Neal Casal

Berti Vogts des Highway

17.06.1998, 10:46, Text: Autor unbekannt

Der Einstieg ins Business war leicht, was folgte, ungleich schwerer. Für sein Debüt-Album signte ihn Major-Company 'Zoo' und bezahlte eine kostspielige Produktion inklusive Star-Produzent Jim Scott (u. a. COUNTING CROWS). So weit, so gut. Dann folgte der fast schon gewohnte Alptraum aufstrebender Musiker: Das Label vergaß NEAL CASAL. Doch die Wadenbeißermentalität des ewigen Tramps ließ ihn nicht verzweifeln. Heute wiegelt er ab: 'So mir meine Karriere erlaubt, als Musiker weiterzumachen, bin ich ein glücklicher Mensch. Denn ich wurde als Musiker geboren, und ich will als einer sterben.' Das rettende Netz vor dem metertiefen Absturz ins Rock'n'Roll-Niemandsland hieß in seinem Falle 'Glitterhouse', die deutsche Singer/Songwriter-Adresse Numero uno in Beverungen.

Die Leute dort waren sich einig, daß NEAL CASAL im US-amerikanischen Folkrock eine Ausnahmeerscheinung darstellt, und nahmen ihn unter Vertrag.
Sein zweites Album, 'Rain, Wind And Speed', war für CASAL die Rückbesinnung auf seine musikalischen Wurzeln. Ein rein akustisches Werk, fast komplett auf einer Spur live eingespielt. 'Ich wollte größtmögliche Intensität durch extreme Einfachheit. Ein Drahtseilakt, der bei manchen Songs schiefgeht. Aber ich habe dadurch gelernt, mit meinen Fehlern zu leben.' Ein gewagter Ausfallschritt, aber ein gelungener. Eine Hommage an das Songwritertum? 'Vielleicht! Aber ich habe als Gitarrist in einer Rock'n'Roll-Band angefangen. Deshalb gehe ich auch jede Nummer, die ich schreibe, wie ein Rock-Gitarrist an und sehe mich in erster Linie als Rockmusiker.' Es hielt CASAL folglich nicht lang bei den kargen Arrangements. Für das nächste offizielle Album, 'The Sun Rises Here', rückte er wieder mit einer Band ins Studio. Entsprechend seiner Überzeugung als Rocker die richtige Entscheidung. Da, wo die Sonne aufgeht, entblättert sich bei CASAL ein Höchstmaß an Tiefe und Melancholie. Man hört plötzlich Streicher, wo nur Gitarren sind. Ein Phänomen, welches die Rockhistorie bislang nur bei NEIL YOUNG ausmachen konnte. CASAL suhlt sich in optimistischer Monotonie, wie ein Sektkorken auf den Wogen der Zeit. Eine sonnige Reminiszenz an Westcoast-Pop aus besseren Tagen. Der Sound oszilliert um die Seele der Songs: CASALs Stimme. Ein Grund, warum er auf JAMES IHAs Solo-Album mitspielt. Produzent Scott empfahl CASAL dem SMASHING PUMPKIN mit einem einzigen Satz: 'Jim sagte: 'Der Typ kann singen!''



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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