T.V. Smith

Protest Singer

10.06.1998, 22:10, Text: Autor unbekannt

Trotz aller Bitterkeit in den Lyrics ist 'Generation Y' ein überraschend poppiges Album. Auch hier der CHUMBAWAMBA-Weg, um Anarchie via Hitparaden ins Wohnzimmer zu tragen? 'Schön wär's. Das ist auch einer der Gründe, warum ich zum TOTEN HOSEN-Label 'J.K.P.' gegangen bin. Die kümmern sich. Wir überlegen, den Titeltrack als Single auszukoppeln.' Sicher keine schlechte Idee, denn neben einer griffigen Melodie verkörpert der Song auch das Thema der Platte: Die Generation nach 'X' stellt die Frage (Y = WHY?), warum es so hat kommen müssen. Es geht um die Entfremdung dieser Generation, die scheinbar zu nichts und niemandem gehört, um die sich niemand kümmert, es geht um Vereinsamung.

'Ein Licht ging mir auf, als ich realisierte, daß mich die Werbung gar nicht mehr als Zielgruppe aufgreift. Für die existiert unsere Altersgruppe eigentlich gar nicht - nur die Jugend zählt. Zunächst war ich besorgt, von wegen älter werden und so. Dann dachte ich mir, daß es fantastisch ist, nicht mehr manipuliert zu werden - eine Befreiung sozusagen. Eigentlich kommt es gar nicht darauf an, ob sich die Regierung oder das Establishment für dich interessiert, wichtiger ist es, einen Sinn für Integrität und Selbstwertgefühl basierend auf der eigenen Person zu finden.' Fragt sich nur: Folgt auf die Generation Y unmittelbar die Generation Z als letztes Glied in der Kette? 'Zwangsläufig ja. Aber wer weiß, wie sie sein wird? Ich würde mir nach dieser Apathiewelle so etwas wie eine - positive - Generation der Überlebenden wünschen. Das kann aber nur klappen, wenn man sich gewisse Fähigkeiten erwirbt ...'
SMITHs Messages sind aufrichtig, aber auch ein wenig wahllos: Zum einen verlangt er Initiative und Selbstwertgefühl, dann aber ruft er nach starken Führern ('Strong Horse'), die die Sache richten. Auch er kann sich von den widersprüchlichen Zwängen unserer Zeit nicht freimachen, kann sie aber, da er nicht vorgibt, den Stein der Weisen gefunden zu haben, letztlich wieder anprangern. SMITH ist und bleibt ein klassischer Protest-Sänger.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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