THE TEA PARTY

Das Menschsein als solches

08.09.1997, 13:50, Text: Autor unbekannt

Das beweist nicht zuletzt \"Transmission\", das neue Album der kanadischen Band, die durch Stuart Chatwood und Jeff Burrows komplettiert wird. Drei Alben und eine EP hat das Trio bisher veröffentlicht. Letztere trägt den bezeichnenden Titel \"Alhambra\", der Assoziationen weckt an den mittleren bis fernen Osten, an Mythen und die Größe längst versunkener Dynastien. THE TEA PARTY vereinen den Sound einer Rockband mit Melodien und Instrumenten aus Indien, Nordafrika und dem Orient. Dieses Klangwerk kollidiert auf \"Tansmission\" mit digitaler Studiotechnik: Industrialsounds, dubbige Atmosphären und Breakbeats. Doch den Trendzug lassen die Kanadier vorbeirauschen - sie bevorzugen weiterhin den Orientexpreß.

Der Prozeß der Integration ist ein organischer, und er entstammt einer natürlichen, wenn auch nicht nur erfreulichen Entwicklung. Chaos ist für Jeff demgemäß die Hauptmotivation für \"Transmission\". \"Wir waren nicht glücklich mit unserem Umfeld. Es gab Zeiten, in denen wir nicht wußten, ob die Band eine Zukunft haben würde. Die einzige Chance, die wir hatten, um nicht verrückt zu werden, war die Arbeit im Studio. Wir hatten niemals zuvor Zeit, das Aufnahmestudio als ein weiteres Instrument zu benutzen. Wir wußten nicht, wohin uns die Reise führen würde. Natürlich hat uns diese Unsicherheit verängstigt, aber es ist definitiv der beste Zustand, in dem du dich als Künstler bewegen kannst. Ich wollte wissen, ob es mir gelingt, ein Skelett aus technoiden Strukturen zu bauen und darüber eine organische Rockband zu legen.\"
Alles andere wäre pure Verschwendung gewesen. Es gibt nämlich wenige Bands, die in der Lage sind, ihr Publikum in eine derart fremde Welt zu entführen. \"Mystik\" ist zwar ein lästiger, weil viel zu aufgeblähter Begriff, doch drängt sich die Frage auf, ob sie zu Martins Antrieben gehört. \"Ja. Doch ich würde es nicht Mystik nennen, sondern die Geheimnisse der Seele. Der Versuch, den Zustand der Menschen zu verstehen. Denn der ist ein Geheimnis, und zwar eines, das niemals gelöst wird. Deshalb hat das Album tatsächlich einen kultischen Aspekt.\" Doch Jeff reflektiert nicht nur die conditio humana als solche, sondern auch den Stellenwert des Künstlers im besonderen: \"Wenn du das Ego eines Künstlers wegstreichst, dann ist er ein Kanal. Wir kanalisieren Energie. Musik ist nichts anderes als die Verteilung von Schwingungen. Als menschliche Wesen reagieren wir auf diese Vibrationen. Ein Wesen außerhalb des menschlichen Zustands schaut sich das an und denkt wohl, daß wir vollkommen verrückt sind. Deshalb halte ich es für gerechtfertigt, das in Frage zu stellen, was in Form von Musik passiert und wie die Menschen darauf reagieren.\"
Eine gesunde Einstellung für einen Menschen, der Konzerte als kreatives Yoga bezeichnet und der seine Texte in \"einer Art Raserei\" zu schreiben pflegt. \"Ich verbarrikadierte mich für drei Wochen in meinem Haus. Ich habe versucht, meinen Geist in einen Zustand von Wahnsinn zu bringen. Die ganze Wohnung war gepflastert mit leeren Weinflaschen, ich hatte mich einige Wochen nicht mehr rasiert, niemanden gesehen, mit niemandem geredet. Ich hatte genug Essen im Haus, um auf die Dinge zu warten, die aus mir herauskommen würden.\" - Kannst du dich noch an die ersten Worte erinnern, die du aufgeschrieben hast? - \"Ja. We fear what we see in the distance. And we're shattered by life's self-deceipt.\" Sicherlich nicht der Stoff, aus dem die zukünftigen Trends geschmiedet werden ...



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aus Intro #48 (Oktober 1997)
 
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