Detlev Buck
Die umgedrehte Nonitschka
27.01.1999, 22:33, Text: Autor unbekannt
| Ich habe Kunst | ||
Kaum ein Blatt, das dieser Tage nicht ein oder zwei Worte über Bucks aktuellen Streifen hat fallen lassen - die Begeisterung hielt sich allerdings in den meisten Artikeln in eng gesteckten Grenzen. Der hat offensichtlich alle Kritiken gelesen und ist von dem, was da an seinem Moralstück bemängelt wird, wenig überzeugt. Kein Wunder - einem Märchen den umgedrehten Daumen zu zeigen, \"weil es ihm an Realitätssinn\" fehlt, ist definitiv absurd. Doch die Kritik ist angesichts der Tatsache, daß der - bei seinen Anhängern vor allem für seine knochentrockene Situationskomik geliebte - Regisseur als Rahmen ausgerechnet das seit eh und je mit einem Hang zum Kitsch und dem wedelnden Zeigefinger besetzte Weihnachtsmärchen wählte, erst einmal so wenig verwunderlich wie ebendiese Wahl - zeigt letztere doch einmal mehr des Regisseurs Hang zum unbequemen Populismus auf. Dabei hält Buck sich, was die kitschige Seite betrifft, betont zurück.
| Down & Out In Beverly Hills | ||
Der hat wie die anderen Heilsarmee-Kunden ein Gesicht, dem man ansieht, daß er wenig bis gar nichts zu verlieren hat und, je nach Tagesform, zu solchen Handlungen durchaus fähig sein könnte. Sie sind eindeutig keine Charaktere, die man mit ein bißchen Einweichen, Schrubben und abgelegten Anzügen in Nick Nolte verwandeln kann. \"Klar, das sind Penner, die habe ich größtenteils auf der Straße angesprochen.\" Deren Fahne riecht man noch im Kinosessel. Keine Chance zur Identifikation also.
| Herpes-A-GoGo | ||
\"Menschen mit Moral wirken zwar oft altmodisch, auf den ersten Blick naiv, weshalb man sich über sie lustig macht - aber was sie wirklich bedeuten, merkt man oft erst, wenn sie nicht mehr da sind. Irgendwie mag man sie.\" So einer darf, wenn er denn wirklich will, den Zeigefinger heben. Aber Buck kommt ohne diese Geste aus. Obwohl über fünf Ecken verwandt mit Ebenezer Scrooge und dem Mädchen mit den Streichhölzern, mahnt der Film niemals direkt an. Statt dessen hat der Macher seine größte Stärke, seinen Witz, zur tödlichen Waffe umfunktioniert. Die Pointen in \"Liebe Deine Nächste\" hinterlassen schwarze Löcher. Wenn zu Beginn des Films Josefine (Lea Monar) versucht, einen Lebensmüden davon abzuhalten, von einem Hochhaus zu springen, und dieser ihr eine Minute lang zuhört, um dann - ohne auch nur einen Moment des Zögerns - mit den Worten \"Weißt du was? Ich springe jetzt, und du bist schuld\" seinen Abgang anzutreten, dann ist das nicht komisch.
| Peep | ||
\"Was meinst du, wie lange die Feldbusch das noch machen kann, ohne daß es zur Masche verkommt?\" Fotograf Mika bittet um ein Autogramm für einen Freund. Ich bekomme ungefragt auch eins. \"Für meine Freundin. Sehr treu\" steht drauf. Sehr komisch.
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