Built To Spill
After The Goldrush
10.01.1999, 20:24, Text: Autor unbekannt
Machen wir uns nichts vor: Indie- bzw. Gitarrenrock im ursprünglichen Sinne ist toter denn je oder fristet ein saisonbedingtes Undercover-Dasein unter dem Deckmantel wechselnder Präfixe wie Post-, Noise-, Slow-, Glam-, Stoner- oder Schlag-mich-tot-... Built To Spills Doug Martsch sieht der allgemeinen Entwicklung gerade aus der Position des Bandleaders bewundernswert gelassen entgegen: 'Es liegt in der Natur der Dinge, daß Begriffe wie 'Alternative Rock' mit der Zeit an Bedeutung verlieren, schließlich muß es ja irgendwie weitergehen. Spätestens seit Nirvana haben sich die Grenzen zwischen 'alternativem' und 'kommerziellem' Radio in Wohlgefallen aufgelöst, sind derartige Klassifizierungen einfach überflüssig ...' Daß die ganze Chose seit geraumer Zeit ohne das geringste Anzeichen baldiger Gesundung vor sich hin kränkelt und wirkliche Neuerungen selbst mit größtem Wohlwollen nur schwerlich auszumachen sind, sieht auch Martsch.
Um die Zukunft gitarrenorientierter Musik sei es aber doch nicht so duster bestellt, wie uns schwarzmalerische Prognosen derzeit glauben machen wollen, und etwaige 'Zwangsvermählungen' mit elektronischen Sounds hält man BTS-intern für überflüssig: 'Zu behaupten, diese Art von Musik sei wichtiger als jene, ist völliger Quatsch, schließlich stellt sich immer noch die Frage nach der Qualität! Wichtig ist, daß man hinter dem steht, was man macht - ob mit 'ner Akustikklampfe oder als Electro-Act ...!' Bei soviel Selbstverständlichkeit und positiven Vibrations wundert es kaum, daß Built To Spills Opus 'Perfect From Now On' im arg strapazierten Gitarrensektor zu einem DER Überraschungserfolge '97 avancierte - schließlich ist das Trio aus Boise, Idaho vermeintlicher Konkurrenz seit jeher eine Nasenlänge voraus, wenn es darum geht, Spielwitz, Innovation und ein goutierbares Maß an kleinen Schrägheiten auf höchst eigensinnige, aber nicht minder sympathische Art und Weise unter Dach und Fach zu bringen. Das gewisse Etwas halt: etwas mehr Experimentierfreudigkeit, etwas andere Melodiebögen und vor allem ... die etwas anderen - und nicht als solche gedachten - Hits für Menschen, die selbige nicht hören wollen, ausgewalzt auf ein episches Gardemaß jenseits der Acht-Minuten-Grenze.
Glücklicherweise haben Built To Spill auch auf ihrem aktuellen Geniestreich 'Keep It Like A Secret' wieder alles falsch gemacht, nur die durchschnittliche Spielzeit beträgt heuer gerade mal noch vier Minuten, womit man sich fast schon in suspekter Nähe gängiger Popformate bewegt. Und das alles nur, weil Martsch 'keine Lust mehr hatte, an langen Songs rumzutüfteln.'
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