Absolute Beginner

Kickin' heftig Styles und hat Gesicht

24.01.1999, 21:24, Text: Autor unbekannt

'Bambule, die; -, -n Gaunerspr. Krawall protestierender Häftlinge od. Heiminsassen'
(aus: DUDEN, Band 1).

Aus der Qualitätsexplosion deutschsprachiger HipHop-VÖs in den letzten beiden Jahren erwuchs für die Beginner der Ehrgeiz, ihr Level nochmals zu toppen.
Eißfeld: 'Der Wunsch, ebenfalls 'ne derbe Rap-Platte zu machen. Auch, um den Leuten zu zeigen, daß man nicht Sandalen/Müsli-Styles kickt, sondern ziemlichst am Start sein kann!' Das klassische Competition-Prinzip. 'Bambule' - das neue Konzept; der Fuchs - das neue Logo: 'Das Tier, mit dem wir uns am ehesten identifizieren können. Wir sind eben nicht so heroisch wie 'n Löwe. 'n Fuchs ist eher bescheiden, sieht gut aus, ist schlau, aber auch smart und zurückhaltend. Das ist unser Style', meint Dennis. Eißfeld ergänzt: 'Und es ist das Wort, das wir - wie damals 'Gotting' oder 'Flashnizm' - zu dem Zeitpunkt derbe nutzten, auch für jegliches Wort, das uns fehlte.'
Instinktiv, schlau und vorsichtig. Auf dieser Basis entstand auch das inhaltlich wie musikalisch Wogen schlagende 'Liebes Lied'. Der Erwartungshaltung ihres Labels an einen potentiellen Hit gewiß, spielten die drei mit vermeintlich im Genre zementierten Begrifflichkeiten: 'Da gab's diese ganzen schrecklichen [Eißfeld singt:] 'Sie ist abgehauen, ohne sich einmal umzuschau'n'-Songs. Und so entstand diese Zeile: 'Ihr wollt 'n Liebeslied'. Es ist aber kein Liebeslied, sondern eben ein 'Liebes Lied'. Und da war natürlich Bedingung, daß es auch ein Liebeslied ist: es mußte schön sein und eingängig, flashen und vielleicht auch mit Gänsehaut. Niedlich und soulig.'
'Fuchs, Vulpes vulpes: Der Rotfuchs hat eine lange, spitze Schnauze, hochstehende Ohren und funkelnde Augen; er macht einen sehr schlauen Eindruck. Tatsächlich beobachtet er scharf seine Umgebung. Da er einen hervorragenden Geruchssinn besitzt, kann man sich ihm nur gegen den Wind nähern. Daß ihm List und Schlauheit zugeschrieben werden, verdankt er aber wohl vor allem seiner großen Vorsicht und Scheu'
(aus: 'Der große ADAC-Führer durch Wald, Feld und Flur', 1977).
Neben kreativer Freiheit bot ihnen 'Universal' ebenfalls maximalen Promotionsupport, was nach eingehender Klausel-Prüfung auch zum Bandübernahmevertrag führte - während der Künstlervertrag beim Mutterlabel 'Buback' verbleibt. Seit 'Flashnizm' Veränderungen en masse - Mardin stieg aus (und war nur noch auf der ersten Taster-Single 'Rock On' zu hören), Eißfeld formierte und kultivierte die in Eimsbüttel (Eimsbush) ansässige Mongo Clique und vertreibt seitdem die bemerkenswert innovativen 'Eimsbush-Mixtapes' - Hand in Hand mit über die Jahre gewachsenen Kontakten: 'Wir kennen uns mit der Infrastruktur mittlerweile so gut aus, daß wir damit genau das erreichen, was wir wollen!' (Mad).
Ihr neuester Wurf folgt dem Weg der konsequenten Selbstverwirklichung. Dennis: 'Wir hatten die Möglichkeiten, so richtig zu fuchsen, alles zu verwerfen und wieder neu zu machen. 'Hammerhart' z. B. wär' sonst nie so entstanden. Jedes Stück ist tight. Es gibt keinen Fehler, nichts, worüber ich mich ärgere!' Auffällig ist, daß die Dub-Elemente von 'Flashnizm (Stylopath)' auf 'Bambule' stark in den Hintergrund rücken. Sample- & DJ-Fachmann Mad: 'Die Platten spiegeln ja auch immer unsere Umgebung zur Zeit der Entstehung wider, damals waren das die Elbcore-Vögel mit ihrem Hardcore-Kram oder Caligari. Gute Platten entstehen immer auch aus guten Einflüssen. Daraus rekrutierte sich letztendlich unsere Liveband.' Beim Vorläuferalbum standen die mäßigen Verkaufszahlen und die mit positiven Kritiken vollgestopfte Pressemappe noch in keinem Verhältnis. Mad: 'Wenn man sich mit 'ner Platte soviel Arbeit macht, hat man damit ja auch was vor. Es geht natürlich auch um Kohle, um verschenktes Geld - das ist einfach schade!' Vom HipHop-Ding leben ist aber auch '99 nicht drin. Dennis: 'Ich laß mich niemals so richtig auf dieses ganze HipHop-Bizness ein. Man muß zweigleisig fahren, wenn man nicht echt 'n paar Top-Ten-Hits hat.' Eißfeld sieht diesen Zeitpunkt einer sich finanziell selbst tragenden Rap-Karriere hierzulande zwar immer näherkommen, aber: 'Dazu müssen die Leute erst mal wissen, was Style ist!'
Fatal verlaufene Karrieren im direkten Umfeld haben die Hanseaten weiter sensibilisiert: 'Deswegen tue ich mich auch extrem schwer damit, mich aus meinem Job zu verabschieden. So: 'Tschüß, ich bin jetzt 'n Rap-Star!' Vorsicht - du hast laufende Kosten!' stellt der als Beleuchter und Radio-DJ tätige Mad fest. An ein Aussterben ihrer cleveren Rap-Artgenossen denkt hier aber niemand, neue Populationen stehen in den Startlöchern: 'Das verläuft wellenmäßig: Es kommt immer einer nach. Wenn auch nicht aus Hamburg, aber vielleicht wächst irgendwo 'n Fuchs auf und kickt derbe Styles!?' so die Prophezeiung von Dennis. Freuen wir uns auf deren Erfüllung - und die ausgedehnte Beginner-Tour!



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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