Big blockrocking business

07.06.1999, 20:36, Text: Autor unbekannt

Auf einem seiner Promo-Fotos sieht man DJ Spinna mit schief aufgestellten 1210ern bei irgendeiner Blockparty hantieren - ein DJ at work unter freiem Himmel. Als Wahr-bis-zum-Kern-Plattenaufleger, aber noch viel mehr als Remixer und Produzent war der sanfte, dreadgelockte, kleine HipHop-Mann ordentlich beteiligt am Erfolg von „Rawkus Records' in den vergangenen vier Jahren: Vom Indie-HipHop-Gegenpol solch unschöner Erscheinungen wie „No Limit Records' startete das Label so weit durch, daß es heute selber wie ein Major agiert. Zur Zeit hat die Firma in der Branche jedenfalls eine ähnliche Position inne wie ‘84/‘85 Rick Rubins „Def Jam'. „Sie sind mittlerweile wirklich sehr etabliert, besonders seit dem Vertriebsdeal mit ‘Priority’', erklärt Herr Spinna über den neuen Geschäftspartner, den man eher von Prolo-HipHop à la N.W.A.

kennt. „Aber ‘Rawkus’ haben diese coole neue Underground-Welle losgeschlagen. Heute gehört die Sache zwar ihren Nachfolgern, aber es ist immer noch Teil des harten Kerns dessen, was HipHop zur Zeit sein sollte. Und ich hoffe, sie bleiben so smart.'
Eine Hoffnung, die man für die Murdoch-finanzierten HipHop-Young-Professionals langfristig wohl fahren lassen muß - nicht jedoch für DJ Spinna: Für einen US-HipHop-DJ guckt dieser erstaunlich großäugig über den Tellerrand und beweist sich in Sachen UK-Rap vom Schlage Mud Family genauso informiert wie über die Afro-House-Exkursionen von Masters At Work, in deren Studio er auch einen seiner Tracks aufs DAT bannte. Als eine Hälfte der Jigmastas Crew haut er demnächst auf „Tommy Boy' ein Album raus, der Produzent Spinna kümmert sich derweil um Crews wie die Polyrhythm Addicts auf „Nervous', der Remixer Spinna läßt nach dem Nightmares-On-Wax-Rmx jetzt Koops mit Rae & Christian oder den Jungle Brothers anlaufen - und dann gibt es ja noch sein eigenes Indie-Label „Beyond Real', von dem kürzlich eine ebenso betitelte Werkschau erschien.
„Ich weiß, daß es in Europa viele Leute gibt, die Sachen wie Puff Daddy oder DMX wertschätzen - aber ich weiß auch, daß sich immer mehr für echten HipHop interessieren und die Fahne hochhalten. Bei uns in den USA ist HipHop total gespalten: du hast deine kleinen Labels und du hast den Mainstream, und beide haben nichts miteinander zu tun. Ich persönlich bin total gelangweilt von dem Zeug aus dem Mainstream-Lager - der höhere Skill-Level liegt jedenfalls auf der Untergrundseite.'



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aus Intro #66 (Juli / August 1999)
 
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