GREEN DAY
A Drought At The Fountain Of Youth
21.09.1997, 19:15, Text: Autor unbekannt
Bassist Mike ranzt los: \"Du kennst es nicht? Nicht einmal die Single? Du solltest sie kennen!\" - Hilft ja nu auch nix. Wie isses denn so, das Werk? - \"Anders als früher. Ein reines Rock'n'Roll-Album. Nach 'Dookie' mußten wir etwas anderes machen, ein richtig hartes Album, 'Insomnia'. Nun mußten wir wieder alles anders machen: Jetzt rockt es wirklich, es gibt auch ganz ungewöhnliche, jazzige Teile; viel hat sich verändert, es ist aber auch ein typisches GREEN DAY-Album. Musik und Texte bilden eine Einheit.\" - Wirhabenunsweiterentwickeltundsindunstreugebliebendasneuealbumhatfürjedenwas? - \"Glaub' es oder nicht, wir haben uns alle an den Instrumenten weiterentwickelt, und das zeigen wir.
So richtig kommen wir nicht weiter. Wie steht es denn um die Sechziger-Einflüsse, die auf \"Dookie\" präsentest erschienen? Britischer Sixties-Rock auf der Suche nach Singalongs geht ihnen gut rein, wohingegen sie es mit den aktuellen Possenreißern aus dem Vereinigten Königreich nicht so halten: \"Das ist auf Dauer langweilig, die versuchen doch alle nur nachzuspielen. So 'ne Art Reinkarnation der BEATLES.\" - Nun, dazu wären aber doch noch einige bedauernswerte Ableben nötig. - \"Hör' dir JULIAN LENNON an, der ist viel besser, als sein Alter jemals war. Ich liebe JULIAN LENNON.\" Ich offenbare, den gerade nicht auf der Pfanne zu haben, Mike gesteht wiederum, ziemlich viel Rhythm&Blues zu spielen, auch so'n bißchen was Jazzmäßiges. Überhaupt haben sie alle ihre Nebenprojekte zum Jammen, Sänger BJ produziert lokale Bands.
Bei wegelang fällt mir ein, daß GREEN DAY Silvester 1991 bei uns im Göttinger Juzi hätten spielen sollen. \"Wir waren da. Wir waren in Deutschland auf Tour. Aber dann ist unser Bus in Karlsruhe in Flammen aufgegangen.\" Nun kommt Mike in Fahrt. Ob ich denn THE NOTWIST kennen würde, sie hätten gerade deren neue (?) Platte gehört, das sei 'ne gute Band. Zweifelsohne. Überhaupt seien sie der Ansicht, daß man viel mehr einheimische (sprich: deutsche) Bands hören sollte, statt immer den Trend aus den USA (gute Jungs ...). Deutsche Bands? Die leider verblichenen MUTANT GODS und andere Knüppelcombos sollten einst einen GREEN DAY-Cover-Sampler einspielen. Mal was von diesem Projekt gehört? \"Nee. Ist vielleicht aber auch besser, daß daraus nichts geworden ist.\"
Der Ball rollt, Fragen hab' ich keine mehr, aber da mir beim Hören so manch eines GREEN DAY-Songs mit Blick auf Stil und Melodik die DESCENDENTS einfallen und diese Vorläufer des Melodycore ohnehin gerade in begrüßenswerter Weise reunieren, einfach mal reinhalten: \"Die haben einige gute Stücke\", kommt es reserviert. Einige? \"Was sie früher gemacht haben, ging ja, jetzt kochen sie nur noch ab.\"
Der Mensch lebt nicht von Brot allein, und auch der Musiker wird nach Verlassen seines Elfenbeinturms immer wieder auf unerfreuliche Erscheinungen verwiesen, die mehr oder minder florierende Marktwirtschaften im Rahmen der allgemeinen Lebensbedingungen anrichten; in den USA zählt dazu momentan ein sogenanntes \"Jobwunder\", welches vor allem Tätigkeiten mit sich bringt, deren Ertrag auch nicht im entferntesten darauf berechnet ist, daß irgend jemand damit über die Runden kommen muß. Was lehrt uns das? \"Wir sind weder pro noch contra Amerika. Wir machen unser Ding und versuchen damit über die Runden zu kommen. Der Rest interessiert uns eigentlich nicht besonders. Dieses Land ist nun mal politisch rückständig.\" Auch dieses.
Tage später rauschen mir die Texte ins Haus, und denen verdankt sich die Überschrift, da sich inmitten der Trockenheit gerne mit vergangenen, goldenen Tagen der Jugend befaßt wird. So eine Art faustisches Prinzip. Vielleicht ist der alte Schwung ja doch noch nicht ganz hin.
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