterhaltsamen billigen Videothekenmülls stechen hier und da richtig nette Ausnahmen heraus, „Ferris Bueller’s Day Off' (dt.: „Ferris macht blau'), „Pretty In Pink' und „Breakfast Club' z. B., Filme, die sich um eine wesentlich niveauvollere und authentischere Zeichnung des Highschool-Milieus bemühen, vor allem „Breakfast Club' gelingt ein schöner Überblick der unterschiedlichsten Charaktere.
Da immer auch eine gewisse Moral gewahrt bleiben will (trotz unter der Gürtellinie angelegter Attacken gegen die Moral der Erwachsenen, von derben Späßen ganz zu schweigen), begann sich gegen Ende der 70er verstärkt auch die Verbindung von Horror- und Highschool- bzw. Teenie-Film durchzusetzen - was schließlich kann schöner sein als unmoralische, Drogen konsumierende und promiskuitive Teenager, die - stellvertretend für Eltern und Gesellschaft - von einem Messer schwingenden Psychopathen ins Jenseits geschickt werden. Strafe muß sein! Prototypen wie „Halloween' oder „Freitag der 13.' folgten unzählige Teenie-Slasher, die gerade in letzter Zeit dank Drehbuchautoren wie Kevin Williamson, Filmen à la „Scream 1 & 2' (Teil 3 ist auch schon fertig), „I Know What You Did Last Summer', „Urban Legend', „The Faculty', „Halloween H20' und natürlich Fernsehserien wie „Buffy – Im Bann der Dämonen' eine Renaissance erleben. Trotz moderner Verpackung hat sich an der verklemmten moralischen Grundhaltung – es geht immer um Sex (was natürlich nicht gesagt werden darf) – nicht viel geändert, und damit auch nicht am Personal: immer noch tauchen in diesen Streifen die immer gleichen Typen auf.
Geht man mal vom stereotypen Standard-Personal der Teenie-Slasher aus, steht ganz oben in der Besetzungsliste die „Jungfrau', in „Halloween' Jamie Lee Curtis oder Heather Langenkamp in „Nightmare On Elm Street', deren moderne Entsprechungen in „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast' Jennifer Love Hewitt, Neve Campbell in „Scream' oder Sarah Michelle Gellar in „Buffy' heißen. Die Jungfrau ist wichtig, schließlich muß zu guter Letzt irgend jemand am Leben bleiben, und dafür kommen natürlich nur Menschen mit moralisch weißer Weste in Frage, denn was ist der durchschnittliche Slasher, wenn nicht eine Form von Märchen mit extrem ausgeprägter Doppelmoral?
Natürlich hätte die Jungfrau auch gerne Sex, sie unterwirft ihre Hormone aber einem knallharten Überlebenswillen. Im normalen Highschool-Film kann diese Figur auch die Rolle des „häßlichen Entleins' spielen - clever, aber unattraktiv, das sich gegen Ende doch noch zur Sexbombe entwickelt -, eine weitere Variation ist die asexuelle „Streberin', die aber, z. B. der als Jungfrau fungierenden Sarah Michelle Gellar in „Buffy' zur Seite gestellt, im Gegensatz zu deren kämpferischem Ansatz hauptsächlich die Rolle des hilflosen Opfers einnimmt.
