The Continental Drifters

Familienfest

03.06.1998, 12:55, Text: Autor unbekannt

Über die Jahre als eine Art Ersatz-Supergroup entstanden, machten die DRIFTERS mit Mitgliedern der BANGLES, DBs und vom DREAM SYNDICATE schnell von sich reden und fanden immer Begeisterte, die den Kollektivgedanken musikalisch unterstützten. Warum es mit einem Plattenvertrag in den USA bisher nicht klappte (in Europa bei 'Blue Rose'), gehört zu jenen Rätseln, die das Rockbiz so unterhaltsam machen. Heute strebt 'America's best unsigned band' den Geist etwa von FLEETWOOD MAC an. Es gehe darum, so Sängerin Vicky Peterson, verschiedene musikalische Strömungen zu integrieren und trotzdem als Band zu funktionieren. 'Wie das klappt, können wir uns auch nicht so richtig erklären, wir haben so viele unterschiedliche Songwriter, daß es mich selbst wundert, wie natürlich unser Sound ist.' Sicher hat das auch mit dem intensiven Touren der Band zu tun, gerne erinnern wir uns an die grandiosen Shows vor drei Jahren.

Einige der Songs von damals waren so gut, daß sie es sogar bis aufs aktuelle Album schafften. Was natürlich auch daran liegt, daß die DRIFTERS zeitlose Musik machen.
'Vermilion' klingt wesentlich kompakter und druckvoller als das Debüt. 'Das war damals ein Schnellschuß', erläutert Vicky, 'daher auch die vielen Cover-Versionen. Dieses Album ist sehr viel mehr wir selbst.' Ein facettenreiches Werk, das souverän die ganze Bandbreite der vorhandenen Möglichkeiten abdeckt. Dabei spielt es keine Rolle, wer nun gerade was tut: 'Es gibt kaum einen Track, auf dem nicht wenigstens drei Vocals zu hören sind - egal, von wem er ist. Es geht nun wirklich nicht ums Ego, sondern um den Song.' Folgerichtig ist Russ Brussard, ein ehemaliger Zydeco-Musiker, an die Stelle von Bandgründer und Drummer Carlo Nuccio getreten. Während Vicky diplomatisch von 'musikalischen Differenzen' spricht, erzählt DRIFTERS-Intimus Steve Wynn (dessen ehemalige Musiker Mark Walton und Robert Maché inzwischen in der Band spielen), er sei ihnen einfach auf den Keks gegangen. Für spinnerte Exzentriker ist im geordneten Familienbetrieb kein Platz mehr. 'Wir haben tatsächlich diese Familienabende, wo alle zusammen jammen.' Susan Cowsill und Peter Holsapple sind miteinander verheiratet, und auch die anderen haben Familie - da kann die musikalische Kommune auf allen Ebenen ausgelebt werden. 'Auf Peter Holsapples 'Don't Do What I Did' z. B. hörst du die ganzen Kids und Ehefrauen Tamburin spielen.' Auch wenn sich die Musiker mit Gastauftritten bei anderen Bands, lukrativen Support-Gigs, Studio-Arbeit und Nebenprojekten wie Susans und Vickys PSYCHO SISTERS das Brot verdienen müssen, die Hoffung auf einen Major-Deal ist nicht ausgeträumt: 'Ich möchte die Band ihrem Status entsprechend repräsentiert sehen und bin zuversichtlich, daß wir unsere Platte bald auch hier rausbringen', bestätigt Vicky zweckoptimistisch. 'Zunächst werden wir 'Vermilion' aber live in Europa vorstellen.' Sicher wieder ein großes Familienfest.



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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