ESKIMOS & EGYPT

Kamikaze?

13.09.1997, 19:02, Text: Autor unbekannt

Solches besorgt da schon eher die Erinnerung an die letzten zwei Jahre, an die Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Label »One Little Indian«: »Sie wollten unbedingt einen weiteren Act wie ihr Zugpferd THE SHAMEN aus uns machen. Bei allem, was wir taten, hörten wir immer nur 'THE SHAMEN'. Bereits unser '93er Debütalbum Perfect Disease, das einige Crossover-Elemente enthielt, führte zu Unstimmigkeiten. Ich meine, die haben uns doch tatsächlich WHITNEY HOUSTON-Sachen vorgespielt und gesagt, daß das gute Songs seien und wir uns daran ein bißchen orientieren sollten!«
Dieser unerträgliche Zustand, der durch Trennung gelöst werden sollte, mündete in einen enervierenden Rechtsstreit - die Band war für längere Zeit auf Eis gelegt.

»Möglicherweise ein Problem, da wir nun keinen Namen besitzen, an den sich die Leute sofort erinnern.« Fürwahr. Trotz ihrer ursprünglichen Vorreiterrolle in Sachen Techno-Rock-Crossover - »Früher waren wir eine normale Rockband, die sich an KILLING JOKE und THE CHAMELEONS orientiert hat. Aber als dann Ende der 80er die Acid-House-Szene in Manchester explodierte, haben wir erst mal unseren Drummer gefeuert« - kam den ESKIMOS & EGYPT nie die ihnen eigentlich zustehende breite Anerkennung zu. Und auch ihrem »Motor Music«-Debüt »Kamikaze« dürfte ein Anknüpfen schwerfallen, ist das von ihnen ehedem vorbereitete Terrain doch inzwischen fest in der Hand von Acts wie PRODIGY, UNDERWORLD oder CHEMICAL BROTHERS. »Natürlich werden wir mit diesen Gruppen in Verbindung gebracht«, gibt Mark zu. »Auch unsere Musik ist modern, tanzorientiert und beinhaltet Rockelemente. Aber ich denke, daß wir im Vergleich viel mehr Metal-Anteile besitzen - und konsequent härter sind wir sowieso!«
Eine weitere Verzögerung des kreativen Outputs verursachte die Entscheidung, das '95er Album »The Rest Is Silence« nicht zu veröffentlichen. Es war der Band schlichtweg zu brav. \"Wir hatten versucht, Popsongs zu schreiben. Alles sollte auf einer Akustikgitarre zu spielen sein und dabei gut klingen. Aber keiner der Songs klang gut auf einer Akustikgitarre! Sie verloren vielmehr ihre Energie und Aggressivität.« So wurde das als Erstrelease für »Motor« geplante Werk kurzerhand gecancelt, und man beschränkte sich zunächst auf zwei Singles sowie eine Tour mit den Labelmates RAMMSTEIN, »was ziemlich merkwürdig war, da die Leute während unseres Auftritts permanent RAMMSTEIN skandierten. Aber ich glaube, letztendlich waren sie doch ziemlich angetan von uns.« Ein Zeichen für ihre Zukunft in Deutschland? ESKIMOS & EGYPT jedenfalls meinen ja. Na also ...



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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