STEAKKNIFE
Das Messer am Ufer
09.09.1997, 14:39, Text: Autor unbekannt
\"So was\" heißt übersetzt \"Songs Men Have Died For\" und ist der neueste Stich von STEAKKNIFE aus Saarbrücken, erscheint zwei lange Jahre nach deren Debüt \"Godpill\" und ist gewissermaßen auch ein Umzug vom rührigen Wohnzimmer-Label \"X-Mist\" zur etwas bekannteren Adresse \"Semaphore\". \"Die Vetriebswege waren halt nicht so doll. Auf den Konzerten wurden wir angesprochen, daß unsere Platte nicht zu kriegen sei. Armin [X-Mist] hat die erste Platte auch nicht so gut gefallen, er hat sie eigentlich mehr oder weniger nur deshalb rausgebracht, weil er uns schon so lange kannte und eher uns gutfand und nicht unbedingt die Mucke\", was natürlich sein gutes Recht ist.
Aber wir alle wissen: Die beiden Platten (soll ich schreiben: besonders die neue? Gut.) bilden in Verbindung mit dem enormen Livepotential ein lattendicht gemeißeltes Powerpaket mit Songs zur Lage des Planeten und seiner Grütze. Nö, STEAKKNIFE erfinden den Punk 'n' den Roll sicher nicht neu. Lee Hollis, der charismatische und arbeitslose Sänger, gewinnt in der Mini-Playback-Show jeden Jello Biafra-Imitations-Contest, die Band hieß früher einmal ANKRY SIMONS. Alles klar - und genauso klingt's auch: scharfzüngige Turbo-Angrys aus Samonien mit erdrückend viel Herz, Hirn und Bauch. In der Summe macht sie das hierzulande derzeit zu einer der glaubwürdigsten, mitreißendsten und technisch versiertesten Punkbands - warum also sollte dieser Cocktail nicht auch den Amis schmecken? Zumal die kompletten Roots des Fünferbobs in den USA liegen, genau wie der sehr urbane Duracell-Punk und die Wiege von Herrn Hollis, den Gestrige vielleicht noch aus seiner Zeit bei den SPERMBIRDS kennen.
Rocket A. Polle, ebenfalls Gitarrist, aber einziger Bewerber im Dave Hill (SLADE)-Lookalike-Wettbewerb, sagt: \"Punk und Rock'n'Roll sind überhaupt wieder schwer im Kommen.\" Ich denk' laut: \"Na, dann sag das mal den Kids, die wissen das noch gar nicht\", und die neue STEAKKNIFE-Platte wird daran nichts ändern. Sie macht Spaß, ohne spaßig zu sein. Ein zynischer Schlag in der klassischen Punkrock-Boxbude und gerade deshalb die Addition all dessen, was diese Musik und von mir aus auch die Attitude ausmacht. \"Diese Platte ist garantiert nicht für einen speziellen Markt konzipiert. Das ist halt unser Punkrock.\"
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