Drugstore

Faster, Drugstore, kill, kill

23.06.1998, 22:42, Text: Autor unbekannt

Isabelle Monteiro, Sängerin der Briten DRUGSTORE, stammt eigentlich aus Brasilien. Ihre etwas knarzige Stimme, die nach durchzechter Nacht klingt, ist seit jeher Top-Wiedererkennungswert der Band. Voll Rock, aber auch voll zart, da müssen sich selbst die Hartgesottensten erst mal setzen, wenn diese Dame ihre spezielle Klangfarbe zwischen harmonisch und dissonant ausbreitet, was auf dem aktuellen Album 'White Magic For Lovers' durch ein einsames Cello noch ein bißchen mehr Gewicht bekommt. Ein Cello, das die klassische Rockformation Gitarre und so erweitert, ist ja beileibe keine neue Idee, aber hier macht es Sinn und arbeitet sehnsüchtig wunderschöne Momente heraus.

Ein bißchen klingt das dann natürlich nach Kitsch oder Hedonismus, wer aber darauf gar nicht kann, würde sich ohnehin keine Brit-Rock-Platte mit Cello zulegen.
Obwohl musikalisch von 'Lovers' über Streichinstrumente bis zu Monteiros Stimme alles schlüssig wirkt, waren für DRUGSTORE die letzten Geschäftsjahre eher unangenehm. Ihre Plattenfirma löste sich in Mißgefallen auf - pleite. Daß das für die dort gesignten Bands keinen Karriereschub bedeutete, leuchtet ein. DRUGSTORE verloren in diesem Dilemma außerhalb von Proberaum und Bühne Zeit und Nerven. Doch eine so gute Partie bleibt ja nie lang allein. Mittlerweile konnten DRUGSTORE wieder vom Transfermarkt gestrichen werden. Willkommen unter der neuen Haube. Schluß mit Business-Ärger, jetzt wird Musik gemacht, bzw. werden Duette gesungen. Doch gehören, wie viele unter den Lesern wissen, zu einem Duett immer zwei. In diesem Fall wird der männliche Part der ersten Single-Auskopplung 'El President' von Thom Yorke interpretiert. Yorke ist sonst Sänger RADIOHEADs. Seine Stimme strahlt Würde, Integrität aus, mimt in dem Stück den Präsidenten, dessen Schicksal sich im Refrain mit den Worten 'Kill the president' erfüllt. Schaurig schön offeriert sich der stimmliche Kontrast Yorke/Monteiro - alles sparsam instrumentiert, natürlich mit ordentlich viel Cello. Clinton, als Paradebeispiel des neuen Präsidententypus', sei bei all dem nicht gemeint. Es gehe mehr um Fallhöhe und die Zeile Yorkes: 'I'm just a man'. So mächtig die Positionen auch definiert sind, sitzen doch immer nur Menschen auf dem Stuhl. DRUGSTORE richten sich einfach ein bißchen gegen leadership im allgemeinen. Aber nur ein bißchen, denn das hier ist nicht CHUMBAWAMBA, baby.
Die obligate Affäre, die man Thom und Isabelle unverzüglich anheften will, dementiert die Band routiniert. Das haben andere schon vor mir gefragt, merke ich. Und so weit muß es doch nicht immer kommen. Mann und Frau können sich ja tatsächlich mal nur so mögen.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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