Lo Fidelity Allstars

Die Stil-Mischmaschine

03.06.1998, 22:52, Text: Autor unbekannt

Für die LO FIDELITY ALLSTARS dagegen ist es am Ende des Tages irgendwie doch Rock'n'Roll, wenn man dem kolportierten Ausspruch von Sänger, Lyricist und Art-Worker Dave Glauben schenken darf. Selbst Scratcher und Elektro-Experte Phil bringt das vielgeschmähte Wort in breitem Nordenglisch über die Lippen: 'Unsere Live-Shows haben definitiv Rock'n'Roll-Energie, denn sie sind sehr intensiv, rauh und reichlich chaotisch. Mit Live-Drums und Computer-Beats, mit echtem Bass und Sequencer, mit Turntables und Keyboards erzeugen wir eine extrem wilde Mischung auf der Bühne.' Dieses ausgewogene Mixverhältnis dürfte auch dafür verantwortlich sein, daß sich die ALLSTARS verbal wie musikalisch über Schubladen hinweg zwischen alle Stühle setzen können.

Dabei bleiben sie aber bescheiden genug, für sich nicht in Anspruch zu nehmen, den Pop neu erfunden zu haben. Das ist obendrein bewundernswert, weil die britische Presse natürlich genau dies lautstark behauptet, seit die ALLSTARS ihre ersten Singles rausgebracht und dafür den Newcomer-Preis bei den 'NME Brat Awards' eingesackt haben. Da ist der Einstieg des Albums 'How To Operate With A Blown Mind' auf Platz 15 der britischen Album-Charts eigentlich nur noch die logische Konsequenz. Dabei sind die ALLSTARS beileibe nicht die einzige Band, die sich um den Einriß von Genregrenzen bemüht. Aber die Art, in der sie Zitate und Stilelemente in ihr Soundbild integrieren, ist frisch und hält viele Überraschungen bereit. Meint man beispielsweise, in einem Break den Basslauf von 'Whole Lotta Love' zu hören, so ändert sich der Eindruck schlagartig, sobald der Beat wieder einsetzt. Selbst der Ausflug in die Weiten des Schweinerock ist amüsant, denn die ALLSTARS klingen dabei, als hätten PINK FLOYD ihre Trips auf Schmirgelpapier zu sich genommen. Im Vordergrund aber stehen tanzbare Grooves, die von TripHop bis House reichen und sich gern in Funk-Nähe aufhalten. Es ist die Arbeitsweise als Band, die diese stilistischen Quantensprünge hervorbringt, wie Phil bestätigt: 'Wir fangen meist mit einem Beat, einem Sample und dem Computerarrangement an, um die Stimmung des Tracks zu charakterisieren. Aber wenn dann jeder seine Sachen beisteuert, kann sich alles wieder ändern. Zum Beispiel schreiben wir einen Minimal-House-Track, über den Andy plötzlich eine völlig verrückte BOOTSY COLLINS-Basslinie spielt. Und schon haben wir uns von der anfänglichen Richtung komplett entfernt.' Produziert hat die Band das Album innerhalb von knapp fünf Monaten in Phils Homestudio in Brighton, das Phil schmunzelnd 'London by the sea' nennt. Die entspannte Stimmung der Stadt scheint sich auf die ALLSTARS übertragen zu haben, die in dem Gewirr von Meinungen und Ideen eine einfache Methode entwickelten, um sich von der Qualität jedes Tracks zu überzeugen. 'Du kannst es immer an den Gesichtern ablesen', erklärt Phil. 'Wir setzen uns hin und hören die Songs tierisch laut an. Wenn alle grinsen und niemand besorgt aus der Wäsche schaut, ist alles klar.'



Artikel kommentieren
aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 
Anzeige
 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Gruppen


The Office, Extras und so: Die Ricky Gervais Gruppe

The Office, Extras und so: Die Ricky Gervais Gruppe

The man behind the decade's best Britcoms.

» Mehr Gruppen