Rainer Trüby

Rootdown im Schwarzwald

07.06.1999, 12:50, Text: Autor unbekannt

„Rootdown' heißt die Veranstaltung, Rainer Trüby der DJ, der sie organisiert, und auf den Flyern und Plakaten steht: 'Retro Jazz - Future Funk - Drum&Bass'. Die drei Stilrichtungen verweisen nicht nur auf das Programm der „Rootdown'-Nächte, sondern ebenso auf ein internationales Netzwerk von Produzenten, deren Anknüpfungspunkte heute weit über ihre z. T. gleiche Acid-Jazz-Vergangenheit hinausgehen - keine Spur von Rückwärtsgewandheit: Gilles Peterson, Jazzanova, 4 Hero, Kruder & Dorfmeister - allesamt DJs und Musiker, die ihre Vorliebe für neue Verbindungen aus House, Breakbeats und Jazz bei „Rootdown' unter Beweis gestellt haben und trotz unterschiedlichster Biographien auch mit den Plattenkisten der anderen glücklich würden.


Daß Rainer Trüby zentraler Teil dieses informellen NuJazz-Clubs ist, hat er nicht nur seinen „Rootdown'-Parties zu verdanken. Als DJ mittlerweile von Lissabon bis Kioto geschätzt, ist spätestens seitdem sein Song 'Donaueschingen' via „K&D Sessions' in jeder stilbewußten Bar und Boutique dieser Welt läuft, auch das Trüby Trio, das der gebürtige Stuttgarter und Fanta-4-Samplesucher gemeinsam mit den Münchnern Fauna Flash betreibt, in aller Ohren. Mit 'Rootdown 99' hat Trüby nun eine feine Compilation für das englische „Nuphonic'-Label zusammengestellt, die - auch ohne Mix - die Clubabende am Waldsee auf CD preßt und einen kleinen Einblick in Trübys Playlist der letzten Monate gewährt.
Mit dabei: exklusives Material wie Masters At Works rhythmische Verbeugung vor dem AfroBeat-Idol Fela Kuti und Blofelds 'Nexus'. Während 'Rootdown 99' ausschließlich aktuelle Produktionen umfaßt, bestehen Trübys DJ-Sets jedoch zu gut einem Drittel auch immer aus Jazz-, Latin- und Funk-Platten der 60er und 70er, oftmals aus Trübys Nachbarschaft stammend: Die Veröffentlichungen des Villinger Labels „MPS' (Musik Produktion Schwarzwald) erlebten gerade in den letzten Jahren nicht zuletzt dank Trüby eine Renaissance. Nun erscheint gleich eine ganze Flut von Wiederveröffentlichungen des bis weit in die 80er bedeutenden europäischen Jazz-Labels.
Trübys Favoriten unter den „MPS'-Rereleases:
DIETER REITH 'Wives And Lovers'
aus: DIETER REITH 'Reith On!' (MPS / Motor)
Das Stück ist eine Jazz-Interpretation im Walzer-Takt von Burt Bacharachs Standard-Komposition. Nicht unbedingt was für den Club, aber ein prima Listening-Song. Die Version stammt aus den späten 60ern. Heute kann man Reith u. a. noch beim 'Verstehen Sie Spaß'-Orchester sehen.
ERNEST RANGLIN 'Freeway'
aus: ERNEST RANGLIN 'Now Is The Time' (MPS / Motor)
Ernest Ranglin ist ein jamaikanischer Gitarrist, der oft mit dem Pianisten Monty Alexander für „MPS' am Start war. Der Titel ist ziemlich typisch für seine Art von mellow Caribbean Swing. Ein exzellentes Stück zum Eingrooven.
VOLKER KRIEGEL 'Mathar'
aus: VOLKER KRIEGEL 'Zoom' (MPS / Motor)
'Mathar' war der Blueprint für all die indischen Dance-Sachen, die zur Zeit populär sind. Vor etwa fünf Jahren wurde es von einer Gruppe namens Indian Vibes gecovert, ohne Kriegel dafür Credit zu geben. Ich habe allerdings immer lieber das Original gespielt.
ROLAND KOVAC 'Service II'
aus: 'Between Or Beyond The Blackwood Forest - Dancefloor Jazz Classics From The Legendary MPS Label' (Crippled Dick Hot Wax)
Für das Original-Album, von dem dieser Song stammt, hat Gilles Peterson mir mal 250 Pfund gezahlt. Es war ein ziemlicher Rare-Groove-Hit. Kovac war so ein Orchester- und Studio-Mann in Peter-Thomas-Manier. Er hat auch etliche Soundtracks aufgenommen.



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aus Intro #66 (Juli / August 1999)
 
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