TERRORGRUPPE
Humor ist, wenn man trotzdem lacht
20.09.1997, 21:59, Text: Autor unbekannt
Dieser Dialog zwischen den Band-Mitgliedern MC Motherfucker und Hermann von Hinten sei dem folgenden Artikel vor allem deshalb vorangestellt, weil ich ihn bezüglich der Auseinandersetzung des Punkrock-Kollektivs TERRORGRUPPE mit dem Erlebten, wie es sich auch in ihren Texten und Auftritten darstellt, für exemplarisch halte: eine gewisse kritische Distanz, gepaart mit dem - durch wohlfeil dosierte Prisen Selbstironie gülden gerahmten - Griff nach dem angebotenen Fettnapf. Eine Hypothese, die hiermit einfach einmal aufgestellt sei - die im Gespräch mit den Kreuzbergern allerdings gar nicht auf den Tisch kam und mir gegenüber somit seitens der Zitierten weder bestätigt noch widerlegt wurde -, die für meiner einer allerdings steht für Humor, wie er sein sollte, will meinen, eine nicht ausschließlich Bauch-reduzierte, aber eben erst einmal auf diesen abzielende Belustigung allererster Kajüte, die immer auch einen mehr oder weniger expliziten Ansatz zum Nachdenken beinhaltet.
Man stelle sich mal die Auswirkungen dieser Ansage im Idealfall vor: Aufdringliche Bausparrock-Profi-Entertainer Marke FURY stürmen, das Publikum von vornherein fest in ihrer Hand wähnend, die Bühne mit erwähnter Standard-Frage auf den Lippen und werden daraufhin aus vierzigtausend Kehlen mit einem freudigen \"Fick dich, du Arschloch!\" begrüßt. DAS ist LUSTIG! Und außerdem ... bzw. und zwar weil, entlarvend. Jawohl.
Und warum dieser fragwürdige Exkurs zu Beginn eines Artikels über eine deutschsprachige Punkrockband? - Um ein für alle Mal klarzumachen, daß die Berliner mit der Schenkelklopferei irgendwelcher Achtziger-Humtata-\"Punker\" und deren Epigonen rein gar nichts zu tun haben. Hier steht melodieseliger Punkrock in bester Westküstentradition, gepaart mit treffsicherem Witz, gegen die WILDECKER HERZBUBEN in der Dreiakkord-Variante auf MIKE KRÜGER-Niveau ..., schließen wir also deshalb den Begriff \"Funpunk\" aus den folgenden Zeilen aus, denn er hat dort nichts zu suchen.
Die TERRORGRUPPE besitzt also in der Landschaft Punkrockschaffender heimischen Idioms durchaus einen kaum zu verleugnenden Ausnahmestatus, der es ihnen aber oftmals eher schwer als einfach macht. Den politisch korrekten Damen und Herren von der Basis sind sie dank stetiger Provokationen auch in ihre Richtung ein Dorn im Auge, für die Sauf- und Gröl-Fraktion, wie sie sich z. B. der Düsseldorfer BAP-Variante als Anhängerschaft andient, immer noch mehr als nur eine Nuance zu schlau und subtil.
Für den Neu-Start nach der Geschäftsauflösung ihrer bisherigen Plattenfirma, mit mehr oder weniger deutlichem Schielen auf Chartsplazierungen seitens der neuen Company, sind das nicht unbedingt die allergünstigsten Voraussetzungen. Allerdings wissen letztere wohl recht genau, wen man sich da ins Haus geholt hat, und behandeln das Thema mit der geforderten Offenheit für dessen Belange. Schließlich macht die Hälfte des Quartetts bereits seit über zehn Jahren gemeinsam Musik und hat schon zu Zeiten, als man noch unter dem deutlich sonnigeren Logo HAPPY HOUR firmierte, die Höhen und Tiefen des Biz in so ziemlich all seinen Ausformungen auskosten dürfen. Daraus gelernt hat man zumindest, daß eine funktionierende Bandgemeinschaft deutlich besser dasteht als eine im Endeffekt gegeneinanderarbeitende Rotte von Einzeltätern. Karrierepläne sind heuer genauso Kollektivprodukt, wie Musik und Text es im großen und ganzen sind. Auch die Entscheidung, nach dem Labelwechsel noch nicht direkt mit einem neuen Album aufzuwarten, sondern die Fans erst einmal mit einer ausführlichen Sammlung von vergriffenen Tracks und Single-B-Seiten zu beglücken, wurde sorgsam überdacht und von der Plattenfirma mit erfreulichem Einsatz in Form einer Doppel-CD, vollgepackt mit Raritäten, umgesetzt. Nichtsdestotrotz stehen die Songs für das im Frühjahr '98 erscheinende reguläre Album bereits zur Gänze, und wenn dieser Artikel erscheint, dürften die vier Herren schon auf der iberischen Halbinsel weilen, um in Uwe Hoffmanns (bisher \"Preußenton\") frisch bezogenem Studio fleißig an den Aufnahmen zu werkeln. Stilistisch will man sich noch weiter öffnen als bisher, und lyrisch steht zumindest dank eines momentan unter dem Arbeitstitel \"Strandlied\" firmierenden Songs endlich auch einmal eine ernstzunehmende Auseinandersetzung mit zu Unrecht in Not geratenen Mitmenschen ins Haus ... Schließlich weiß man spätestens seit dem Abgang der \"Metronom\" selbst gut genug, wie es ist, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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