BRÜLLEN

Das Weinen hat ein Ende

16.09.1997, 16:44, Text: Autor unbekannt

Na, ganz so taufrisch ist man bei BRÜLLEN nun auch nicht mehr - aber kommt ja immer charmant rüber, wenigstens noch dafür gehalten zu werden. Die Band um Sänger und Texter Kristof Schreuf gibt es bereits seit Anfang der Neunziger. In diesen Gründerjahren war sie oft im Gespräch, ganz Hamburg fragte sich, was machen BRÜLLEN wohl jetzt? Nun, so richtig kamen sie in dieser Phase nicht auf die Füße. Die EP \"Laufe Blau\" blieb zunächst der einzige Output. Warum überhaupt auf das Statement einer Band ohne Longplayer gewartet wurde? - Ganz klar, Kristof Schreuf war zuvor schon Sänger gewesen, und zwar bei der legendären KOLOSSALEn JUGEND.
Der Sieges- und Signingzug neuer deutscher Musik rollt momentan mit voller Fahrt übers Land.

TOCOTRONIC und DIE STERNE lassen grüßen. Daran trägt teilweise auch eine Reihe spätachtziger Hamburger Bands Mitschuld, u. a. die erwähnte JUGEND. Doch davon wollen sie heute irgendwie nichts mehr wissen, streiten es regelrecht ab. Aber \"die Vergangenheit ist nur ein Zwinkern im Auge Gottes\", und in der Gegenwart gibt es ja auch genug zu gucken. Zum Beispiel Luka, die Bassistin. Die ist neu, und erst durch sie seien BRÜLLEN '97 endlich zur ersten größeren Veröffentlichung gelangt. Na also. Der Titel der CD, Schatzitude. Intellektuell klingt sie schon, aber mit bloßem Brillentragen ist es bei BRÜLLEN nicht getan. \"Es gibt so eine gewisse neue Larmoyanz in Hamburg, wenn mir einer erklärt, wozu die gut ist, fang ich auch an zu weinen. Aber sonst nicht\", sagt Kristof Schreuf recht kokett und dennoch bestimmt. Statt zu heulen möchte man sich lieber mit der Musik zu aktuellen Diskursen äußern. Hier läßt sich Ted Gaier, GOLDENE ZITRONEN, passend zitieren mit \"in Ruhe gelassen werden ist nicht.\" So stellt sich auch die Musik von BRÜLLEN dar. Der Gesang ist stets präsent und fordernd, die Musik drumherum erinnert in ihrer Klarheit an BLUMFELD, in ihrer Rhythmik an irgendwas anderes. BRÜLLEN sind am Schieben wie eh und je. Mal sehen, wer verstehen will und wird.



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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