Girls Against Boys

Conscious Rock-Frisur

05.05.1998, 13:36, Text: Autor unbekannt

Momentan bereisen GVSB das Land um gut auszusehen und ihre erste Industrie-Platte zu promoten. Ja, das gibt es noch. Gitarrenband mit intensivem Indie-Spirit macht den Schritt. Ein Thema, was hundert Jahre nach NIRVANA auch von den stiernackigsten Indie Vertretern längst pragmatisch- entspannt betrachtet wird, auch ist es so ausgelutscht und immer wieder gleich - ja, wir haben totale inhaltliche Freiheit, alles ist gleich nur etwas mehr Sicherheit; kurzum: es könne nicht besser sein.
Johnny Temple, Bassist dieser merkwürdigen Band, gehört von daher zu den wenigen Menschen, die immer noch - oder schon wieder - mit ihrem Major hadern. 'Wir haben einen Haufen Platten auf Touch & Go und anderen Indies ´rausgebracht, wo die Erwartungen bescheiden und realistisch waren.

Wenn du zu einem großen Label gehst, wirst du fast immer mit unrealistischen Erwartungen konfrontiert, weil jede Platte, die sie ´rausbringen, ein Hit sein soll. Die Zusammenarbeit ist gut und wir sind zufrieden, aber wir müssen unsere Erwartungen und Ansprüche von denen des Labels getrennt halten. Wir sind sehr glücklich über unsere neue Platte und das ist alles, worum es geht. Danach geht es um energetische, chaotische Live-Auftritte, und solange wir unser Publikum behalten und vielleicht ein paar neue Leute hinzugewinnen, ist alles prima.' Wie so viele New York-Rocker haben auch GVSB ihre Wurzeln in Washington. SOULSIDE, aus denen die Hälfte der Band hervorgeht, haben auf Dischord veröffentlicht und insbesondere Johnny war in 'Positive Force' involviert, jene Organisation, die landesweite Benefiz-Veranstaltungen organisiert hat. GVSB ist dagegen keine Fläche für politische Statements.
'Von uns Vieren bin ich auf jeden Fall die politischste Stimme. Aber das ist okay, ich bin auch nicht der Ansicht, daß alle Musik eine explizite Politizität haben muß. Was dagegen bei jeder Band vorhanden sein sollte, ist das Bewußtsein, wie sie ihren Business betreiben und mit wem. Meine politische Arbeit mache ich aber neben der Band.' Denn GVSB soll sexy sein und das ist Politik nunmal nur in den seltensten Fällen. Auch wenn Johnny betont, daß Politik und Musik sehr gut zusammengehen können: FUGAZI gehören immer noch zu seinen liebsten Bands und machen einen guten Job. Politische Ansichten ausdrücken, aber nicht zu platt. 'Aber es gibt auch einen Haufen Bands, die predigen, das ist nicht nur nicht sexy, zudem ist die Musik auch in den meisten Fällen nicht gut.' Ansonsten wird alles intensiv ausdiskutiert, und die meisten der vielen Support-Angebote zweifelhafter Großkünstler werden ausgeschlagen. 'Ich meine, wenn uns eine Band wie PEARL JAM einlädt....wobei die ein schlechtes Beispiel sind, weil sie durchaus politisch aktiv sind...aber andere Bands dieser Größenordnung, das interessiert uns einfach nicht. Wir sind einfach schon etwas länger dabei. Klar, am Anfang träumt jede Band davon, in Stadien zu spielen, aber du erkennst bald, daß es nicht nur deiner Karriere wahrscheinlich nichts bringt, sondern daß du möglicherweise mit diesen Leuten nicht die Bühne teilen möchtest.'
Wobei Eli Janneys Auswahlkriterien wahrscheinlich ganz andere sind. Der leicht ölige Keyboarder und Vokalist steht für die engen Hemden und slicken Frisuren der Band. Aber sie sind nunmal eine Band und machen viele Interviews und Foto-Shootings 'und natürlich hilft es uns. Es ist auch nicht so, daß es mir egal wäre, klar machst du dir Gedanken, wenn du fotografiert wirst. Es macht mir aber nicht wirklich Spaß.'
Da pflegt Johnny lieber seine alten Werte aus der Dischord-Zeit, experimentiert mit NEW WET KOJAK weiterhin auf Touch & Go und hat auch seine eigene kleine Firma, eine Mischung aus Label und Buch-Verlag gegründet. Damit Kultur da gefördert wird, wo sie entsteht. Und nicht nur er sieht eine Bewegung zurück in diese Richtung. 'Als Alternative Rock populär wurde, haben die Bands mit Major-Deals sehr viel Aufmerksamkeit von der Indie-Szene weggezogen. Aber das ändert sich wieder.'



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aus Intro #55 (Juni 1998)
 
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