Blumfeld
Nobody's Glück
09.01.1999, 12:25, Text: Autor unbekannt
| Mixtapes | ||
An Mixtapes entlang integriert sie sich. Alle Beteiligten betonen, die Neuformation der Band nach dem Ausscheiden von Eike Bohlken als Bassist, '96, habe die Notwendigkeit mit sich gebracht, ein neues 'Bandgefühl' herzustellen. So etwas wie 'wie man miteinander umgeht, wie sich das anfühlt, zusammen auf der Bühne oder im Proberaum zu stehen' (Peter Thiessen). 'Wie man sich so verhält gegeneinander, das mußte man komplett neu machen', sagt Jochen. Die 'Hauptarbeit' habe dabei im Tourbus stattgefunden, 'beim sich gemeinsam Mixtapes Vorspielen'. Das Mixtape als Bild für Blumfeld-Arbeitsvorgänge und -Funktionsweisen hat noch weitere Bedeutungen. Zum einen steht es für Jochens DJ-Erfahrung, die, vom 'Pudel Club' ausgehend, in den letzten Jahren gar nicht mal so wenig Platz in seinem Leben eingenommen haben soll. In diesem Zusammenhang und in der Formulierung 'Ich habe das so verstanden, wie man Mixtapes aufnimmt' steht es dem DJ-en als Kunst und Fingerfertigkeit gegenüber. Zweitens, bezüglich der Band - wobei, das muß noch angemerkt werden, Jochen die Banderfahrung definiert als 'unterwegs sein, rumfahren, geil Essen gehen und Konzerte spielen' -, bedeutet Mixtapes, daß einem Lieblingsstücke entgegentreten. 'Das verdichtet sich immer mehr. Und die läßt man dann näher an sich ran.' Und schließlich 'fließt das da einfach so rein.' Ins neu Entstehende.
Drei Kriterien habe er für das neue Album schon längere Zeit im Auge gehabt: 'einfachere Texte; Gesang machen, so voll; und von der Art, wie die Songs laufen sollten: so Mainstreampop-mäßiger.' - Läßt sich das denn heute noch bestimmen, Mainstreampop? - 'Einen Mainstreampop, wie man ihn aus den 80ern kannte, den gibt es so nicht mehr. Also MAIN-STREAM. Trotzdem gibt es ja bestimmte musikalische Ansätze von Leuten, die immer noch Platten machen - Robert Palmer, Michael Jackson, George Michael und ich weiß nicht wer alles -, die sich diesem Mainstreampop-Idiom der 80er, ja, nicht verpflichtet fühlen, aber daraus entwickeln die sich ja.'
| Mainstreampop-Offenheit | ||
| WOW! | ||
Jochen Distelmeyer findet diese Interpretation - der Text selbst verlangt nach ihr, das ist gar keine Frage -, nun ja, sie ist ihm nicht geheuer. Er hat sie nicht bedacht. Nur gemacht. (Ciao, Autor!) Aus Elektro-Pop. Aus irgendwelchen Gründen läßt sich das ästhetisch nur auf diese Weise realisieren. Ob es was mit dem Alter (um 30), ob es mit einer Generationserfahrung zu tun hat? Heißt die, daß eine bestimmte Kombination aus Sounds und Melodiösität = Nobody-Glück bedeutet? Aber nobody gibt hier ein Glücksversprechen. 'Ich glaube, das ist in bezug auf die Texte ziemlich wichtig. Weil, das ist wohl der Punkt, an dem man sich scheiden kann: ob man das tatsächlich als Versprechen auffaßt', meint Michael Mühlhaus. Nachdem Andre Rattay bereits erklärte: 'Es ist kein Versprechen, das gegeben wird. Es geht um die Arbeit daran, also darum, sich diese Perspektive zu erarbeiten, daß es Hoffnung gibt, daß so etwas wie Hoffnung entstehen kann.' Nein, geschenkt wird einem von Blumfeld nichts.
Einen Abend nach dem Restauranttisch ist Peter Thiessen an einem DJ-Battle des Fanzines '[Sic]korski' in der Szenekneipe 'Schilleroper' beteiligt. Schanzenviertel. Er spielt das Blumfeld-Stück 'Pro Familia', danach 'Billie Jean', und so geht's gerade weiter. So sind Blumfeld, okay? Selbstbewußt, funky, Pop! Knapp 20 Musikleute machen mit, spielen Rock und so. Thiessen holt den ersten Platz. Mit den alten Hoffnungmachern. Die Erinnerung an sie, recalled, birgt den Grund, weshalb die neue Blumfeld nicht nur Achselzucken, sondern im Achselzucken super ist. Dann, wenn sie in Richtung Pet Shop Boys, Prefab Sprout, Grace Jones ... Man wird dann - von irgendwoher -, nein, nicht zur Ordnung gerufen. Nur ganz beruhigt und froh.
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