John Michael McCarthy

Hotrod juvenile deliquents & amazons from outer space

05.11.1998, 21:06, Text: Autor unbekannt

Nach einem Kunststudium am Memphis College Of Art hatte JMM sieben Jahre lang Comics gezeichnet, die von \"Fantagraphics Books\" in Seattle veröffentlicht wurden, mit denen er aber nicht allzu viele Leute erreichte. \"Es macht einen völlig fertig, in einem kleinen Raum zu sitzen und seine ganze Zeit damit zu verbringen, Comics zu zeichnen und kaum Geld dafür zu bekommen\", meint er leicht resigniert. \"Nachdem dein Comic erschienen ist, schreiben dir zwei Leute einen Brief und halten dich für Gott. Dann verbringst du ein weiteres Jahr deines Lebens mit dem Zeichnen des nächsten Comics.\"
Erste Erfahrungen im Filmbusiness folgten als Associate Producer bei \"Gorotica\" und \"Gore Whore\", zwei \"shot-on-video\"-Produktionen in Memphis.

Mit Hilfe von Kreditkarten finanzierte er dann '93 sein - ursprünglich als Comic gedachtes - eigenes Projekt \"Damselvis, Daughter Of Helvis\". Hier wie auch in seinen beiden späteren Filmen \"Teenage Tupelo\" und \"The Sore Losers\" das Hauptmerkmal: Nacktszenen und Gewalt! \"Sex und Gewalt entsprechen unserer Natur, aber wir haben vergessen, daß wir von dieser femininen Kraft durchdrungen und kontrolliert sind\", begründet er die Fixierung auf diese Bereiche. \"Dieser Analogie entsprechend gewinnen meine weiblichen Charaktere immer die Oberhand - ähnlich wie in Russ Meyers Filmen. Außerdem ist Nacktheit der billigste Spezialeffekt, den man kriegen kann. Wenn ich mir einen Film anschaue, wird es schnell langweilig, wenn sie nicht ein paar Titten oder Gewalt einbauen. Andererseits, wenn ein Film einfach nur dumm ist und keinerlei künstlerische Ambitionen besitzt, ist das genauso öde. Es gibt Leute, die Kunst ausbeuten, und andere, die Kunst schaffen - ich versuche beides zu tun.\" Sein zweiter Film, \"Teenage Tupelo\", erschien '95 und wurde wenig später von \"Something Weird\", die u. a. die Werke von Herschell Gordon Lewis in den USA auf Video vertreiben, als einziger neuer Film in deren Programm von klassischen Kultfilmen aufgenommen. In diesem Semi-Auto-Bio-Sexploitation-Comedy-Drama-Musical reflektiert JMM die Geschichte seiner eigenen Geburt 1962 in Tupelo, Mississippi: \"Meine leibliche Mutter sah '56 als Teenager ein Konzert von ELVIS in Tupelo. Man kann sie auf einem berühmten Photo sehen, auf dem ELVIS seine Hand nach dem Publikum ausstreckt. Beim selben Konzert waren auch die Leute, die mich einige Jahre später adoptierten. Obwohl ich meine Mutter nie persönlich getroffen habe, ist sie die Heldin von 'Teenage Tupelo'. Ich bin also der erste, der einen flotten Nacktfilm mit seiner Mutter in der Hauptrolle gemacht hat. Meinen leiblichen Vater kenne ich nicht, also habe ich aus ihm in meiner Geschichte einen von ELVIS inspirierten Charakter namens Johnny Tu-Note gemacht, denn rein theoretisch könnte ELVIS mein Vater sein.\"
Auch wenn \"Teenage Tupelo\" sicherlich sein persönlichster und charmantester Film ist, stellt der '97 fertiggestellte \"The Sore Losers\" den bisherigen Höhepunkt in McCarthys Schaffen dar, was besonders an dem exzellenten Soundtrack liegt, auf dem sich die crème de la crème des Garagepunk versammelt, darunter THE MAKERS, Mick Collins (Ex-GORIES), '68 COMEBACK, THE ROYAL PENDLETONS, Jack Oblivian, Greg Oblivian und GUITAR WOLF. \"Die Musik rettet mich eigentlich bei jedem Film\", gibt er ohne Umschweife zu. \"Die Musik bei 'Damselvis' stammt von den COMPULSIVE GAMBLERS, den späteren OBLIVIANS. Bei 'Teenage Tupelo' waren es IMPALA, und bei 'The Sore Losers' habe ich anstelle eines Soundtracks 20 Bands genommen - so gibt es bei jeder Szene andere Songs. Diese Musik ist einer der Gründe, warum ich den Film gemacht habe - denn das ist für mich eindeutig der Punkrock der 90er.\" Aber nicht nur die Musik wird von JMMs Vorliebe für Garagepunk bestimmt, auch viele seiner Protagonisten stammen aus diesem Umfeld: so spielt Jack Oblivian Blackie, einen Comic-begeisterten Killer, der 42 Jahren, nachdem ELVIS erstmalig bei der Radiosendung \"Red, Hot & Blue\" zu hören war, zurück auf die Erde kommt, um endlich seine Mission zu vollenden, nämlich zwölf Beatniks zu erledigen; Unterstützung erhält er dabei u. a. von Mike (Maker, von den MAKERS). Da die beiden aber dummerweise zu viele Leute umlegen, sind ihnen die Men In Black (GUITAR WOLF) auf den Fersen, was man auch auf die Formel \"HotRod juvenile deliquents and amazons from outer space have come to Memphis to kill hippies, but a cosmic problem occurs when they kill too many\" reduzieren könnte.
Ein großartiger, durchgeknallter, Film gewordener Comic also und eine der Independent-Film-Entdeckungen der letzten Jahre. \"Die Leute, die ein kleines beschissenes Low-budget-Filmchen erwarten, sind ziemlich erstaunt, wenn sie GUITAR WOLF sehen, die mit ihren Augen Laserstrahlen verschießen, oder Jack Oblivian, der ohne zu stottern seinen Text meistert\", meint er abschließend. \"Meine Filme sind lebendige Comics. Ich habe wirklich nach Leuten gesucht, die wie Comic-Figuren aussehen. Hoffentlich kann ich auch weiterhin verrückte Filme machen, die eigentlich Comics sind.\"
\"The Sore Losers\" ist in der Originalfassung mit dem GUITAR WOLF-Clip \"Invader Ace\" als Bonus auf Video bei Incredibly Strange Video (Eisenacherstr. 115, 10777 Berlin, Tel.: 030 / 2640673) erschienen. Weitere Infos über John Michael McCarthys Schaffen unter http://shoga.wwa.com/~turkey/bbgm.html



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aus Intro #60 (Dezember 1998 / Januar 1999)
 
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