Demgegenüber steht zumeist die einzeln wie im Grüppchen auftauchende „Schlampe' mit der Aufgabe, die Jungfrau ständig mit deren Jungfräulichkeit aufzuziehen. Im Slasher beißt sie als erste ins Gras, denn Promiskuität wird gnadenlos bestraft. Ihr gewaltsames Ableben dient als späte Bestätigung für die hartnäckige moralische Standfestigkeit der Jungfrau. Die Schlampe kann wie in „Halloween' auch eine gute Freundin sein, stammt aber oft aus dem feindlichen Lager der „Cheerleader', die sowieso eine ganz spezielle Rolle in der sozialen Hierarchie der Highschool einnehmen. Denn Cheerleader sind blond, doof und oberflächlich, aber beliebt, vor allem bei den Jungs. Weder Cheerleader noch Schlampe besitzen - außer gutem Aussehen und vielleicht dem ausgeprägten Willen, anderen Menschen, die sich auf der sozialen Leiter eine Stufe unter ihnen befinden, übel mitzuspielen - besondere Charaktereigenschaften. Sehr einprägsam in dieser Rolle: Nancy Allen in Brian DePalmas „Carrie', die der armen Sissy Spacek mit Hilfe ihres stumpfen Freundes (John Travolta) ganz übel mitspielt. Eine interessante Abweichung dagegen ist Robert Rodriguez’ Delilah aus „The Faculty', Cheerleader und Chefin der Schülerzeitung in Personalunion – also doch nicht blond und blöd -, statt dessen aber entpuppt sich die blonde Unschuld vom Lande irgendwann als Oberhaupt der Aliens. Schon sehr clever, der Herr Rodriguez.
Bei den Jungs gibt es eine ähnliche, aber weniger interessante Rollenverteilung. Im normalen Highschoolfilm sind Typen wie Matthew Broderick (als Ferris Bueller), Matt Dillon oder Michael J. Fox durch ihre Mischung aus cleverer Anpassungsfähigkeit und heroischer Coolheit natürlich unschlagbar – nennen wir sie mal den „coolen Typ', der im Slasher selbstverständlich auch auftritt, aber weniger einprägsam. Auch da hat Rodriguez wirkliche Pionierarbeit geleistet: bei ihm wird der klassisch negativ besetzte Typ des „Punk' (zwei Ohrringe reichen dem durchschnittlichen US-Amerikaner, um Punk zu sein), also ein unmoralisches, unangepaßtes, Drogen konsumierendes Subjekt (in „The Faculty' Josh Hartnett), zur positiven Identifikationsfigur. Ähnlich aufmüpfig gibt sich Hartnett übrigens auch in „Halloween H20'.
Die männliche Entsprechung zum Cheerleader ist der „Sportler', der - ähnlich blöd, in der sozialen Hierarchie aber weiter oben stehend, in der Regel mit fetten Statussymbolen ausgestattet - allen anderen, weniger gut von der Natur bedachten Vertretern des männlichen Geschlechts das Leben schwermacht. Vor allem dem „Nerd', der in der Regel recht intelligent ist, aber ansonsten nicht viel hermacht. Die Aufgabe des coolen Typen ist hier, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Interessante Ausnahmen bilden Carpenters „Christine' oder „The Toxic Avenger', wo die Nerds dank nicht ganz alltäglicher Einflüsse (radioaktives Gift oder ein Auto direkt aus der Hölle) zu Supermännern mutieren – nicht ohne Nebenwirkungen, versteht sich.
Auch wenn sich das Personal des Highschoolfilms und seiner Subgenres auf einige wenige Charaktere beschränkt, ist die Vielzahl der Variationen ähnlich unübersichtlich wie die der Filme, die in irgendeiner Form mit dem Thema „Highschool' und „Teenager' verknüpft sind. Komisch eigentlich, daß darüber noch keiner ein Buch geschrieben hat.
Illustrationen: Tim Fischer
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
MEIST GEKLICKT
- 01 Wes Anderson / Moonrise Kingdom...
- 02 Light Asylum - im South by Southwe...
- 03 The Hives - Größenwahn als Inszenierung
- 04 Woodkid / Yoann Lemoine - Vom Kind...
- 05 Best Coast - Coverstory
- 06 Damon Albarn - Ich habe immer das ...
- 07 Friends - Live is life
- 08 Im Koffer der... - Scissor Sisters
- 09 Auf Reisen mit... - Ladyhawke
- 10 Hot Chip - Auf dem Laufsteg
- ... mehr
INTRO-TV
- » ESC 2011: Unsere Favoriten...
- » SXSW / South By Southwest 2011...
- » In Bed With Kreator - Videobl...
- » So wars bei der Gamescom - In...





