Deejay Punk-Roc

That's the way I deejay!

23.06.1998, 10:12, Text: Autor unbekannt

So fängt es an, das Album, das nie ein Album werden sollte, wie der New Yorker erklärt: ' Bei den Sachen, die auf 'Chicken Eye' gelandet sind, habe ich nur so für mich gebastelt - ohne den Hintergedanken, irgend etwas davon veröffentlichen zu wollen.' Doch dann hörten 'Airdog Recordings' aus Liverpool den Track 'My Beatbox', schnappten sich umgehend einen Armvoll Masterbänder und entschieden: Es werde ein Album! Das hatte Folgen für den DJ, der so schnell redet, wie er scratcht. 'Mann, ich bin seit Januar in England und völlig ausgebucht. Die Plattenfirma war so nett, mir ein Studio zur Verfügung zu stellen, in dem ich von Montag bis Mittwoch hocke.

Den Rest der Woche bin ich als DJ auf Tour.'
Doch Ortswechsel sind für den ehemaligen Army-Angehörigen kein Problem, denn Heimweh hat er bestenfalls nach seiner Plattensammlung: 'Yeah, ich habe mehr als 15.000 LPs zu Hause - die Singles und Maxis nicht mitgerechnet.' Wenn es um sein Heiligtum geht, wird der passionierte Smalltalker und Easygoer plötzlich seriös: 'That's my pride and joy, man. Da wird jede Platte alphabetisch eingeordnet. Es gibt von allem etwas, aber in Prozent ausgedrückt habe ich 50% Soul, Funk und HipHop, 25 bis 30% Jazz und einen wild gemischten Rest.' Vielfalt ist denn auch die einzige Konstante in PUNK-ROCs Musik. Da klingt es mal, als hätte er den AcidJazz splitternackt ausgezogen in eine Tiefkühltruhe gesteckt, die selbsttätig den Deckel öffnet, um frostbebeulte Trompeten in die Welt zu schicken. Eine kleine Tröte fliegt durch das Soundpanorama und hofft, bei den großen Klängen mitspielen zu dürfen. Die Sequencer rattern wie Tausendfüßler beim Hundertmeterlauf, und ein kleiner 'Badoodabadoooah'-Frauenchor weckt Erinnerungen an Manfred Sexauers Musikladen. Das trashige Elektro-Feeling der 80er wird durch Vocoder-Vocals und Toc-Toc-Sequenzen repräsentiert. Wer streift sich da nicht gern die weißen Handschuhe über und schnitzt sich eine Breakdance-Matte aus Muttis liebstem Bananenkarton?
Derart halsbrecherisch springt PUNK-ROC auch bei seinen DJ-Sets durch Stile und Jahrzehnte. 'Ich mag es halt, wenn es keine Regeln gibt. Wenn du in House-Clubs spielst, mußt du den Beat über den ganzen Abend halten, oder du fliegst raus. Das könnte ich auch meiner Großmutter beibringen. Aber du kannst so viel mehr machen. Ich gehe ans Mikrophon und schreie und singe und springe und tanze und scratche und mixe und cutte wild rum. That's the way I deejay. Man muß sich seine Gedanken machen, wie man die Leute unterhält. Wer das nicht will, soll verdammt noch mal ein Tape auflegen.'



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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