Towa Tei

Museum des 21. Jahrhunderts

01.06.1998, 22:49, Text: Autor unbekannt

'In der Zeit bei DEEE-LITE ist mir klar geworden, was ich persönlich will. Zwar waren wir eine demokratische Band, jeder konnte Ideen einbringen, aber man mußte auch Kompromisse eingehen, und dabei blieb der subjektive Geschmack leider oftmals auf der Strecke.' Aus dieser Erfahrung zog der von Koreanern abstammende Japaner nach der Trennung vor vier Jahren seine Konsequenzen: Völlig eigentverantwortlich experimentiert er seitdem an seiner cross cultural music. Für sein momentanes Großprojekt aber, die opulente Ausgestaltung von zehn Klangräumen, holte er sich hochkarätige Schützenhilfe aus aller Welt.
Willkommen im just eröffneten 'Sound Museum'! Gleich am Eingang empfängt uns der amerikanische Beatnik KEN NORDINE, der vor etwa 40 Jahren einige WordJazz-Alben aufnahm und zuletzt kurioserweise nur noch in Levi's Commercials zu hören war, mit seiner einschmeichelnden Stimme, begleitet von fetten Bläsersätzen und exotischen Marimbaklängen.

Dann öffnet sich eine große Flügeltür zur weit ausladenden R&B-Halle. Hier säuseln uns BAHAMADIA und VIV im souligen Gewand verführerische Worte ins Ohr, dazu rollen fröhlich poppige TripHop-Perlen übers Parkett. 'BMT' und 'Corridor' featuren mit elektronischer Perkussion, klassischem Scratching und aparten Breakbeats die HipHop-School von BIZ MARKIE, MOS DEF und BOOGIE BROWN. Weiter geht's zur bunt schillernden 80s Hommage, wo wir auf frühe House-, Latin- und Mantronix-Zitate treffen, gesanglich verfeinert durch das internationale Trio YAVAHN, AKIKO YANO und (Joaos Tochter) BEBEL GILBERTO. Im nächsten Raum erwartet uns das wohl funkelndste Objekt der Begierde: 'GBI' (German Bold Italic), das Konzept einer neuen Schrift, ins Bild gesetzt von Ex-YMO-Techno-Pionier HARUOMI HOSONO und Popsternchen KYLIE MINOGUE. International geht es in den drei letzten Sälen zu: Sitar im Verbund mit italienischer Sprache macht aus Tamil und Milano 'Tamilano'; Hall & Oates-Schwüle, Bossa Nova und zarte Strings öffnen sich zu den 'Private Eyes', um letztendlich bei 'Everything We Do Is Music' an einem zehnminütigen Crash-Sprachkurs für Italienisch, Französisch, Deutsch, Portugiesisch und Japanisch teilzunehmen. Bevor der geneigte Besucher das Gebäude sowieso schon zufrieden verläßt, erhält er am Museums-Ausgang noch ein opulentes Präsent: die Bonus-CD 'Stupid Fresh' mit sieben Remixen der internationalen Dekonstruktions-Guerilla um die Drum'n'Basser DJ DIE, KRUST und DREAM TEAM, den Techno-Guru HOSONO, die Latin-Electro-Queen LISA CARBON sowie das japanische Ambient-Projekt PACIFIC 231.
All das symbolisiert Feinsinn und Weltoffenheit - selbstverständliche Tugenden für den Tokioter Magier: 'Ich habe immer mit Menschen aus verschiedensten Kulturen gearbeitet. Das prägt, und so wird man ganz selbstverständlich zum Weltbürger.' TOWA TEI bietet mit seinem bereits 1996 in Tokio und New York - nicht nur für Club-People - produzierten dritten Album wiederum wundervoll abwechslungsreiche Musik quer durch die Stile, die sich so in noch keinem Archiv befindet. 'Sound Museum' ist zum Hören für Jetzt und definitv auch im nächsten Jahrhundert.



Artikel kommentieren
aus Intro #56 (Juli / August 1998)
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Autor unbekannt
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
  • MEIST GEKLICKT

  •  
 

Platten vor Gericht: Highlights

Platten vor Gericht: Highlights

Die wichtigsten Alben des Monats - und die härteste Jury der Welt. Jetzt mitmachen! [...mehr].

 

INTRO-TV

K.I.Z. schauen fern - Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang

K.I.Z. schauen fern

Videocheck beim splash: Von Klaus Kinski bis Fritz Lang
... mehr

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.