HUTPFERDEMÄNNER

Auf zur Aufmerksamkeit

16.09.1997, 18:40, Text: Autor unbekannt

Über Ulis Ablehnung zynischer oder ironischer Geisteshaltungen mußten wir im Gespräch keine Lanze mehr brechen. Wir leben zwar in einer zynischen Zeit, aber vielleicht ist der Umstand, daß sich die Band gerade dagegen nachgerade rote Ohren machend aufbäumt, ein Garant für ungeteilte Aufmerksamkeit, die laut Uli ohnehin angestrebt wird, denn \"Vollmondfieber\" soll auch kommerziell eine noch größere Hörerschaft erschließen. Dabei wurde nicht nur musikalisch etwas ausgemistet. Ein gut produziertes Popalbum ohne Ecken ist es allemal geworden, obwohl die Band gerade mal mit vier fertigen Songs ins Studio zog, um dort wie wild geworden Material zu konservieren.

Dem Longplayer entspringen somit gute 55 Minuten. \"Im Studio habe ich mich hingesetzt, und die Stücke entstanden in Minuten, die Stimmung war einfach ungeheuer produktiv. Auch der Text meines Lieblingsliedes 'Fühl' Mich Nach Tanzen' ist in fünf Minuten entstanden und eher so, daß ich mich einfach hinsetzte und alles aufschrieb, was mir in den Kopf kam.\"
Unterm Strich finde ich soliden Gitarrenrock, opulent arrangiert, denn alleiniger Songschreiber Uli hatte offensichtlich so etwas wie ein Reifewerk im Kopf, als es ans Beladen der häufig die 6-Minutengrenze überschreitenden Songs ging. Die bisherige Resonanz enttäusche ihn hingegen schon ein wenig, denn \"die Leute, die die erste Platte gut fanden, nehmen sie als Meßlatte für die neue. Es ist zwar noch dieselbe Band, aber eine ganz andere Herangehensweise.\" Tatsächlich lebt \"Vollmondfieber\" von einer Unzahl Overdubs, die das gesamte Material sehr klassisch erscheinen, leider aber auch die Roheit des Gitarrentrios vermissen lassen. Die Reproduktion wird sodann auch sehr schwierig. \"Es ist klar, daß wir einige Stücke in unserer Besetzung nicht mehr live spielen können, aber es wäre zu schwer, noch ein Bandmitglied zu integrieren, da wir als Trio schon so lange zusammen spielen.\" Bei aller Konzentration auf den Verlauf und Erfolg der Veröffentlichung von \"Vollmondfieber\" sind konkrete Live-Aktivitäten in der Warteschleife.
Als Popalbum wird es einige Stirnen runzeln, textlich auf jeden Fall anecken und doch gehört werden, denn bei allem Reimschmus propagieren die HUTPFERDEMÄNNER letztendlich nur Romantik, wer kann da schon nein sagen?



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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