The Dandy Warhols

Pop on drugs

10.06.1998, 22:10, Text: Autor unbekannt

Aufgestanden gegen Mittag, läßt man den Tag ruhig angehen. Man hört 'Wish You Were Here' von PINK FLOYD - einer von mehreren Songs, die Courtney Taylor gern geschrieben hätte. Während er den Tag plant, denkt er voll des unausgeschlafenen, verkaterten Selbstmitleids: 'Niemand will meinen Job. Wenn die anderen Bandmitglieder Songs schreiben wollten, so täten sie es. Ich will meinen Job auch nicht. Ich rauche auch lieber Pot.' Er wirft eine Blick auf seine Uhr, auf der neben der Portland-Zeit auch die in London abzulesen ist. 'Es ist definitiv so, daß wir mit dieser Platte in Europa mehr Erfolg haben werden. In Amerika unterstützt man Bands, die Musik machen für 14jährige Jungs, die ihre Eltern hassen.

Komplett etablierte Genres für den Radiogebrauch. No brainer!' Während des Frühstücks in den eigenen vier Wänden hört Courtney 'Sister Golden Hair' von AMERICA - trotz seiner Vorliebe für Europa. 'Bezogen auf Sex, ist Europa Amerika um Lichtjahre voraus. Und das ist der Grund, warum es in Europa besser für uns läuft. Unsere Platte ist sexy, die ganze Band ist sexy. Es geht auf 'Come Down' um Sex.' Den Weg zum Café bewältigt Courtney manchmal auch mit dem Auto, weil er es mag, die Straße zu spüren. Befragt, mit welchem Auto er die Musik der DANDY WARHOLS vergleichen würde, antwortet er: 'Es ist ein älteres Auto aus den 60er Jahren. So halb zwischen Innovation und der heutigen Idee von Auto. Vielleicht so ein Bus, wie ihn die Hippies hatten. Mit Vorhängen davor und Blumen drauf gemalt. Innen schön gepolstert und bequem, insgesamt sehr funktional. Auf dem Dach allerdings 'trappings of decadence'. So ist unsere Musik.' Den gesamten weiteren Tag verbringt Courtney damit, alle Freunde davon zu überzeugen, daß es erstrebenswert sei, so cool zu sein wie Kim Deal: 'Jeder möchte so cool sein wie Kim Deal. Sie ist einfach sie selbst, und obwohl in ihrer Karriere einiges falsch gelaufen ist, blieb sie sich immer treu. Das streben wir auch an.' Auf der Fahrt zum Video-Shop, wo Courtney 'Die Reifeprüfung' und 'Boogie Nights' ausleiht, läuft 'Hungry Wolf' von X, danach 'Wicked Games' von CHRIS ISAAK - beides Songs, die er ebenfalls gern selbst geschrieben hätte.
Nach dem Gespräch sitze ich in der Kölner Sonne im Biergarten des Underground. Und so, wie sich in diesem Artikel Fiktion und Realität vermischen, ist das Album ein bewußtseinserweiternder psychedelischer Poptrip. Einmal Europa und zurück. Oder - wie Herr Taylor selbst sagt - 'Pop on drugs'.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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