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-Satire-

13.01.1999, 19:11, Text: Autor unbekannt

\"E! N! O! R! M! - Enorm in Form - Aerobic, Aerobic, Aerobic!\" Gewiß, die Generation meiner Großmutter hat so einiges auf dem Gewissen. Für das regelmäßige Geglotze jener Nachmittagssendung in den Achtzigern, in der Jane-Fonda-Lookalikes herumsprangen und den Hampelmann gaben - zu ebenjener Mucke: \"Aerobic! Aerobic! Aerobic!\" -, könnte ich sie allerdings mal christusmäßig kreuzweise, meine Oma und ihre schändliche g-g-g-generation. Wenn man nur nicht schon so viel anderes zu tun hätte! Horden von Werbetextern und -muckern müssen schließlich um ihr Gemächt erleichtert werden, Jingle-Produzenten harren ihres wohlverdienten Pfropfens für den Anus, auf daß sie an ihrem Kot ersticken.

Und dann ist da ja auch noch der leidige Farian! Und alles nur wegen so etwas: \"Guten Morgen Botteram!\", \"104 Punkt sechs, BB-Radio!\", \"Ich leb' mein Leben ganz spontan [die wichtige Einschränkung:] Wenn ich [einen Halbton tiefer:] kann / Ich bin so frei / Nescafé ist dabei!\"
Es ist zum Erbrechen, erbärmlichen. Kaum den Gänsefedern flugs entschwungen, hat sich schon ein solcher Ohrwurm in der Ohrtrompete festgeegelt und es sich zwischen Schneckengang und Basilarmembran mit \"Krönung Light\" recht behaglich gemacht. Pfiffikus, der man ist, denkt man sich nichts weiter und grummelt mit viel zu tiefer Stimme Inhaltsleeres wie \"Der hat was / Peppies\" vor sich hin - dann hat man den Teufel wenigstens mit dem Beelzebub, wenn nicht gar mit dem Gottseibeiuns, ausgetrieben. Doch heute weiß man: solcherlei Methoden - Tests an Hautärzten haben das bewiesen - führen geradewegs ins Verderben, schändliche. Klinisch bedeutsam wurde unlängst ein Fall, ärgerlicher, wo einem Patienten unablässig nicht etwa eine komplette Melodie oder ein ganzer Text, sondern ein einzelnes Wort durchs Oberstübchen hämmerte. Liebe Leser daheim vor dem Bildschirm: Machen Sie das NICHT nach! Der Schreiber dieser Zeilen hat sehr viel Erfahrung mit Wörtern wie \"Mops\", \"Glockengeläut\" und \"Telecaster\" und weiß damit umzugehen.
Die Forschung ist augenblicklich bestrebt, aus Erkenntnissen zum Thema des Nicht-vergessen-Könnens Techniken für die bessere Memorisierbarkeit von ungeliebtem, aber nichtsdestotrotz wichtigem Wissen zu entwickeln. Es konnten bereits einige beachtliche Erfolge erzielt werden. \"Kilometertal, euer Urpokal\" - na, dämmert's? Klarissimo: Klio, Melpomene, Terpsichore, Thalia, Euterpe, Erato, Urania, Polyhymnia, Kalliope, wäre man sonst nicht drauf gekommen, die Namen der neun Musen. Oder: \"Fritz bringt Esther Astern des Gesangsvereins\" - der Quintenzirkel links herum. Und jetzt die Kreuzchentonarten im Uhrzeigersinn: \"Gib dem Armen einen halben Fisch\" - so kann man nicht nur Tonarten und die Anzahl ihrer Vorzeichen erinnern, sondern man tut noch was für sich als Gutmenschen. Wer weiß, daß \"fis\" und \"cis\" in D-Dur vorkommen und daß Es-Dur drei \"b\"-s hat, hat auch ein Herz für die, die das nicht wissen und denen es folglich schlechter geht: \"Wo man singt, da laß dich nieder / Böse Menschen haben keine Lieder!\" Ganz nutzlos ist hingegen ein Spruch wie \"Bei nihil, nisi, num / Fällt der kleine Ali um!\" Erstens sind nihil, nisi, num keine Worte, und zweitens macht man über Ali, den Muslmann, keine dummen Sprüche. Besser dagegen: \"C-a-f-f-e-e, trink nicht so viel Kaffee!\" (kleiner Ali!) und \"Fritz aß Citroneneis gern!\" Der Stand der Forschung wird aber am eindrucksvollsten bei folgendem: \"Solange das Deutsche Reich besteht / Wird jede Schraube nach rechts gedreht.\" Trotzdem: die \"Du darfst\"-Sängerin muß sterben!



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aus Intro #61 (Februar 1999)
 
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