Everlast

Back For Good

13.01.1999, 22:14, Text: Autor unbekannt

Als Eric Schrody zum ersten Mal nach seiner durch einen Muskelriß bedingten Herzoperation wieder in die Welt ging, war er in einem Kaufhaus, so eines mit großem Treppenhaus. Da sah er einen Jungen, der seinen kleinen Bruder im zweiten Stock auf das Geländer setzte, sprintete hin und verhinderte Schlimmeres. 'Vielleicht', so spricht er mit milder Esoterik, 'war es das schon. Vielleicht war es auch ein Song, der einem Menschen geholfen hat.' Doch doch, es ist der Stiernacken von House Of Pain, der das sagt. Eric Schrody würde gerne noch ein paar gute Dinge tun, bevor er auscheckt. 'Ich habe einen Haufen Scheiß gemacht, nicht wirklich Schlimmes, aber viel Mist.'
Jetzt blickt er schwarzweiß auf den Boden, heißt nicht mehr Everlast, sondern Whitey Ford, und singt den Blues.

Na ja, nicht den richtigen Blues. Den Blues im House-Of-Pain-Sinne. Dabei hatte Everlast, als er diese seine ebenso stilbildende wie erfolgreiche Haudrauftruppe verließ, eigentlich gar keine Platten mehr machen wollen. Musik ja, mit Freunden, zum Spaß, aber kein Business mehr. Und vor allem keine Bedürfnisbefriedigung mehr, 'das, was alle machen, das, was die Leute wollen, denn sie haben ja alle Familien. Das ist genau das, was ich nicht wollte. Als ich die Platte gemacht habe, dachte ich, daß mich eigentlich alle für verrückt erklären müssen. Jetzt könnte ich leicht sagen, daß ich genau wußte, was ich mache, aber so war es nicht. Aber genau darum geht es: diese Aufregung, ob es funktionieren wird. Ich meine, ich war pleite, im Krankenhaus und dann auch noch eine Songwriter-Platte. Ich wußte definitiv nicht, was passiert.' Und jetzt: alles läuft locker. Was er nicht machen will, macht er nicht. 'Kein 'you gotta do this and that' mehr. Das gleiche mit Musik. Nur: die Band ist zu gut, um aufzuhören.' Was wenige Stunden später in einer Schulaula eines Nichtortes namens Champaign, Illinois nachzuverfolgen ist. Eingebettet in den ärmlichen Gitarrenmorast von Duncan Sheik und Better Than Ezra, betritt die immer noch aggressive Rampensau die Bühne, stellt kurz fest, daß dies ein 'motherfucking place' ist, und bringt hiphopfizierten Funk mit Standbaß, Schlagzeug und einem begnadeten DJ. Improvisation, Präsenz, Coolness. Keine Widerrede, auch von den tausend zahnbespangten Weihnachtsfeierkids nicht, für die es irgendwann dann auch noch ein 'Jump Around' gibt, deutlich modifiziert, versteht sich. 'Diese ganze Collegemusik', entfährt es Everlast in bezug auf diesen Abend zu Recht, 'ist ein einziges Gejammer. Ich will nicht gemein sein, aber es ist einfach scheiße. Heute abend ist niemand dabei, der irgendeine Ahnung davon hat, was wir machen. Wir haben Shows mit Cake und Soul Coughing gemacht, das sind gute Bands, die haben Funk, aber so was ...'
Schon deswegen will Everlast auf keinen Fall im Alternative-Rock-Zirkel verortet sein, sondern plant seine nächste Tour mit den Scratch Picklz oder X-Ecutioners. Ein Zurück ins House Of Pain wird es nicht mehr geben, das hat seinen Platz in der Geschichte. Dafür kann es von dieser Position aus in tausendundeine Richtung weitergehen, denn die Leute nehmen ihn ernster. 'Ich kann relativ viele Dinge ausprobieren, und es werden immer einige reinhören.' So klingt 'erwachsen', mit Zufriedenheit hat das nix zu tun. Everlast will angemessenen Hunger, erinnert sich, daß sie, je mehr sie mit House Of Pain verdienten, desto weniger auf Tour gehen wollten. Das Geld ist verblasen, um die Ärzte zu bezahlen, sogar das Haus mußte verkauft werden. Jetzt sind Hund und Hut bei seiner Mutter in L.A., und es ist sehr wahrscheinlich, daß sein Bus demnächst in Eurer Nachbarschaft anhält.



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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