TIM ISFORT ORCHESTER
Laß' Herz dein Pilot sein
29.09.1997, 20:29, Text: Autor unbekannt
Er hat in der Lehre ebensowenig seine Erfüllung gefunden wie an der Uni. Musik ist schon lang sein Steckenpferd. Aufgewachsen zwischen Schlager und THE WHO, fühlt sich der gelernte Basser weder als Soulbassist noch als Jazzer, als Tanzmucker oder Rocker richtig wohl. \"Eigentlich gab es keine echte Leidenschaft\", sagt er. Doch bei der Entdeckung von MILES DAVIS, GIL EVANS und HENRY MANCINI flammt plötzlich die Begeisterung für orchestrale Sounds auf. Schon während der frühen Schülerbands reift der Wunsch, eines Tages im großen Komponistenstil den Stoff für Filmmusiken zusammenzusetzen. Der Reiz: \"Mir gefällt es, der Typ hinter den Sachen zu sein.
Durch vielseitige musikalische Initiation gereift, beschließt ISFORT, den Traum vom eigenen Orchester zumindest auf dem Papier in die Tat umzusetzen. Er beginnt am Klavier seine Arrangements auf der Partitur zu entwickeln. Minutiös schreibt er nun Note für Note die Parts der unterschiedlichen Instrumente nieder. \"Ich hätte die Arbeit auch den Computer machen lassen können, doch das verändert die Musik. Nun ist das Ergebnis eigenständiger, weil der Mensch ständig aufpassen muß, keine Fehler zu machen.\" Welche Tiefe dieser Versuch in sich birgt, erkennt der Komponist erst, als eine große Besetzung von der städtischen Musikhochschule die Partituren intoniert. Duisburg-Szenelöwe Tom Liwa ist hin und weg, schließt den Kontakt zum Hamburger \"Moll\"-Label und assoziiert erstmals Texte auf die ausstaffierten Playbacks. Mit dem Firmenkontakt beginnt die Suche nach adäquaten Stimmen. Das gelungene Fundament soll den Schliff zur Unverwechselbarkeit erhalten. Daß Plattenboss Jan Szlovak dabei sogar VAN MORRISON als mögliche Alternative an die Strippe holt, zeigt den Stellenwert von TIM ISFORTs ORCHESTER. Wen wundert's, daß Bargeld es letztlich vorzieht, eigene Worte für die von ihm gesungenen Songs zu suchen. Das Wagnis, die vollmundige Cooljazz-Klammer durch Charakterstimmen zum atmosphärischen Orgamus zu treiben, geht auf. Was problemlos hätte zur operettenhaften Popfarce werden können, ist nun eine Neudefinition: die Schnittmenge aus Beatnik-Bop, Film Noir und Dämmerromantik. Christian Brückner kratzt die Intention wörtlich in den Äther: \"Irgendwie muß dieses Lied fertig werden, bevor es draußen hell wird.\"
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