The Delgados

Zwischen Radsport und Pop

15.06.1998, 19:32, Text: Autor unbekannt

Auch wenn es immer wieder im Dienste der Charakterisierung von Interviewsituationen geschrieben wird: Emma Pollock (Gesang) und Paul Savage (Schlagzeug) freuen sich zwar, zum ersten Mal Hamburg zu besuchen - professionelle Promotion aber ist ihre Sache nicht. Obwohl beide spürbar den Willen zur Selbstdarstellung bemühen, dringen die Worte nur sehr leise ins Diktiergerät. Zu dritt lächeln wir über meine Schwierigkeiten mit dem schottischen Akzent - Glamour und Charisma finden woanders statt.
Natürlich korrespondiert eine solche durchaus sympathisch zu nennende Haltung nicht zuletzt mit 'Peloton'. Hier gelingt es, ein niemals saturiertes Feld (Pop) zwischen Verträumtheit und Enthusiasmus zum Blühen zu bringen.

Vielleicht als Konsens-Modell für alternde Zwanziger führt der Weg in eine Art nachdenkliche Unbeschwertheit, die durch Songtexte ihre punktgenaue Unterstützung erfährt. Abwechselnd schwelgen Frauen- und Männerstimme in Ausführungen wie 'I would never really know what to say, till it's been said' oder 'Don't be scared in the morning, just be scared for tonight'. Noch Fragen? Trotz der als Grundstimmung vorherrschenden, sehr natürlich wirkenden Einfachheit kennzeichnet die Songs eine opulente Instrumentierung. Gleichzeitig zeigt sich der Wille zu unkoventionellen Verlaufsformen abseits der gängigen Strophe/Refrain-Schemata. Dabei demonstrieren die DELGADOS ihr Wissen um die Notwendigkeit, aber auch die Gefahren von unvorhergesehenen Richtungsänderungen innerhalb eines vermeintlich unschuldigen Stücks Pop. So wirken die Brüche nie bemüht, inmitten des um Streicher, Klavier oder Klarinette erweiterten Arrangements scheinen sie gleich eleganten Überraschungen zu entstehen: 'Jeder Song sollte verschiedene Ebenen durchlaufen. Die Bewegung in ihm selbst wird wichtig, die Spannungslinie, die er verfolgt. Der Stil wird dadurch konzentrierter, in jedem Fall ambitionierter', kommentiert Emma.
Nicht nur der Titel setzt das bereits vom Debüt 'Domestique' bekannte Spiel mit Radsportausdrücken fort. 'Peleton' beschreibt das große Feld eines Rennens: 'Der Ausdruck unterstellt, daß wir eine Gruppe sind, die sich konstant fortbewegt. Es ist ein schönes Bild.' Ein Modell allerdings, das nicht die Homogenität britischer Popformate unterstützt. Denn die DELGADOS schätzen den Charme stilvoller Songkonzeptionen, aber auch die Romantik SEBADOHs. Hinter der äußerlichen Fassade von Normalität wartet also noch einiges. Und davon kann man ja bekanntlich nie genug bekommen.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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