SCHWEISSER

Holy shit

10.09.1997, 20:10, Text: Autor unbekannt

Diese Tragik ist es auch, die einen eigentlich menschenfreundlichen und ausgeglichenen Charakter wie Tommi Böck in die vollen greifen läßt. \"FrißÕ Scheiße\" bellt er ihnen allen entgegen, und wir verstehen ihn. Was wir allerdings weniger verstehen, ist, wenn diese Aggression einem WAGNEResken Element Platz gibt und das \"R\" von Körrrperrr rollt, als wolle es heim ins Reich. Dem ist zwar keinesfalls so, doch auf die Behauptung des Sängers und Texters, die deutsche Sprache sei nun mal hart und kantig, steht Hamburger Nachhilfe-Schule nicht unter drei Jahren.
Ihr habt es vielleicht schon geahnt: SCHWEISSER sind zurück, sie haben die heimliche deutsche Musikmetropole Weilheim verlassen und sind ins provinzielle München gezogen.

Und nach Kot geben sie uns jetzt den Heiland, voll, braun und gewichtig. Dort wird auf ganzer Länge eines der letzten Grundrechte der freien kapitalischen Welt zelebriert, das Recht auf Rock. Die Metallbau-Lehre ist abgeschlossen, SCHWEISSER haben dem reinen Stahl abgeschworen, sich ein paar rustikale Holzmöbel gekauft und rocken hart. Aus Text und Ästhetik dräut dazu der von ROLLINS und ähnlichen Haßlieben bekannte \"Hilf dir selbst\"-Darwinismus, der - woher sonst - aus geläuterter Armut und Drogenkonsum, also echtem Leben, stammt. Trotzdem gibt es genug Gründe, die Band sympathisch zu finden, vor allem, je näher man ihnen menschlich kommt. Was außerdem zu einer (leicht ambivalenten) Hoffnung auf ein Happy End beiträgt, ist der Mut und Geschmack, den SCHWEISSER bei der Auswahl ihrer Kooperationen beweisen. So ist der Griff zu ALEC EMPIRE und PANACEA als Remixer ebenso beifallswürdig wie die Entscheidung, die MELVINS mit auf ihre anstehende Tour zu nehmen. Da die göttlichen drei aber bislang jeder sie begleitenden Band das Hemd ausgezogen haben, steht den Süddeutschen eine strenge Probezeit bevor. Dann spätestens wird sich zeigen, ob ihre Scheiße hart wie ein Rock ist, oder ob auch der Heiland nicht mehr helfen kann.



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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