Laberinto

Mehr als nur Folklore

13.06.1998, 12:03, Text: Autor unbekannt

Eine Ausnahme machen allerdings LABERINTO in fast jeder Hinsicht. '91 traf man sich in einem Studio, in dem hauptsächlich Salsa den Weg aufs Band nimmt. Üblicherweise fand man dort nicht etwa sieben Marshalls für alle Gelegenheiten vor, sondern allerlei Rasseln, Trömmelkes, Cowbells und Trillerpfeifen. Ein lustiges Herumgetolle mit dem Instrumentarium ließ sich nicht vermeiden. Wie es nun mal so ist im Leben: Aus Spaß wurde Ernst. Das Hütchen ging herum, jemand sprach mit der Kreditabteilung der venezuelischen Sparkasse, und '95 war es dann soweit: LABERINTO überreichte der Weltöffentlichkeit die erste, selbst finanzierte und -betitelte CD zur freundlichen Kenntnisnahme.

Die Freundlichkeit kannte ab da keine Grenzen: Italien, Ungarn, Deutschland und die Schweiz ließen sich gern auch live und in Farbe von der wilden Allianz von Gitarrenstrebertum und Latino-Percussion überzeugen. Obzwar sich innerhalb des Bizarre-, Rockpalast- oder Dynamo-Publikums bei den LABERINTO-Gigs die Hoffnung auf Evolution oder gar Revolution eines erloschenen Genres breitgemacht haben dürfte, tut man allerdings gut daran, die Musik der Venezueler mit solchen Erwartungen nicht zu überfrachten. Also was? Die GIPSY KINGS gibt's jetzt auch aus Metall?!
Mitnichten, alldieweil 'Freakeao', der dritte Output der Band, hinlänglich zeigt, auf welch spannendes Abenteuer man sich da eingelassen hat. Die lateinamerikanische Musiktradition ist immerhin eine sehr große mit den unterschiedlichsten Ausprägungen, die völlig anderen (zumal rhythmischen) Organisationsprinzipien unterliegt als westeuropäische Popmusik im weitesten Sinne: Da kollidieren beispielsweise die beiden Claves als formgebendes Raster mit den odd time-Erfordernissen des Progressive Metal. Oder anschaulicher: Allein die Verwendung von timbales im Metal-Kontext stellt ja schon eine nicht unerkleckliche Gratwanderung dar. Und fand extensives Gitarrengenudel jemals schon ein Ende in einer durch die Percussions vorgegebenen brasilianischen Schlußformel? Ich glaube nein. Um es weiterhin mit dem F.A.Z.-Literaturkritiker zu halten: Eine gute Platte ist eine solche, die mich nicht langweilt. [Siehe auch: ( LABERINTO.]



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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