Ed Rush & Optical

Young Guns

18.01.1999, 12:32, Text: Autor unbekannt

Irgendwo in einem Studiokomplex im schmierigen Londoner Stadtteil Soho arbeiten sie in diesem Moment wieder am Tod der Tieftöner: Verzerrte Niederfrequenzen und wummernde Wellen rotten sich zu Alien-Funk zusammen, Bassmembrane leisten Schwerstarbeit. Optical versenkt seinen Kopf in die riesigen Lautsprecher und schraubt konzentriert die Subfrequenzen in den Keller. Daneben Ed Rush: total stoned, bangt seinen kahlrasierten Schädel, wirft Ideen ein, dreht an Knöpfen und Reglern. 'Bummm, Tschack, Bummtschack', hämmern die Twostep-Beats durchs Studio, und ständig schreit einer der beiden, nun solle man sich doch mal diesen 'wicked shit' anhören. Kurz darauf vernichtet ein Brutalocrunch fast die Membran des Telefonhörers.
Der 25jährige Ed Rush und seine Nukleus-Hälfte Matt Optical, 26, ergänzen sich perfekt: Da ist der zornige Heißsporn Ed mit dem locker sitzenden Distortion-Blaster im Halfter.

Und an seiner Seite schlendert der zurückhaltende Sound-Perfektionist Matt, der mit seinen Beats Deine Hirnlappen pulverisieren kann. Vor allem Ed hat diese Partnerschaft gutgetan, nachdem er 1997 mit der 'No U-Turn'-Mannschaft etwas in der Versenkung verschwunden war. 'Es gab keinen Streit, aber solche Konstellationen erreichen irgendwann ihren Höhepunkt', erzählt er. 'Ich habe dann viel als DJ gearbeitet und irgendwann Matt getroffen.' Der brachte ihm im Studio erst mal neue Moves am Mischpult bei: Nach den verzerrten, rohen 'No U-Turn'-Basslines, mit denen man auch auf den kleinsten Ghettoblastern verheerende Wirkungen erzielen konnte, sind die 'Virus'-Releases perfekt gedrechselte Sounds, die erst auf großen Club-Soundsystemen mit ganzer Wucht detonieren. Ed: 'Das stimmt, unser Stoff funktioniert nicht richtig über ein Autoradio oder eine Stereoanlage. Es gibt viele Frequenzen, die kleine Systeme nicht richtig darstellen können ... [das Satzende geht im Dröhnen unter].' Es war Matt Optical, der 1997 mit der 'Metalheadz'-Laufnummer 027 'To Shape The Future' das neue Faß mit den crunchy Basslines und dem sirrenden Technoappeal aufgemacht hatte. 'Ich höre tatsächlich viel Techno, etwa Carl Craig und JB3', erzählt er. 'Ich mag es, wenn es proper produziert ist.' Kein Wunder, schließlich steht der Mann schon seit langen Jahren hinter dem Mischpult: 1994 etwa hat er bereits als Engineer für Leviticus (erinnert Euch an 'The Burial') gearbeitet und kürzlich noch die Grooverider-LP produziert. 'Ed und ich inspirieren uns', sagt er. Ed: 'Genau! Wir vibrieren gleich, es gibt viel Vertrauen und Verständnis zwischen uns, ohne daß wir reden .... [wummernde Beats aus dem Off pusten den Rest weg].'



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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