Kinderzimmer Productions
True Schwäbisch' Stories
17.01.1999, 15:16, Text: Autor unbekannt
Textor: Das wirkliche Original-Kinderzimmer gibt es nicht mehr. Aber ich hab' mir das schon ganz vernünftig eingerichtet.
Quasi Modo: Er wohnt im Haus meiner Eltern. Das war das zweite Kinderzimmer, und das gibt's noch. Wir haben die Platte auch da gemacht, bei uns im Keller.
Was ist neu im HipHop-Häusle?
Q: Dieses Detail hinter der Arbeit: die Auswahl von Samples, eine viel kürzere Samplelänge, also viel kleinere Bruchstücke, und die wurden noch mehr verschmolzen.
T: Wir haben wieder in Vinyl gedacht, in zwei Plattenseiten. Die Sachen auf der 'A-Seite' sind eher klassisch HipHop-orientiert - sowohl von den Inhalten als auch vom Sound her -: konkreter und minimaler.
T: Da, wo wir aufgehört hatten, gehen wir jetzt einfach ein paar Schritte weiter.
Q: Wir können freier mit den Sounds umgehen, fühlen uns nicht mehr so gebunden, lassen noch mehr laufen. Auf der zweiten Platte war das noch ein bißchen strukturierter.
Wie erklärt ihr eure musikalische Dördischkeit? Q: Bei uns ist es einfach so: 100% sind Samples. Wir bedienen uns nicht synthetischer Dinge, höchstens mal, um technisch was zu erreichen. Und wenn du dich wirklich nur auf Samples verläßt, also auf Sachen, die es schon gab, dann mußt du versuchen, das, was du stapeln möchtest, dem anzupassen. Und manchmal ist das nicht so einfach, weil das damals bei der Aufnahme nicht so gedacht gewesen ist. Ich versuch' dann irgendwie, daß es fusioniert, eine Symbiose gibt; daß es nachher kein Hochglanzprodukt sein kann, ist ganz klar.
Warum finden sich so wenige deutschsprachige Rap-Querverweise? T: Gerade Eins, Zwo und solche Geschichten sind wirklich sehr, sehr schön. Aber diese Entwicklung ist genau in den zwei Jahren passiert, wo wir die Platte gemacht haben. So gesehen wird der deutsche Einfluß auf unserer nächsten Platte interessanter sein.
Warum vom selbst dirigierten Label zum vermeintlichen 'Satan Major'? T: Wir hatten die Hoffnung, daß uns 'ne Plattenfirma ein bißchen was von der organisatorischen Strukturarbeit abnehmen kann. Wir haben lange überlegt, ob wir's machen sollen oder was wir unbedingt haben wollen - z. B. künstlerische Freiheit. Und nach dem guten Angebot der 'Epic' wollten wir einfach mal den Vergleich haben.
Aber: 'Hätt' ich keine Ohren, würde ich zur Plattenindustrie gehen!' [Zitat aus: 'Fett Viel Besser']. T: Meinem Gefühl nach wird Musik in diesen Bereichen hauptsächlich als Ware gesehen. Das zeigt sich im Vokabular und auch daran, was sie gut und schlecht finden. Wenn ich mit Leuten von der Industrie spreche, hab' ich immer das Gefühl: entweder haben die keine Ohren - oder ich.
Gab's Tuchfühlung mit anderen Labels? T: Ja. Wir wollten z. B. nie 'nen Künstlervertrag haben, wollten das fertige Band abliefern, und wenn es eine Firma gibt, die das gut findet: okay. Wenn dann jemand am Telefon sagte: 'Ja, das ist eigentlich schon ganz nett, aber das muß man remixen, und das ist nicht radiotauglich, und das Cover gefällt mir nicht, und wir wollen mehr nackte Oberkörper und etwas mehr Frauen' - da hatte sich die Sache schon völlig erledigt. Das gab's öfter mal.
Was hat sich für euch seit den Anfängen geändert? Q: Für mich persönlich ist das finanzielle Ergebnis ein kleines bißchen wichtiger geworden. Weil auch der Zeitpunkt immer näher rückt, daß du auf dich allein gestellt bist, und du solltest schon eine Sicherheit haben. Ich bin ja Schwabe, und ich denk auch so!
Schaffe, schaffe, Studio baue. Kostet ja auch Geld, wie das Studium, oder? Q (Student der Elektrotechnik): Genau. Von vornherein war klar: Musik, das mach' ich einfach, weil das ist mein Leben. Es gibt da zwei Seiten bei mir, die sind irgendwie getrennt, und manchmal spielen sie ineinander rein.
Die Ideale sind also die gleichen geblieben? T: Die Ideale sind gleich, aber der Weg, wie man versucht, das zu erreichen, und was du innerhalb dieser Ideale konkret erreichen willst, da hat sich schon was verschoben.
Erfordert eine Rap-Karriere Zweigleisigkeit? Q: Ja, definitiv. Sich auf Gedeih und Verderb dem Major an den Hals werfen ist nicht so gut.
T: Man kann der Sache auch ein bißchen unbeschwerter gegenüberstehen, muß nicht unbedingt den Top-Ten-Hit machen! Wir haben uns gesagt: wenn's was wird, ist's schön, wenn nicht, ist's auch okay, geh' ich eben arbeiten.
Q: Und man hat noch mit anderen Leuten zu tun, das ist auch ein bißchen Ausgleich.
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