His name is alive

Cut'n'Paste

02.06.1998, 19:23, Text: Autor unbekannt

Es ist schon toll, wie eine Band trotz des offensichtlichen Fehlens eines Konzeptes so lange bestehen, geschweige denn solch eine bescheidene Popularität erlangen kann, wie sie HNIA in den USA augenscheinlich genießen. Seit fast zehn Jahren werkelt Warren nun schon im Keller seines Elternhauses in Livonia, Michigan, baut kleine kratzige 4-Spur-Tapes zusammen und verfeinert solchermaßen etwas, das man vielleicht den HNIA-Stil der kleinen Dinge nennen könnte: einfache, fast kindliche Melodiefragmente und Songfetzen auf Gitarren und Orgeln, die mit anderem detailverliebtem Zeug zu chaotisch-witzigen Stil-Mixturen vernetzt werden. Dub, R&B und Gospel, die glorreichen 70er, BEACH BOYS und WOODY GUTHRIE, all das findet seinen Platz im Mikrokosmos von HIS NAME IS ALIVE.
'Fort Lake' bleibt all dem treu und befindet sich damit zur Zeit in guter Gesellschaft mit Künstlern wie BECK oder CORNELIUS.

Und doch ist der Sound im Gegensatz zum Vorgängeralbum ein wenig rockiger. Was damit zu tun haben könnte, daß Warren nicht mehr als alleiniger Songwriter verantwortlich zeichnet: 'Diesmal haben wir alle Songs als Band geschrieben. Ich bin im Moment mehr an Sachen wie Vibe und Feeling interessiert, wie man es hinbekommt, verschiedenste Leute in eine Arbeit zu integrieren. Unser Bassist Chad Gilchrist hat die Hälfte der Songs geschrieben, außerdem haben wir neben Karin noch eine zweite Sängerin, Lovetta Pippen, die mit ihrer tollen Gospel-Stimme bei dem Chor auf 'Stars On E.S.P.' mitgesungen hat.' Regionalismus - ein weiterer Tick von Warren, der am liebsten mit Musikern aus seiner Heimatstadt zusammenarbeitet. Der neue Engineer Steve King beispielsweise, ein Spezialist für R&B-Gruppen und Leiter besagten Gospelchores auf 'Stars On E.S.P.', kommt aus Livonia. Inzwischen dehnen HNIA ihre Aktivitäten aber sogar aus, auf das fünfzehn Autominuten entfernte (!) Detroit, wo sie im 'Gold Dollar' monatliche Live-Jams und Underground-Filmnächte veranstalten. Selbst im Albumtitel spielen regionale Geschichten eine Rolle: 'Der Titel bezieht sich auf ein altes Bürgerkriegsfort hier in der Gegend, das im Laufe der Jahre in den umgebenden See abgesunken ist. Jetzt überlegt man, ob man es als Geschichtsdenkmal heben soll. So kommt mir auch das Album vor: auf der einen Seite ein ziemlich schwerfälliges Ding, fast wie die Titanic, auf der anderen Seite eine echte Fundgrube für alle, die gerne in der Geschichte graben.'



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aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
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