Stephen Duffy
With a little help from his friends
05.06.1998, 12:28, Text: Autor unbekannt
DUFFY ist ein Mann, der sich gern erinnert. Autobiographische Stücke, die sein Leben reflektieren, finden sich auf all seinen Alben. Überhaupt wissen letztere von seinem Entwicklungsprozeß zu berichten: vom staunenden Vorstadtkid zum erfahrungsgebeutelten Realisten hart an der Grenze zum Zynismus. Von der Presse gelobt, beim Mann auf der Straße weitestgehend unbekannt, wurschtelt er sich so durch. Der Tiefpunkt kam auf der Tour zur letzten Platte, als der Künstler auf den Plakaten fälschlicherweise als 'IVY' angekündigt wurde. Es folgte eine Phase, in der er - nach eigenen Angaben - viel trank und musikalisch nichts zustande brachte. Schließlich begann er von vorne und präsentiert mit 'I Love My Friends' nun ein Album, welches die Dinge nüchterner analysiert und mit größerer Distanz betrachtet.
'17' beispielsweise verarbeitet exakt das gleiche Thema wie 'London Girls' vom Vorgängeralbum, mit dem feinen Unterschied, daß DUFFY inzwischen nicht mehr als Ich-Erzähler, sondern in der dritten Person agiert. 'So habe ich das noch gar nicht gesehen, aber ja: Das ist der Unterschied. Ich würde allerdings nicht sagen, daß ich die Sachen distanzierter betrachte als früher, eher noch mit größerer Anteilnahme. Ich bin zu der Einsicht gelangt, daß man die Dinge einfach akzeptieren muß, wie sie sind, und sich nicht vormachen darf, sie seien nie passiert. In dem Sinne sind meine ersten Alben vielleicht nicht so ehrlich wie das jetzige. Später flüchtete ich mich dann in Poesie und obskure Texte. Ich denke, daß das neue Album für mich eine Möglichkeit ist, Dinge klarzustellen.' Eine Art Resümee. Als nächstes Projekt steht ein Album mit seiner alten Band LILAC TIME an. 'Ich habe jetzt als DUFFY diese ganzen Kollaborationen gemacht: mit Nigel Kennedy, Mitch Easter, Justin Welsh von ELASTICA etc. Es mag sich zwar seltsam anhören, aber die LILAC TIME-Sachen waren irgendwie persönlicher. Ich werde das nächste Album auch selbst produzieren und engineeren. So wird LILAC TIME mehr von mir selbst darstellen als meine 'Solo-Platten'.' Das ist in der Tat seltsam, machte STEPHEN DUFFY doch bisher eher den Eindruck des verbissenen Einzelkämpfers - zumal er seine Songs stets ganz alleine schreibt. 'Ich würde schon mal gerne mit jemand anderem schreiben, aber ich gebe ungern die Texte aus der Hand. Sicherlich wäre es auf eine Weise ganz nett, mal nicht sein Innerstes nach außen kehren zu müssen, aber andererseits habe ich dann immer doch den Drang, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.'
Musikalisch ist 'Friends' eine elegante Mischung aus DUFFYs Popsongs und dem persönlichen, lyrischen Ton, den er auf dem nächsten Album anzustreben scheint. Herausragend sind einige akustische Balladen mit interessanten Streichersätzen. Doch möchte er dies nicht überbewertet sehen, sondern als logische Entwicklung. Überhaupt ist DUFFY nicht angetan von der Idee, ihn als Vorreiter von BritPop zu betrachten. Auf die Anmerkung, er sei seiner Zeit irgendwie immer voraus gewesen, antwortet er: 'Voraus, hinterher, darüber, darunter. Ich denke, ich war einfach immer da. Der Unterschied ist der, daß ich im Gegensatz zu vielen anderen einfach nicht aufgegeben habe.' Dabei ist er nicht verbittert, eher schon versöhnlich gestimmt. Folgerichtig spiegelt der Albumtitel 'I Love My Friends' denn auch seinen gegenwärtigen Erkenntnisstand wider: Man sollte mehr auf Freunde hören. Wünschen wir DUFFY also, daß er künftig mehr richtige Freunde findet - und den einen oder anderen zufälligen Hit.
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